20.01.2021

Homeoffice-Pflicht

Werbeagenturen setzen Regelungen besser durch

Die Medienhäuser schicken den Grossteil ihrer Leute ins Homeoffice. Viele nutzen den Interpretationsspielraum der neuen Regelung jedoch grosszügig aus. Wie sieht das bei den Werbeagenturen aus? persoenlich.com hat bei den Kreativen nachgefragt.
Homeoffice-Pflicht: Werbeagenturen setzen Regelungen besser durch
Hat es hier noch Platz für kreatives Schaffen? Die Werbeagenturen versuchen effizientes Arbeiten mit allerlei Aktionen und Hilfsmitteln zu ermöglichen. (Bild: Keystone/Fabian Strauch)
von Loric Lehmann

Am Dienstag fragten wir einzelne Medientitel nach der Organisation mit der neuen Homeoffice-Pflicht (persoenlich.com berichtete). Fazit: Keine einzige angefragte Redaktion schickt alle ihre Mitarbeitenden nach Hause. Zwischen zehn Prozent bis zu einem Drittel der Belegschaft sind immer noch vor Ort. Die Medienhäuser klagten über den fehlenden Austausch zwischen den Mitarbeitenden und sehnten sich nach Normalität.

Viel weiter sind die Deutschschweizer Werbeagenturen: Über 90 Prozent der Belegschaft arbeiten von zu Hause aus. Ausnahmen gibt es nur noch für wenige Bereiche. Ebenfalls weiss man sich mit kreativen Aktionen zu helfen, wie unsere Umfrage zeigt:

Remote-Zusammenarbeit funktioniert

Bei Jung von Matt Limmat arbeitet man bereits seit dem ersten Lockdown mehrheitlich von zu Hause aus. Im Zuge der nun seit Montag geltenden Homeoffice-Pflicht hat die Agentur auch wieder vollständig ins Homeoffice gewechselt, wie Mediensprecherin Nina Bieli sagt. Sprich: «100 Prozent der Mitarbeitenden sind im Homeoffice.» Punktuell und stundenweise gebe es jedoch Ausnahmen, die vorgängig abgesprochen würden. 

Die grössten Herausforderungen habe man bereits im Frühjahr 2020 während des ersten Lockdowns gemeistert. Bieli: «Die Remote-Zusammenarbeit der Mitarbeitenden und Teams funktioniert daher seit Längerem sehr gut.» Was auch jetzt hingegen nach wie vor fehle und alle vermissten: Die gemeinsam und vor Ort gelebte Kultur, zufällige Begegnungen und der informelle Austausch. Viel davon verlagere man in den digitalen Raum. «Aber ganz ersetzen lässt sich das physische Miteinander natürlich nie», so die Sprecherin.

Sämtliche Büroausstattung darf nach Hause genommen werden

Seit der Rückkehr aus den Weihnachtsferien am 4. Januar gilt bei Wirz Homeoffice-Pflicht. Mitarbeitende, die aus wichtigen Gründen nicht zu Hause arbeiten könnten, dürften nach Absprache in die Agentur kommen. Der Anteil der Mitarbeitenden vor Ort beträgt laut Petra Dreyfus, Co-CEO Wirz Communications, weniger als 10 Prozent. Vor Ort gelte absolute Masken- und Abstandspflicht. Um das Homeoffice so effizient wie möglich zu gestalten, dürften auch sämtliches Material wie Bürostühle, Screens etc. nach Hause genommen werden.

Dreyfus sagt: «Unsere Mitarbeitenden sind aufgrund der langanhaltenden Situation – leider – schon Homeoffice-Profis geworden. Wir alle vermissen den persönlichen Austausch, welcher besonders bei der kreativen Zusammenarbeit fehlt. Wir probieren mit teaminternen ‹Good Morning Calls› und regem Austausch über sämtliche Tools die Verbindung so gut es geht aufrechtzuerhalten.»

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Webinars für «virtuelles Arbeiten»

Webrepublic hat seit Beginn der Pandemie auf ein Hybrid-Setup umgestellt. Bereits vor der Homeoffice-Pflicht hat die Mehrheit der Mitarbeitenden von daheim aus gearbeitet. Seit Montag seien bis auf ein paar wenige Ausnahmen alle Mitarbeitenden im Homeoffice. Einzig Personen, die ihre Arbeit nicht von zu Hause aus erledigen können, zum Beispiel Facility Management, Front Desk oder IT, sind noch im Büro, sagt Tom Hanan, CEO Webrepublic. So seien noch rund zwei Prozent aller Mitarbeitenden teilweise im Office.

