10.06.2019

Cannes Lions 2019

Welche Werber an die Côte d’Azur reisen

Webrepublic feiert in diesem Jahr ihre Cannes-Premiere. persoenlich.com hat bei Jung von Matt/Limmat, Y&R, Serviceplan, Wirz, Rod, TBWA\Zürich und weiteren Agenturen nachgefragt, ob auch sie an der Werbe-WM mitmachen. Und hat dabei Überraschendes erfahren.
Cannes Lions 2019: Welche Werber an die Côte d’Azur reisen
Im Palais des Festivals in Cannes werden Workshops und Sessions durchgeführt und diverse Referate gehalten. (Bild: persoenlich.com)
von Christian Beck

Am Montag, 17. Juni, startet die 66. Ausgabe des Cannes Lions International Festival of Creativity. Und wie im letzten Jahr dauert der Anlass fünf statt wie bisher acht Tage. Doch 2019 könnten deutlich weniger Werber nach Südfrankreich reisen, wie eine Umfrage von persoenlich.com zeigt.

Eine eher überraschende Absage kommt von Rod Kommunikation. Die Agentur war 2018 in Cannes gut vertreten und in Feierlaune – obwohl sie keinen Löwen einheimsen konnte. Dieses Jahr ziehen die Kreativen die Zürcher Bürglistrasse der Croisette von Cannes vor. «Wir haben im Moment alle Hände voll zu tun und können uns einen Cannes-Besuch dieses Jahr leider zeitlich nicht einrichten», so Pablo Koerfer, Geschäftsführer und Partner bei Rod Kommunikation, auf Anfrage.

Auch ein «non, merci» gibt es von Wirz. «Wir nehmen dieses Jahr nicht an den Cannes Lions teil. Zeit und Geld investieren wir diesmal anderweitig», sagt Co-CEO und CCO Livio Dainese. Näheres zu den Gründen will Dainese nicht sagen.

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Fast dabei gewesen wäre Hinderling Volkart. Aber eben nur fast. «Wir hatten es in Erwägung gezogen, jedoch wegen Ferienabwesenheiten davon abgesehen», so CEO Michael Volkart. Auch auf Einreichungen hat Hinderling Volkart verzichtet. «Die Projekte der letzten Periode waren stark auf Webdesign, UX, Usability sowie übergeordnete strategische Themen ausgelegt», begründet Volkart den Entscheid.

Ebenfalls keine Priorität hat Cannes bei Farner. «Wir konzentrieren uns auf die Awards, die bei unseren Kunden einen hohen Stellenwert einnehmen. Dazu gehören unter anderem die Effies. International ist für uns der Holmes Report von Bedeutung», sagt Philipp Skrabal, Partner und CCO bei Farner und ADC-Vizepräsident. Man werde sich allerdings von Cannes inspirieren lassen. «Allerdings aus der Ferne und übers Internet, dafür ohne kapitalen Kater.»

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«Wir haben es nicht so mit den Wettbewerben», so Michael Hählen, CEO und Partner von In Flagranti. «Für uns stehen die Kunden und deren Erfolge im Zentrum, nicht Auszeichnungen Dritter. Deswegen haben wir auch dieses Jahr keine Einreichung gemacht.»

Einreichungen gibt es hingegen von Serviceplan Suisse – und zwar drei Arbeiten. Und welches davon ist die Aussichtsreichste? «Wenn wir wüssten, welche gewinnen könnten, dann würden wir zukünftig viel Geld sparen können», sagt Executive Creative Director Raul Serrat. Allerdings: Persönlich wird niemand an die Côte d’Azur reisen. «Cannes ist nicht jedes Jahr fix im Programm», so Serrat.

«Ein paar wenige Arbeiten» hat Publicis eingereicht, antwortet CEO Thomas Wildberger kurz. Im letzten Jahr verzichtete die ganze Gruppe während eines Jahres auf jede Awardshow (persoenlich.com berichtete).

«Schmal und gezielt», wie schon während der ganzen Awardsaison, hat Thjnk Zürich eingegeben. «In Cannes haben wir nur wenige Arbeiten am Start», so Alexander Jaggy, Geschäftsführer Kreation und Partner von Thjnk Zürich. Jedoch bleibe die 14-köpfige Delegation in Zürich. «Cannes muss man sich leisten können, finanziell wie zeitlich. Momentan sind wir in vielen Projekten mit grossem persönlichem Engagement drin. Da ist eine Absenz eher schwierig.»

