18.03.2002

"Letztlich ist AY&R auch mein Baby."

Hansjörg Zürcher (Bild), der lange Jahre Kreativ-Chef bei Advico Young & Rubicam war, springt in Gockhausen als Creative Coach ein. Damit übernimmt nach Bruno Widmer ein zweiter "Veteran" Verantwortung, nachdem vor kurzem die gesamte Geschäftsleitung den Austritt angekündigt hatte. "persoenlich.com" befragte Zürcher, der zur Zeit ferienhalber auf Mauritius weilt, nach den Beweggründen für das neuerliche Engagement. Das Interview:
"Letztlich ist AY&R auch mein Baby."

Noch vor Kurzem sagten Sie gegenüber "persoenlich.com", man assoziere Ihre Person viel zu stark mit Advico, Sie seien inzwischen Freelancer. Jetzt engagieren Sie sich doch wieder stärker. Wie kam es zum Gesinnungswandel?

Der unerwartete Rücktritt des Managements hat mich dazu bewogen. Letztlich ist AY&R auch mein Baby, und wenn mich Bruno Widmer anfragt, sage ich selbstverständlich nicht nein. An meinem Status ändert sich ja nichts: Ich arbeite weiterhin auf Freelance-Basis als Consultant, bloss das es hier im Moment einfach mehr zu tun gibt.

Wurden Sie als prominentes Aushängeschild reingeholt, um den Abgang von Budgets zu verhindern?

Nein, ich wurde zum Arbeiten geholt. Natürlich hat es Vorteile, dass ich die Agentur und ihre Kunden sehr gut kenne. Im Wesentlichen geht es aber um die Kontinuität in dieser guten Agentur: Kontinuität für die Kunden, für die Qualität der Arbeit und für das Arbeitsklima. Wenn ich da etwas beitragen kann, tue ich das gerne. Abgesehen davon werden die Kunden in der Regel nicht von der Geschäftsleitung betreut.

Was bedeutet es für Sie, wenn bei einer Krise auf die alte Garde zurückgegriffen werden muss?

Das sind Sachen, die ab und zu halt vorkommen. Damals haben wir uns zurückgezogen, weil wir eine gute Geschäftsleitung hatten. Ich möchte, dass die Agentur weiterexistiert, für mich ist es wichtig, da zu helfen. Es geht allerdings nicht darum, mich als geschäftsleitenden CD zurückzuholen. Dazu hätte ich auch keine Lust.

Ihre Funktion heisst "Creative Coach". Was bedeutet das?

Das ist wie der Coach im Sport, aber natürlich handelt es sich um eine CD-Funktion; es geht um das kreative Produkt. Als Coach habe ich die selbe Funktion wie ein CD. Das ist auch sonst meine Funktion, wenn ich für Agenturen arbeite -- schliesslich heisst meine Firma Creative Direction.

Der jetzige Zustand ist eine Übergangsfrist. Wie lange wird die Ihrer Meinung nach dauern?

Das ist sicher absehbar. Es geht darum, einen neuen CD und ein neues Management zu finden und einzuarbeiten. Unsere Zielsetzung ist, das möglichst schnell über die Runden zu bringen. Natürlich haben Bruno Widmer und ich uns da einen Zeitrahmen gesteckt, doch den will ich nicht kommunizieren.

Wie läuft es beim Rekrutieren neuer Leute?

Das ist die Aufgabe von Bruno Widmer. Selbstverständlich helfe ich, wenn ich meine Beziehungen einfliessen lassen kann. Bei der Auswahl geht es nicht nur um fachliche Qualifikationen, die Kandidaten müssen auch zur Agentur und ihrem Klima passen. Ein gutes Zeichen für dieses Klima ist übrigens, dass die meisten Leute bleiben, obwohl sie anderswo wohl mehr verdienen könnten.


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