22.10.2026

Stadt Bern

Neuer Anlauf gegen Auto- und Flugwerbung

Eine Motion will das Verbot im Reklamereglement verankern und bei der nächsten Plakatkonzession berücksichtigen. Der Gemeinderat hatte ein ähnliches Anliegen im März nicht weiterverfolgt.

Werbung für Personenwagen, Flugreisen, Fluggesellschaften und Kreuzfahrten soll in der Stadt Bern nicht mehr bewilligt werden. Das verlangt eine Motion, die 16 Stadtratsmitglieder aus dem Lager links der SP am 15. Oktober eingereicht haben. Der Gemeinderat soll das Verbot im Reklamereglement festschreiben und bei der Neuvergabe der Plakatierungskonzession berücksichtigen. Diese steht bald an: Die aktuelle Konzession läuft bis Ende 2027, die Vergabe wird gemäss Gemeinderat rund ein Jahr vorher aufgegleist.

Die Motion knüpft an ein Postulat der Jungen Alternative an, das der Stadtrat 2023 mit 45 zu 27 Stimmen überwiesen hatte (persoenlich.com berichtete). In seiner Antwort vom März 2026 äusserte der Gemeinderat «grundsätzlich Sympathie und Verständnis» für das Anliegen. Ein Verbot sei rechtlich zulässig, sofern es im Reklamereglement verankert werde. Weiterverfolgen wollte er es trotzdem nicht. Weil auch Hybrid- und Elektroautos betroffen wären, sah er erhebliche Abgrenzungsschwierigkeiten und entsprechenden administrativen Aufwand. Die Motion nimmt Elektroautos ausdrücklich nicht aus, weil auch sie viel versiegelte Fläche beanspruchten.

Der Jungfreisinn Stadt Bern fordert den Stadtrat auf, die neue Motion abzulehnen. Ein lokales Verbot spare kein CO₂, weil sich die Werbegelder ins Internet verlagerten, schreibt die Partei in einer Medienmitteilung.

Parallel dazu läuft die Debatte über ein umfassendes Werbeverbot. 2024 überwies der Stadtrat mit 30 zu 29 Stimmen eine Motion, die kommerzielle Werbung im ganzen Aussenraum verbieten wollte. Wegen Einnahmen von rund fünf Millionen Franken pro Jahr machte das Parlament den Entscheid in der Budgetdebatte 2025 rückgängig. Im Mai 2026 schrieb es die Motion ab.

Damit ist das Totalverbot aber nicht vom Tisch. Seit dem 1. Mai sammeln linke Parteien und Organisationen Unterschriften für die städtische Volksinitiative «Bern werbefrei!». Sie will Fremdreklame im ganzen Stadtgebiet verbieten. Nötig sind 5000 Unterschriften, die Sammelfrist läuft bis 31. Oktober. (nil)


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