07.06.2000

Vom 19. bis 24. Juni werden in Cannes wieder die Löwen los sein. Wobei der Cyber Lion immer mehr an Gewicht gewinnt.

Mit diesem Sommer werden am renommierten Werbefestival in Cannes bereit zum dritten Mal die Cyber Lions vergeben. Eine Jury von hochkarätigen Experten wird die besten Websites und Online-Werbung erküren und am 20. Juni die Gewinner bekanntgeben. "persoenlich.com" hat sich mit Tim Smith (Bild), Präsident der Cyber Lions-Jury und Chief Executive Officer von Red Sky Interactive, San Francisco, über Innovationen im Web, über die Messbarkeit digitaler Dienstleistungen und seine Ziele als Jury-Präsident unterhalten.
Vom 19. bis 24. Juni werden in Cannes wieder die Löwen los sein. Wobei der Cyber Lion immer mehr an Gewicht gewinnt.

Die Cyber Lions sind eine der neueren Auszeichnungen des Festivals. Was für eine Wichtigkeit kann diesr Preis haben im Vergleich mit den Film- und Press- & Poster-Auszeichnungen?

Das digitale Online-Medium (typischerweise als Internet bezeichnet) ist inzwischen als neues Massenmedium verankert. Als solches, und in Hinblick auf den Fact, dass das Designen für dieses Medium so ganz verschieden ist vom Designen für den Film oder die Presse, war es wichtig, einen eigenen Event für diese weite Kategorie zu schaffen.

Was sind Ihres Erachtens die wichtigsten Innovationen im Cyberbereich vom letzten Jahr?

Der vermehrte Unterhaltungswert und natürlich nicht zuletzt die Erkenntnis, dass Werbung eine Art "unabhängigen Wert" bieten muss, ist etwas, was vermehrt Achtung erfährt. Auf dem Netz sind Millionen von Sites abrufbar. Diese repräsentieren eine Art alternativer "Channels" für den Zuschauer. Erinnern Sie sich an die Mitt-Neunziger und das Scherzrätsel, wie man Werbung in eine 500-Sender-Welt integrieren soll? Zu lernen, eine Botschaft respektive einen Inhalt auf kreative und unterhaltsame Weise von anderen abzuheben, ist eine Kunst, die dramatisch an Wichtigkeit gewinnen wird.

Kann die Beurteilung von Innovationen im Cyberbereich überhaupt mehr sein als bloss subjektiv?

Gegenfrage: Kann denn das Beurteilen von Film- und Press- & Poster-Innovationen mehr sei als bloss subjektiv? Weil digitale Dienstleistungen auf die eine oder die andere Art "gemessen" werden können, unterliegen sie – in einigen Fällen sinnlosen – Standards. Und diese basieren auf solchen, selbstverständlich subjektiven, Techniken wie zum Beispiel log file analysis, click-through rates, click-stream tracking etc. Die Jury der Cyber Lions repräsentiert Leute, die in dieser Industrie so lange arbeiten wie jeder andere auch. Und diese Leute sollten fähig sein wie jeder anderer auch, unter all den Arbeiten die besten zu erkennen.

Was für Qualitäten muss eine Cyber-Innovation haben, um mit einem Award ausgezeichnet zu werden?

Kreativität würde ich an erste Stelle setzen. Nicht nur beim visuellen Design, sondern – genauso wichtig – in der Technik. Zu oft werden digitale Arbeiten mit den gleichen Standards beurteilt wie andere, traditionellere Arbeiten. Und das technische Design, oder die interaktive Gesamtstrategie, die eine Botschaft effektiv macht, werden übersehen oder gar nicht erst beachtet. Die Jury wird speziell Ausschau halten nach technischen Innovationen, die Hand in Hand mit Kreativität das vermitteln, was wir als den "wahren Nutzen" bezeichnen: Kommunikationsformen, die sorgfältig darauf ausgerichtet wurden, in diesem komplexen Medium abgebildet zu werden.

Was sind Ihre wichtigsten Ziele als Jury-Präsident?

Siehe oben. Hinzu käme da noch mein Ehrgeiz, [in der Jury] weniger aus einer Führungsposition heraus zu agieren, sondern mehr die Rolle eines die Entscheidungen erleichternden Wegbereiters einzunehmen - und auch angesichts eines eher mörderischen Zeitplans für eine allen gerecht werdende Konsistenz in der Beurteilung zu sorgen. Und zu vermitteln, sollte es zwischen den einzelnen Jurymitgliedern zu Unstimmigkeiten kommen.

Was reizt Sie am meisten an Ihrer Position?

Die Chance, von einer Expertengruppe zu lernen. Von einer Gruppe, die einen ungeheuer grossen Erfahrungsschatz betreffs dieses Mediums besitzt. Und dann natürlich aus einem enormen Berg von eingeschickten Arbeiten die beste Arbeit des Jahres "herauszudestillieren".


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