«Wir müssen neue Wege finden, um uns zu koordinieren, Informationen zu vermitteln und den spontanen Austausch zu ermöglichen. Vor Kurzem haben das Management und HR einen Workshop durchgeführt, um genau diese Punkte zu optimieren», so Hanan.

Daraus seien Webinars rund ums Thema «virtuelles Arbeiten» entstanden, um die Mitarbeitenden zu unterstützen. Ein besonderer Fokus liege darauf, die strategischen Prioritäten der Agentur klar zu kommunizieren, um allen Webrepublicans einen Orientierungspunkt zu bieten. In diesem Zusammenhang habe man ein neues Intranet lanciert und den Performance-Management-Prozess überarbeitet, «um auch Arbeit, die im Homeoffice stattfindet, sichtbarer zu machen und eine faire Belohnung zu ermöglichen».

Chässpätzli-Synchronkochen für Mitarbeitende

Gemäss Swen Morath, Chief Creative Officer, ist für einen Grossteil der Mitarbeitenden bei Wunderman Thompson Switzerland Homeoffice unproblematisch. Ungefähr 90 Prozent der Mitarbeitenden arbeiteten fix von zu Hause aus. Einzelne Ausnahmen bildeten ebenfalls IT-Services und Finance sowie Mitarbeitende, «die zu Hause aufgrund schlechter Internetanbindung oder Ähnlichem nicht angemessen arbeiten können».

«Wir haben ja alle schon viel Erfahrung mit Homeoffice. Und es funktioniert sehr gut. Dank Tools wie ‹Miro› lassen sich Workshops und unser Kreativprozess ‹Collision› sehr gut virtuell umsetzen», so Morath. Bei der Agentur versucht man die Kultur und das Zusammengehörigkeitsgefühl mit Aktionen aufrechtzuerhalten. Virtuelle Apéros allein reichten aber nicht aus. Ein «dediziertes» Team habe sich der Thematik angenommen und beispielsweise «Chässpätzli-Synchronkochen» geplant, welches das gemeinsame Essen in der Kantine virtuell aufleben lassen soll. «Denn das Mittagessen bei Doreen und Wolfi wird von vielen schmerzlich vermisst», sagt der COO.

Die Corona-Kampagne-Agentur

Marco Meroni, Mitglied der Geschäftsleitung von Rod Kommunikation, sagt, als Agentur, welche die Corona-Kampagne für das BAG umsetzt, halte man sich selbstverständlich sehr strikt an die Empfehlungen und die Regelungen des Bundes. Heisst: «Konsequent Homeoffice». So arbeite man nahezu 100 Prozent im Homeoffice. Es gebe aber ein paar wenige, logistische und didaktische Ausnahmen, die es erforderten, in der Agentur zu arbeiten.

«Kommunikation ist ja grundsätzlich eine Teamdisziplin. Das heisst, dass wir Wege suchen und finden mussten, um uns auch bei vollen Agenden eng abzustimmen», sagt Meroni. «Dies funktioniert mit den digitalen Möglichkeiten und der entsprechenden Bereitschaft und Disziplin aller Kolleginnen und Kollegen schon seit dem ersten Lockdown sehr gut.»

«Jede Regel beinhaltet Ausnahmen»

Auch bei Publicis macht man klar, dass man sich an die Vorgaben des Bundesrats und Bundesamtes für Gesundheit halte. Jede Regel beinhalte aber auch Ausnahmen und diese seien klar definiert: Vor allem betreffe dies ebenfalls hier die Mitarbeitenden vom Facility Management, an der Rezeption und in der Filmproduktion. «Aber auch da werden die offiziellen Vorschriften entsprechend berücksichtigt», sagt Peter van der Touw, COO Publicis Communications. Insgesamt befänden sich so bis zu 95 Prozent aller Mitarbeitenden im Homeoffice.

Weiter stelle man den regelmässigen Austausch mit der ganzen Belegschaft sicher. Van der Touw: «Alle Teams verwenden virtuelle Workshop-Tools, um miteinander und mit unseren Kunden optimal zu interagieren. Da zwischenmenschliche Kontakte derzeit eingeschränkt sind und einige von uns in einem Einzelhaushalt leben, ist es besonders wichtig, füreinander da zu sein. Grundsätzlich brauchen wir als soziale Wesen Gesellschaft und diesem Umstand tragen wir Rechnung.»



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