23.11.2022

BAG-Coronakampagne

JvM Limmat führt das Covid-Mandat weiter

Nach Rod übernimmt Jung von Matt Limmat: Der Bund hat das Mandat für die post-pandemische Phase von 2023 bis 2026 vergeben. CEO Roman Hirsbrunner freut sich über den Gewinn des Millionen-Etats. Das BAG lobt Strategie, Kreativität und Teamauftritt. Rod trägt es mit Fassung.
BAG-Coronakampagne: JvM Limmat führt das Covid-Mandat weiter
JvM-CEO Roman Hirsbrunner und BAG-Kampagnenleiter Adrian Kammer (beide l.) arbeiten ab 2023 zusammen. David Schärer von Rod (r. muss das Mandat abgeben. (Bild im Hintergrund: Keystone)
von Michèle Widmer

Nach zweieinhalb Jahren muss Rod das Covid-Mandat rund um die Dachkampagne «So schützen wir uns» vom Bund auf Ende Jahr abgeben. Ab 2023 übernehmen die Kollegen von Jung von Matt Limmat die Kommunikation für die post-pandemische Phase bis ins Jahr 2026. Diesen Entscheid hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch kommuniziert. In einem zweistufigen, selektiven Ausschreibungsverfahren habe die Jury einstimmig entschieden, Jung von Matt Limmat den Zuschlag zu geben, heisst es in der Mitteilung. «Die Agentur konnte die Jury mit ihren strategischen Überlegungen, den kreativen Ideen und einem engagierten, motivierten Teamauftritt an der Pitch-Präsentation von sich überzeugen», sagt BAG-Kampagnenleiter Adrian Kammer auf Anfrage gegenüber persoenlich.com.

Zum Pitch beim BAG waren auch die Agenturen Rod und CR Kommunikation geladen. Auch Havas hatte sich beworben (persoenlich.com berichtete). 

Arbeit für die Schublade?

«Wir freuen uns enorm, dass wir den Zuschlag erhalten haben und das BAG-Team von uns überzeugen konnten», sagt JvM-CEO Roman Hirsbrunner gegenüber persoenlich.com. Die Agentur soll im Auftrag vom BAG dafür sorgen, dass der Bevölkerungsdialog bezüglich Covid-19 weitergeführt wird. Konkret soll die Bevölkerung in der Schweiz die geltenden Verhaltensempfehlungen kennen und sich über die Impfung informieren und diese gegebenenfalls erneuern. Generell sollen die Gesundheitskompetenzen mit Blick auf die Bewältigung grosser Public-Health-Herausforderungen erhalten oder weiterentwickelt werden. Und: Bei der Veränderung der epidemiologischen Dynamik von Covid-19 sollen schnell angemessene Kommunikationsmassnahmen ergriffen werden können.

Die Kampagne werde nur medial ausgespielt, wenn die epidemiologische Lage dies erfordert, schreibt das BAG in der Mitteilung. Heisst das konkret, dass zumindest ein Teil der Arbeit von Jung von Matt Limmat allenfalls in der Schublade liegen bleibt? «Es ist nicht auszuschliessen, dass Content entwickelt wird, der letztlich nicht eingesetzt wird», sagt Kammer auf Anfrage dazu. Das BAG bereite sich auf Kampagnen für alle realistischen Szenarien vor, die je nach Entwicklung der epidemiologischen Lage eintreffen können. Man habe den Auftrag, auch für eine mögliche negative Entwicklung der epidemiologischen Lage Vorbereitungen zu treffen. Auch im Best Case der pandemischen Entwicklung werde aber ein Minimum an Bevölkerungsinformation zu Covid-19 notwendig sein.

Auch Hirsbrunner sagt: «Wir werden so oder so Arbeiten für das BAG umsetzen können.» Konkret meint er damit die Kommunikation rund ums Impfen. Denn Jung von Matt verantwortet nebst der Covid-19-Informationskampagne auch die Umsetzung der nationalen Strategie zu Impfungen, in deren Rahmen sämtliche Kommunikationsaktivitäten zum Impfen strategisch geplant, neu konzipiert, weiterentwickelt und realisiert werden.

Millionen-Etat gesichert

Für das dreijährige Mandat stehen der Agentur rund 2,3 Millionen Franken für den Grundauftrag sowie für Optionen weitere rund 49 Millionen Franken zur Verfügung, wie auf simap.ch, dem Ausschreibungsportal des Bundes, zu lesen ist. «Wir möchten das Mandat mit den Personen umsetzen, die bei uns sind und von Anfang an mit dem Thema gearbeitet haben», sagt Hirsbrunner. Wenn es die Auftragslage erfordere, werde man neue Talente mit an Bord holen. 

Rod hätte das Mandat nach zweieinhalb Jahren gerne weitergeführt und zeigt sich auch enttäuscht: «Wir gratulieren den Kolleginnen und Kollegen von Jung von Matt herzlich zu diesem Pitchgewinn», sagt Gründungspartner David Schärer auf Anfrage. Wo sie besser überzeugen konnten als Rod, werde sich wohl in den nächsten Tagen im Gespräch mit dem BAG zeigen. Schärer fügt an: «Uns bleibt die Erfahrung, die wohl unwiederbringlich ist und für die wir sehr dankbar sind. Die Kampagne in einem sehr dynamischen und von Ungewissheiten geprägten Umfeld ist ein sehr prägendes Kapitel in unserer Agenturgeschichte und die intensive Zusammenarbeit mit dem Kampagnenteam des BAG um Adrian Kammer beispiellos.» Man sei jetzt nicht mehr Teil des «One Campaign-Teams» und natürlich bedauere man das. Allerdings: «Die Dankbarkeit überwiegt den Frust.»

Auch beim BAG blickt man auf eine «Zusammenarbeit mit viel Professionalität und höchstem gegenseitigem Respekt für das Geleistete» zurück. «Wir haben mit Rod erfolgreich und intensiv zusammengearbeitet und gemeinsam über 40 Teilkampagnen Covid-19 realisiert. Dies häufig unter sehr hohem Zeitdruck und nie nachlassender Motivation und hohem Engagement.»

Zurück in geordneten Bahnen

Mit der öffentlichen Ausschreibung geht das Covid-Mandat ab 2023 in eine geordnete Phase über. Im Februar 2020 war aufgrund der Dringlichkeit keine solche möglich. Das BAG hat sich damals nach einem Einladeverfahren für eine Direktvergabe entschieden, gestützt auf einen entsprechenden Passus im Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen. Ab 2023 ist das BAG also zurück im courant normal – mit Jung von Matt Limmat an der Seite.

Mitarbeit: Tim Frei



Newsletter wird abonniert...

Newsletter abonnieren

Wollen Sie Artikel wie diesen in Ihrer Mailbox? Erhalten Sie frühmorgens die relevantesten Branchennews in kompakter Form.

Kommentar wird gesendet...

Kommentare

  • Dave J. Murdoch, 25.11.2022 14:31 Uhr
    Unglaubliche Oppurtunisten. Ich war mal Fan von JvM. Das war einmal.
  • Darryl von Däniken, 24.11.2022 10:33 Uhr
    Wollen wir 'mal sehen wie weit die neue Agentur mit den bisher zum Teil irreführenden BAG Aussagen mit macht.
  • Victor Brunner, 23.11.2022 17:56 Uhr
    Unglaubliche 51 Mio, Steuergelder verschleudert, JvM hat den Jackpot fürs "Nichtstun" gewonnen!

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Zum Seitenanfang20221129

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.