26.05.2025

KS/CS

«Um die Werbung mache ich mir keine Sorgen»

Mehr Sorgen als um die Werbung macht sich Jürg Bachmann um die Rahmenbedingungen. Die Politik wolle derzeit vermehrt regulieren, einschränken oder verbieten, so der Präsident von Kommunikation Schweiz anlässlich des 100. Geburtstags des Branchenverbands.
KS/CS: «Um die Werbung mache ich mir keine Sorgen»
«Es gibt viel Handlungsbedarf»: Jürg Bachmann, Präsident des Branchenverbands der Schweizer Werbung Kommunikation Schweiz. (Bild: Archiv)

Herr Bachmann, Kommunikation Schweiz feiert am Montag sein 100-jähriges Jubiläum der Schweizer Werbung. Von 1 bis 10, wie würden Sie den Zustand der Branche umschreiben?
Seit es Menschen gibt, gibt es Werbung. Und solange es Menschen gibt, wird es Werbung geben. Um die Werbung mache ich mir keine Sorgen. Die Branche ist, wie so oft, im Wandel. Sie muss die heutigen Arbeitsmittel einsetzen und weiterhin die Sprache des Publikums treffen. Ich finde, die Werbung macht das gut und auf der genannten Skala befindet sie sich sicher im obersten Viertel.

Wo sehen Sie momentan die grössten Herausforderungen?
Mehr Sorgen als um die Werbung an sich mache ich mir um ihre Rahmenbedingungen. An diese muss sie sich halten und sie drohen immer enger zu werden. Der ungebremste Abfluss von Werbegeldern auf Plattformen mit wenig publizistischem Mehrwert in der Schweiz hält an. Da muss die Branche zweifellos Gegenmassnahmen ergreifen. Zudem fallen einem Teil der Politiker immer neue Werbeverbote und -einschränkungen ein. So kommt die Werbung von zwei Seiten unter Druck. Gute Rahmenbedingungen für die Werbung sind nicht mehr selbstverständlich. Man muss etwas dafür tun! Da sehen wir unsere Aufgabe als Dachverband für die Schweizer Werbung.

«Gegen solche politischen Stellvertreteraktionen kämpfen wir»

Sie sind viel im Bundeshaus unterwegs. Welchen Stellenwert hat die Werbebranche momentan im Parlament?
Die Werbebranche geniesst im Bundeshaus einen hohen Stellenwert, wenn auch nicht immer unbedingt zum Guten. In unserem verbandsinternen Monitoring verfolgen wir derzeit 66 politische Geschäfte, die sich mit Werbung beschäftigen. Alle wollen etwas regulieren, einschränken oder verbieten. Dabei läuft das alte Spiel ab, das alle kennen und von dem sie wissen, dass es nicht funktioniert. Teile der Politik verbieten lieber Werbung, als gesellschaftliche Probleme zu lösen. Es ist einfacher und beruhigt das Gewissen. Auch wenn es nichts zur Problemlösung beiträgt. Gegen solche politischen Stellvertreteraktionen kämpfen wir.

Welche Bemühungen laufen auf politischer Ebene?
Wir fokussieren uns heute auf einige Kerngebiete, in denen Einschränkungen drohen. Das ist zunächst die Aussenwerbung, die immer öfter in grossen und kleinen Ortschaften eingeschränkt werden soll. Dabei ist die Aussenwerbung ein wichtiger Kommunikationskanal für Bürgerinnen und Bürger wie auch für Konsumentinnen und Konsumenten. Ein weiteres Thema ist die anstehende Regulierung der Lebensmittelwerbung. Es ist wichtig, dass die Unternehmen in diesem Sektor auch künftig verantwortungsvoll Werbung schalten können. An der heutigen Mitgliederversammlung wird diesbezüglich viel über Selbstregulierung gesprochen. Natürlich muss auch die Tabakproduktegesetzgebung im Parlament so abgeschlossen werden, dass sie Kinder und Jugendliche schützt und Erwachsenen Entscheidungsfreiheit lässt. Daneben gibt es zahlreiche andere Themen wie die Werbung von illegalen Casinoplattformen auf internationalen Webseiten, die in der Schweiz konsumiert werden und damit die schweizerische Gesetzgebung unterlaufen. Es gibt viel Handlungsbedarf.

Wie schätzen Sie den Einfluss von KI ein?
KI ist da und alle in der Branche müssen sich damit auseinandersetzen. Insbesondere auch deshalb, weil sie sich rasant weiterentwickelt. Wer sich nicht dauernd mit Möglichkeiten, Chancen und Risiken von KI auseinandersetzt, wird von der Entwicklung abgehängt. Noch viel rascher als früher. Soweit KI die Werbung betrifft, setzen wir uns vor allem für die Einhaltung der Urheber- und anderer Rechte ein. Wer etwas leistet, soll die Rechte dafür besitzen und für die Nutzung entschädigt werden. Wir haben bei diesem Thema im Moment vor allem eine beobachtende Rolle. Mit Interesse verfolgen wir, was der Bundesrat und bei der Vorbereitung das Bundesamt für Kommunikation Bakom überprüft und vorschlägt.

«An der Mitgliederversammlung ist Selbstregulierung ein zentrales Thema»

Wie feiert KS/CS das Jubiläum?
Wir sind ein Fachverband und ganz darauf ausgerichtet, gute gesetzliche Rahmenbedingungen für die Werbung zu ermöglichen, zu pflegen und zu erhalten. Dementsprechend feiern wir nicht mit einem grossen Bankett im Kursaal bei Speisen und Tanz. Wir setzen uns auch an der Jubiläumsversammlung mit den Themen auseinander, die uns beschäftigen und die der Absicherung der Zukunft für die Werbewirtschaft dienen. An der Mitgliederversammlung ist Selbstregulierung ein zentrales Thema. Wir glauben, dass wir dieses Instrument, das bei KS/CS grosse Tradition hat, wieder vermehrt einsetzen sollten. Zum Jubiläum haben wir zusammen mit dem «persönlich»-Verlag eine kleine Schrift herausgegeben, in der wir auf die 100 Jahre zurückblicken und für die wir auch einige politische Statements eingeholt haben.

Wo möchten Sie den Verband in den nächsten Monaten hinführen?
Unser Vorteil als Verband ist, dass wir uns für Werte einsetzen können. Für Freiheit und Transparenz, gegen Verbote und Bevormundung. Und das in allen Bereichen der Wirtschaft und des Staates. Dieser Weg, den wir in den letzten Jahren aufgebaut und konsequent eingehalten haben, bringt uns politische Erfolge. Darum werden wir ihn konsequent weitergehen. Wir werden auf die Gesetzgebung – und wo nötig – auf Volksabstimmungen ausgerichtet bleiben und uns für die Freiheit der Kommunikation einsetzen – ganz besonders für die Werbefreiheit.


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