06.01.2004

"Reini Weber, woher nehmen Sie die Energie, wieder bei fast Null zu beginnen?"

Die Zürcher Agentur Weber, Hodel, Schmid, hat kurz vor Weihnachten ihre Bücher deponieren müssen. Betroffen sind 18 Angestellte. Reinhold Weber (Bild) wäre aber nicht Reinhold Weber, wenn er nicht schon zum nächsten Streich blasen würde: "Weber gründet Reinhold", wie er augenzwinkernd gegenüber "persoenlich.com" erklärte. Konkret: Gemeinsam mit Peter Lesch von Lesch + Frei hat er soeben sein jüngstes Kind, das "Büro Reinhold", aus der Taufe gehoben. Das Interview:
"Reini Weber, woher nehmen Sie die Energie, wieder bei fast Null zu beginnen?"

Reini Weber, WHS ist pleite, wie es der Tages-Anzeiger in seiner heutigen Ausgabe formuliert. Warum sind die Fusionpläne mit GGK geplatzt?

Dazu gebe ich, man darf hoffentlich ironisch bleiben, nicht mal ein Dementi ab.

Soviel will ich aber sagen: Der reichlich prominent produzierte und aufgemachte Artikel in der SonntagsZeitung Anfang Dezember hat nicht gerade zu einer optimaleren Stilllegung von WHS und Zukunftperspektive mit GGK beigetragen. Ich höre schon den beleidigten Vorwurf der Medienschelte, der ist mir aber diesmal völlig wurscht: Diese Geschichte verhinderte sehr massgeblich eine weichere Landung. Aber was soll's.

Von Strittmatter habe ich danach nichts mehr gehört und auch nichts mehr hören können. Ich bin nämlich kurz nach dem Artikel, am 10. Dezember genau, zu allem Überfluss auch noch von einer Treppe gestürzt und war bis vor drei Tagen, von meiner Frau gottlob völlig abgeschottet, im Spital und in der Reha. Mein Dickschädel hat laut den Ärzten riesiges Glück gehabt, B.B. King scheint sein Händchen über mich gehalten zu haben.

Und eine Neugründung mit der Person Peter Lesch als Partner schien mir, örtlich direkt neben seiner Agentur Lesch + Frei gelegen, wie soll ich sagen, einfach weniger diffizil. Das war ein Nachtessen, ein sehr konstruktives, offenes, cleveres und sogar lustiges Gespräch, ein Handschlag, und die Sache war perfekt. Seit heute sind wir an der Weinbergstrasse 31, und dem Stritti werde ich nichtsdestotrotz eng verbunden bleiben.

Betroffen sind 18 Angestellte. Werden diese ihren Lohn erhalten und wenn ja, wann?

Wie ich informiert bin, sind die Chancen ziemlich intakt, dass alle so gut wie alles kriegen. Wieviel genau und vor allem wann liegt allerdings nicht mehr in unseren Händen. Das kann offenbar dauern. Yvonne Boller hat die Leute, mich eingeschlossen, gestern jedenfalls nochmals sehr umfassend und klar informiert, es ist alles sauber aufgegleist. Und dann sind wir alle nochmal geschlossen in diese schöne Bar in der Gessnerallee gegangen und haben uns Bier und Hacktätschli genehmigt.

Ihre Agentur residierte in einer Villa, die der Stadt gehört. Wie hoch sind hier die offenen Rechnungen?

Die Villa ist und war eine Fabrik. Der Schaden schätze ich als nicht allzu hoch ein, der langfristige Vertrag war ohnehin im September abgelaufen, und es gab sehr realistische, faire und konkrete Vorstellungen über eine Folgeregelung. Ausserdem zahlen einige Untermieter ja vorerst weiter, Gespräche laufen bereits, und es sollte kaum ein Problem sein, Nachmieter zu finden. Wir unterstützen die Stadt abmachungsgemäss auch so kräftig wie möglich in ihren Bemühungen.

Der Tages-Anzeiger zitiert "Kollegen und gute Bekannte", gemäss denen Sie die Bodenhaftung verloren hätten und zu viel in zu kurzer Zeit wollten, woran Sie schliesslich gescheitert seien. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Das sage ich dem Hampi Bürgin (zeichnender Redaktor Tages-Anzeiger, die Red.) persönlich. Wenn ich mich jedoch so umhöre, habe ich etwa drei Millionen gute Kollegen und enge Bekannte und bin offensichtlich prominenter als die Herren Erb; das ehrt mich. Und wie ich mich erinnere, war ich in meinem Leben auch schon krebskrank, Saxophonist, Autofahrer, Nichtschwimmer sowie lesbisch und schwul gleichzeitig. Diese vielen Bekannten werden es auch jetzt sicher alle ganz genau wissen. Ich jedenfalls schaffe es nicht, das in ein Wort oder in einen Satz zu packen.

Würden Sie aus heutiger Sicht die Expansion von WHS nach Berlin und Wien als Fehlentscheid bezeichnen?

Wenn der gemeinsame Plan, die Smart-Factory sehr rasch zu dezentralisieren, auch sehr rasch umgesetzt worden wäre, alles tougher gemanagt worden wäre und es global nicht gecrasht hätte, wohl kaum. Doch ich kann das offen gesagt selbst aus einer gewissen zeitlichen Distanz heraus nicht schlüssig beurteilen. Wäre auch bloss verlorene Zeit.

Nun wollen Sie gemeinsam mit Peter Lesch von Lesch & Frei eine neue Agentur gründen. Woher nehmen Sie die Energie, wieder bei fast Null zu beginnen?

Woher diese Energie kommt, müssen Sie meine Mutter, meine Frau oder meinen Hausastrologen fragen. Die Agentur steht jedenfalls, es wird schon fleissig mit dem Kopf gehämmert, der Peter und ich müssen diese oder nächste Woche bloss noch kurz das Handelsregisteramt belästigen. Ich freu mich drauf.

Wieviele und welche WHS-Kunden werden zum "Büro Reinhold" wechseln?

Per Stand heute, 10 Uhr 47, waren beim Büro "Reinhold" -- typografiert in der Univers fett -- alle Kunden und eine handvoll Leute mit an Bord, die bereits Jobs abwickeln. Ich selber werde heute nach einem Arztbesuch punkt 13.30 Uhr dort eintreffen, um Peter erstmals im neuen Jahr zu treffen, unsere Mannschaft zu begrüssen sowie meinen "Halbbruder" Urs Leierer von Blue Balls Music mit seinen Leuten und den ex WHS-PR-Mann Christian Wick. Die sitzen neu ebenfalls dort, was mich in jeder Hinsicht wahnsinnig freut.

Christian Wick koordiniert übrigens auch alle Anfragen für Homestories (z.B. "Reinhold nackt!"), Radiointerviews, Fototermine, Casting-Shows oder was auch immer. Wir haben ja sonst nichts zu tun. Und für die drei Millionen Begrüssungs-Faxe mit Blumenzeichnungen drauf gilt die Fax-Nummer 01-256 86 91; wer uns telefonisch vom Arbeiten abhalten will, kann das natürlich ebenfalls tun: 01 -- 256 86 90.


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