14.07.2015

Wirz

"Smart Data ist die vitale Voraussetzung, um künftig kommunikative Lösungen anzubieten"

Die Wirz Gruppe hat zusammen mit einem internationalem CRM Dienstleister eine Agentur für Kundenwertmanagement gegründet: die Datalogue Schweiz AG. persoenlich.com hat mit Wirz-CEO Geri Aebi und Datalogue-Geschäftsführer Andreas Hannemann über die Hintergründe und Absichten dieses Deals gesprochen.

Wirz hat zusammen mit dem deutschen CRM-Dienstleister Datalogue ein Joint Venture in Zürich abgeschlossen. Was bezwecken Sie damit?
Geri Aebi: Unser Ziel ist die Erweiterung des eigenen Leistungsspektrums in den Bereichen 'Analytisches CRM und Kundenwertmanagement' sowie die Stärkung unserer Position als ganzheitlich denkender und arbeitender Kommunikationsdienstleister. Die Werbeauftraggeber haben in der jüngsten Studie von Leading Swiss Agencies und SWA den Schweizer Agenturen bescheidene Kompetenzen im Bereich 'Data Strategy' attestiert. Wir mussten aber nicht erst diese Befragung abwarten, um zu erkennen, wo die grössten Anforderungen an Kommunikationsagenturen heute liegen. Big Data mag ja vor allem ein Schlagwort sein, Smart Data ist dies sicher nicht – sondern die vitale Voraussetzung, um auch in Zukunft kommunikative Lösungen anzubieten, die Markt und Marketing vorwärts bringen.

War von Anfang an klar, dass Sie etwas Eigenes gründen wollten, oder wäre auch eine strategische Allianz denkbar gewesen?
Aebi: Wir haben uns nach ersten Gesprächen schnell für die Gründung entschieden. Das mag mit der Wirz Philosophie der unternehmerischen Eigenständigkeit zusammen hängen, liegt aber vor allem daran, dass wir mit Datalogue den perfekten Partner für das gefunden haben, was wir uns im Bereich Kundenwertmanagement vorgestellt haben. Von Anfang an war klar: Wir wollen nicht einfach ein weiterer Anbieter sein, der lediglich die Ergebnisse von Kunden-Webseiten oder Newslettern analysieren und optimieren kann. Von denen gibt es ehrlich gesagt, schon genug.

Wie kamen Sie auf die deutsche Datalogue als Partner?
Aebi: Jörg Bewersdorff, ECD von Wirz Wietlisbach Dialog, kennt die Keyplayer des Hamburger Unternehmens seit Jahren und schätzt deren eigenständige Datenmanagement- und Analytik-Lösungen. Ihn hat nicht zuletzt die Art und Weise überzeugt, wie man bei Datalogue alle für die tägliche Agenturarbeit relevanten Informationen so aufbereitet, dass damit nicht nur Informatiker etwas anfangen können. Denn das ist häufig der Schwachpunkt: Analysten und Agenturvertreter sprechen nicht die gleiche Sprache und es bleibt an den Auftraggebern hängen, eine Vermittlerrolle zu übernehmen. Das entspricht aber nicht unserem Selbstverständnis als Kommunikationsdienstleister. Wir wollen Arbeit vereinfachen und effizienter machen und nicht zusätzliche Aufwände generieren.

Wie viele Leute beschäftigen Sie in der neuen Firma?
Andreas Hannemann: Die Datalogue Schweiz startet mit einer gemeinsamen Mannschaft aus der Schweiz und unserem Standort in Hamburg. Unser Kernteam in Zürich besteht zum Start aus zwei bis drei Personen, um eine hervorragende, lokale Kundenbetreuung zu ermöglichen. Weitere Kollegen aus unserem 20 Personen starkem deutschem Team werden bei Bedarf jederzeit hinzugezogen und arbeiten innerhalb der lokalen Kundenprojekte bereits mit. Wenn wir gemeinsam mit unseren Partnern in der Wirz Gruppe ein ähnliches Wachstum wie in Hamburg schaffen, wäre das toll. Dort sind wir 2012 mit sechs Personen gestartet und werden Ende 2015 voraussichtlich ein Team von 23 Personen sein.

