Welche Kunden haben Sie überhaupt noch?
Keine Frage, das war ein sehr bewegtes Jahr für die Agentur. Wir haben immer noch viel, viel mehr Kunden, als wir verloren haben. AY&R ist stolz auf die langjährigen und festen Kundenbeziehungen. Axpo, BfB, Feldschlösschen, Hakle, Handelszeitung, Interpharma, Novartis, SMP, Swiss Re, UBS, um nur die prominentesten zu nennen, sind Klienten, die die Agentur seit mehreren Jahren erfolgreich betreut. Eigentliche Verluste im direkten Zusammenhang mit dem Managementwechsel gibt es lediglich zwei: Kuoni und Swisscom. Sinalco wurde verkauft und richtet sich nun strategisch neu aus, und bei Tam Tam hat sich ein internationaler Konflikt ergeben, weshalb wir den Kunden abgeben mussten. Unsere Kundenliste ist weiterhin breit, lang und sehr interessant.
In einem früheren Gespräch sagten Sie uns, auf die Kunden hätten die Kündigungen des Kaders keinen Einfluss, da die Betreuung ja nicht in erster Linie durch das obere Management erfolge. Wie erklären Sie sich heute den massiven Budgetabgang?
Zwei Abgänge erscheinen mir nicht als "massiv". Meine damalige Aussage beruhte im Übrigen auf dem Zitat eines Kunden, der sagte: "Mir ist egal, was die Geschäftsleitung macht, mich interessiert das Team." Im Fall von Kuoni und Swisscom war es nun tatsächlich so, dass beim Abgang unseres Kaders auch gleich die betreuende Crew folgte.
Wie wollen Sie die Agentur nach den grossen Turbulenzen wieder auf Kurs bringen?
Die Turbulenzen haben sich inzwischen weit gehend beruhigt. Die entstandenen Lücken konnten wir im Bereich der Beratung mit mindestens gleich guten Leuten füllen. In der Kreation fehlen noch ein oder zwei Leute. Und in der strategischen Beratung haben wir uns neu formiert. -- Mein Ziel ist es, die Agentur nach der jetzigen Durststrecke wieder zu dem zu machen, was sie schon vor und dann auch während der Ära Spillmann/Felser war: eine der vier Topagenturen im kreativen Bereich und beim Brandmanagement.
Es gab im Oktober Gerüchte um Kooperationsgespräche mit Guye Benker. Von Advico war keine Stellungnahme zu erhalten. Was lief damals wirklich?
Zu Gerüchten können wir keine Aussagen machen. Dass wir uns verstärken wollen, ist kein Geheimnis. Wir haben immer gesagt, dass wir offene Ohren und Türen für gute kreative Talente haben. Und mit solchen sprechen wir natürlich irgendwann. Bei den einen gibt es Absagen, mit anderen bespricht man mögliche Konditionen. Wir sind konstant in Gesprächen, konkret ist zum jetzigen Zeitpunkt aber nichts.
Wer sind denn nun eigentlich die Nachfolger im Kader?
Der Finanzchef wurde durch Felix Kündig ersetzt, und ich bin für die Geschäftsführung und die strategische Planung verantwortlich. Dann haben wir die zwei CDs, Daniel Comte (Art) und Markus Tränkle (Text). Was wir noch suchen, ist ein Ersatz für Martin Spillmann. Interimistisch hat Hansjörg Zürcher seit März das Creative Coaching inne -- er ist nach wie vor einer der besten Kreativen in Europa. Es ist aber klar, dass Zürcher diese Arbeit nicht noch die nächsten fünf Jahre machen will. Wir möchten die Stelle in den kommenden zwölf bis achtzehn Monaten wieder definitiv besetzen.

