26.03.2020

Stornos von Spots

Werbeflaute erfasst Radio- und TV-Sender

Auch bei Radio- und Fernsehstationen bricht durch die Coronakrise die Werbung weg. Bei der SRG sei die Situation «sehr dramatisch». Ebenso werden bei Privatsendern viele Spots annulliert, hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen. Der Verlust geht in die Millionen.
Stornos von Spots: Werbeflaute erfasst Radio- und TV-Sender
Noch gibt es die Werbeblöcke bei den Schweizer TV-Sendern. Allerdings sind diese momentan deutlich kürzer. (Bild: persoenlich.com)
von Christian Beck

Die Pinkelpausen während den Werbeblocks müssen kürzer werden. Nicht nur Printprodukte und Onlineportale sehen sich während der Coronakrise mit einem regelrechten Einbruch bei der Werbung konfrontiert. Auch TV- und Radiosender sind betroffen. Die Situation sei «sehr dramatisch», sagt Edi Estermann, Leiter der SRG-Medienstelle, auf Anfrage von persoenlich.com.

«Das umfassende Informationsangebot der SRG zur Pandemie erfährt überaus grosse Beachtung auf allen Kanälen», so Estermann. Aber: «Kommerziell leiden momentan alle TV-Sender der SRG sehr stark. Insbesondere stark betroffen sind die zweiten Kanäle aufgrund der Sport-Ausfälle.» Auch bei den Radiosendern der SRG, obwohl eigentlich werbefrei, hinterlässt das neuartige Coronavirus Spuren: «Die Radiosender der SRG spüren bereits die Folgen im Buchungsverhalten der Sponsoringkunden.»

Zurzeit würden viele Aufträge annulliert. «Und es werden gleichzeitig wenig Neubuchungen gemacht. Wie viel dies ausmachen wird, kann noch nicht gesagt werden», so Estermann weiter. Der Werbestopp werde hauptsächlich mit wirtschaftlichen Gründen argumentiert, aber auch, weil die Werbespots nicht zur aktuellen Situation passen würden. Fernsehzuschauern kommt die fehlende Werbung mindestens vorübergehend zugute: «Kürzere Werbeblöcke werden stets durch Programmerweiterungen kompensiert.»

Privatradios stärker betroffen als Privat-TV

Ähnlich ist die Situation bei den Privaten – auch hier führen hauptsächlich wirtschaftliche Gründe zu Spot-Annullationen. «Die TV- und Radiosender spüren die Krise deutlich. In den vergangenen 14 Tagen sind Stornierungen von Werbung durch unsere Kunden vorgenommen worden», so Roger Elsener, Mitglied der Unternehmensleitung CH Media und Geschäftsführer TV, Radio & Filmvertrieb, zu persoenlich.com. Zu CH Media gehören über zehn TV-Sender wie TeleZüri, Tele M1, TeleBärn, Tele 1, TVO, TV24 oder die 3-Plus-Gruppe. Bei den Radios sind dies beispielsweise Radio 24, Argovia, FM1 oder Pilatus.

Aktuell seien die Radiosender vom Werberückgang stärker betroffen als die TV-Stationen. Wie stark der Werberückgang ist, will CH Media nicht beantworten. «Eine Angabe würde aber ohnehin wenig bringen, da die Krise akut und noch lange nicht ausgestanden ist. Die Situation ändert sich wöchentlich», so Elsener. Er beurteile die derzeitige Situation «nüchtern»: «Die Covid-19-Pandemie stellt uns ohne Frage vor grosse Herausforderungen. Gleichzeitig merken wir, wie gross die Nachfrage nach unseren Sendern und Stationen für hochwertige Newsberichterstattung und Unterhaltung in schwierigen Zeiten ist.» Dies könne mittelfristig durchaus eine Chance sein.

Geringerer Werbedruck

Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Krise sind laut dem Medienvermarkter Goldbach enorm. «Stand heute rechnen wir damit, dass der Verlust in der Werbung bis Ende Jahr einen grösseren zweistelligen Millionenbetrag ausmacht», so Goldbach-Sprecherin Iris Blättler zu persoenlich.com.

Doch es gibt einen Silberstreifen am Horizont: Nach den ersten Umsatzrückgängen durch gestoppte Kampagnen würden nun TV und Radio aufgrund ihrer Reichweitenstärke wieder mehr zum Einsatz kommen. «Detailhändler, die aktuell keine Werbung für ihre Produkte machen müssen, informieren über die Verhaltensregeln beim Einkaufen oder bedanken sich bei ihren Mitarbeitenden», so Blättler. «Und es gibt es auch Unternehmen, die gerade jetzt TV oder Radio umsomehr nutzen, um ihre Onlinekanäle zu pushen. Wer die grosse Masse erreichen will, setzt auf die klassischen Medien.»

Interessant ist auch: Nicht nur News werden häufiger verlangt, auch Unterhaltung wird stärker nachgefragt als sonst. «Sogar Werbeblöcke werden in der Hauptsendezeit vermehrt angeschaut», sagt Blättler. Kommt hinzu: «Die Preise pro 1000 Leser, Zuschauer und Hörer sind nun tiefer, da TV, Radio und Online intensiver genutzt werden.» Dies auch, weil die Werbeblöcke kürzer sind als sonst. «Das heisst mit einem geringeren Werbedruck sichern sich die Marken eine gute Sichtbarkeit und einen hohen Share of Voice», schrieb Michi Frank, CEO der Goldbach Group, im persoenlich.com-Blog.



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