Eine Award-Diät macht in diesem Jahr Y&R Wunderman. Trotzdem: Eine Arbeit wurde eingereicht. «Die Initiative ‹Make your Wish›, die wir für unseren Kunden Microsoft entwickelt haben. Diese Kampagne läuft international sehr erfolgreich und gibt Menschen die Möglichkeit, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz ihre Visionen für die Zukunft zu verwirklichen», sagt CCO Swen Morath. Die durch die Abstinenz eingesparten Mittel werden 2019 in Units-übergreifende Weiterbildung eingesetzt. «Wir versprechen uns davon eine weitere Stärkung interdisziplinären Denkens und Arbeitens, was unserer Kernkompetenz entspricht.» Teams, die aus verschiedenen Units der Agentur zusammengesetzt sind (Technologie, Kreation, Beratung, Strategie, Data Science) würden gemeinsam an andere Festivals, wie zum Beispiel den Web Summit in Lissabon, geschickt.

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Eingereicht hat auch TBWA\Zürich. Die Agentur gewann im letzten Jahr drei Bronze-Löwen, allesamt für McDonald’s-Kreationen. Auch 2019 baut TBWA\Zürich auf den Burger. «Wir setzen den Fokus auf eine Arbeit, die wir vor drei Wochen in Lausanne lanciert haben. Einmal mehr schätzen wir uns glücklich, gemeinsam mit unserem Kunden McDonald's eine Kampagne lanciert zu haben, die sich auf raffinierte Weise dem Thema ‹Geschmackserlebnis› annimmt», so CEO Matthias Kiess. Voraussichtlich zwei Vertreter – Kiess und ECD Manuel Wenzel – werden nach Cannes reisen. «Die Gründe sind zahlreich: Inspiration, verschiedene Meetings, Treffen mit Personen aus der TBWA\-Community, Austausch mit Branchenkollegen und Partnern.»

Webrepublic ist mit den Digital-Kampagnen rund um die Fifa-Weltmeisterschaft 2018 in Russland im Rennen um die Löwen. «Das ist das erste Mal, dass wir bei den Cannes Lions mit dabei sind. Entsprechend sind wir gespannt auf unsere Premiere», sagt Tobias Zehnder, Mitgründer und Partner von Webrepublic. «Wir sind dieses Jahr bei Cannes mit dabei, weil sich die Branche in einem sehr spannenden Wandel befindet. Das erste Mal ist digital keine Randsparte mit eigenem Programm, sondern zentral verankert.» Die Cannes-Delegation von Webrepublic umfasst drei Partner. «Dabei geht es auch um Inspiration für die eigene Arbeit und den kollegialen Austausch unter Branchenkollegen.»

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Schon alte Hasen in Cannes sind die Kreativen von Jung von Matt/Limmat. Letztes Jahr reiste die Agentur mit einem silbernen und einem bronzenen Löwen zurück in die Schweiz. Auch diesmal ist Jung von Matt/Limmat vor Ort, und zwar gleich mit zehn Leuten – aus Kreation, Strategie und Beratung. «Ebenfalls mit dabei sind unsere Doppelgewinner des ADC Young Creative Awards», so Chief Client Officer Cyrill Hauser. Die Reise nach Cannes lohne sich durchaus: «Weil wir Ideen lieben, die inspirieren. Und nirgendwo sonst ist die Dichte an guten Ideen so hoch, wie in Cannes vom 17. bis 21. Juni. Das macht die Cannes Lions für uns zu einem der besten Weiterbildungsorte. Und natürlich freuen wir uns auch auf gemeinsame Erlebnisse mit unseren Kunden, die vor Ort sind, und Freunden aus dem JvM-Universum», so Hauser. Auch Arbeiten wurden eingereicht – «aber wie immer sehr selektiv». «Eingereicht haben wir insgesamt sieben Arbeiten. Die besten Chancen haben wohl der ‹Sirenenalarm› für Amnesty International und ‹Relax we Post› für Ibis Schweiz.» Und ohne Löwen will Jung von Matt/Limmat auch dieses Jahr nicht nach Hause kommen. Die Ansprüche von Hauser sind allerdings bescheiden: «Ein Löwe und wir sind happy.»


persoenlich.com berichtet vor Ort über das Cannes Lions Festival, das vom 17. bis 21. Juni 2019 stattfindet. Alle Berichte und Interviews zu den Cannes Lions 2019 finden Sie hier laufend ergänzt.

 



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Kommentare

  • Robert Weingart, 10.06.2019 22:25 Uhr
    Arbeiten statt Selbstbeweihräucherung (Cannes) also.

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