Überall ist von Big Data die Rede. Welche Vorteile ergeben sich dadurch für eine Kommunikationsagentur?
Aebi: Big Data ist im Grund genommen nur die Umschreibung für etwas, das wir jeden Tag erfolgreich für uns selbst einsetzen. Wir nutzen unsere Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Verhalten unseres Umfeldes sowie der uns bekannten Personen und überlegen uns, welche Themen wir mit wem, in welcher Form und wann besprechen möchten. Diese Überlegungen und Abwägungen führen dazu, dass beide Seiten das jeweilige Thema interessant und als 'Mehrwert' wahrnehmen. Im Ergebnis sind beide Seiten zufrieden, da sie das erhalten, was sie wollen. Und wenn es einmal nicht so klappt, dann haben wir wieder eine neue Erfahrung für die Zukunft gemacht.

Hannemann: Genau. Auf unsere Arbeit übertragen bedeutet dies: Skaliert man dieses Verfahren durch Steigerung der Datenmengen (interne Unternehmens-/ qualitative und quantitative Marktdaten) und nutzt statt der Leistung unseres Gehirns rechnergestützte, analytische Verfahren, dann können wir die Chance auf einen erfolgreichen Match zwischen der Angebotskommunikation und der Affinität von Zielgruppen deutlich erhöhen. Im Ergebnis steigern die Unternehmen, die von Datalogue und den jeweiligen Kommunikationspartnern wie Wirz betreut werden, ihre Absätze und verringern gleichzeitig die Kosten pro Neukunde oder Neuabsatz im Bestand. Der individuelle Kundenwert steigt also über den gesamten Kundenlebenszyklus. Wichtig ist dabei, dass vor allem der Endkunde zufriedener ist, da er durch diese gezieltere Kommunikation ein Angebot erhält, das für ihn interessant ist. Er fühlt sich eher als Person wertgeschätzt und nicht mehr als 'anonymer Vertrag' angesprochen.

Wirz verspricht sich eine Erweiterung des eigenen Leistungsspektrums in den Bereichen "Analytische CRM und Kundenwertmanagement". Was bedeutet dies für die Kunden?
Hannemann: Durch das gewonnene Wissen über die analysierten Zielgruppen und ihre relevanten Wünsche und Affinitäten kann die Ausrichtung und die Steuerung der Kommunikations-Massnahmen in allen Kanälen weiter verbessert werden. Für Auftraggeber bedeutet das, dass wir ihre Kunden effizienter und effektiver ansprechen und durch fundierte und detaillierte Aktionsanalysen und Reportings weitere Optimierungen erkennen und umsetzen können.

Wann starten Sie bzw. konnten Sie bereits Aufträge mit der neuen Firma gewinnen?
Hannemann: Die Datalogue Schweiz AG ist offiziell am 1. April gestartet. Wir haben bereits einige Kontakte und Termine mit Unternehmen in der Schweiz gehabt, die zeigen, dass der Bedarf in unterschiedlichen Bereichen deutlich gegeben ist. Ein erster namhafter Grosskunde konnte nach einem mehrstufigen Pitch auch bereits gewonnen werden. Darüber freuen wir uns sehr, auch wenn wir den Namen zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht kommunizieren dürfen. Wir sind zuversichtlich, dass wir 2015 noch für weitere Schweizer Kunden loslegen können. Immer mit dem Ziel, den Kundenwert für unsere Auftraggeber nachhaltig zu steigern. Denn das ist letztlich unser Anspruch: Wir wollen allen Unternehmen garantieren können, dass wir ihnen mehr bringen als wir kosten.

Inwiefern verändert sich durch diese Neugründung die Struktur von Wirz?
Aebi: An der Struktur der Wirz Gruppe ändert sich gar nichts, wir verfügen mit unserer neuen Beteiligung an der Datalogue Schweiz AG einfach über ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, um bestehenden und natürlich auch neuen Kunden attraktive zusätzliche Dienstleistungen anzubieten. Mit Bezug auf die zitierte LSA-SWA-Studie könnte man sagen: Die Auftraggeber fordern mehr Daten-Kompetenz von den Agenturen – das können sie jetzt von Wirz gerne haben.

Fragen: Matthias Ackeret, Bilder: zVg.


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