12.03.2023

Lieb vs. nett

Wie zwei Agenturen dieselbe Idee haben

Derzeit wirbt Vodafone in Deutschland für einen günstigen Mobilfunkvertrag. Die Kampagnenidee erinnert stark an einen vierjährigen TV-Spot von M-Budget Mobile. Bei der damals zuständigen Agentur Wirz betrachtet man das Duplikat entspannt. Bis auf einen Punkt.
Lieb vs. nett: Wie zwei Agenturen dieselbe Idee haben
Die Kinder des deutschen Vaters (links) sind nett, Schweizer Kinder sind lieb. (Bilder: Screenshots)
von Christian Beck

Ein Vater serviert das Abendessen – mit Fleisch, das an eine schwarze Schuhsohle erinnert, begleitet von Fertig-Kartoffelstock und Dosenerbsen. Tochter und Sohn würgen das Essen hinunter – und loben es gleichzeitig. «Nett sein lohnt sich, wenn ihr die günstigen Vodafone-Zusatzkarten wollt», heisst es am Schluss des Spots, der derzeit im deutschen Fernsehen zu sehen ist.


Rückblende: 2019. Ein Vater kommt im Morgenmantel mit der Zeitung in der Hand vom Briefkasten zurück. Auf dem Weg trifft er auf seine Tochter, die sein Auto wäscht. Oder eine Mutter erhält von ihrer Tochter eine Nackenmassage. Eine andere Tochter begleitet ihren Vater musikalisch – völlig enthusiastisch. Und ein weiterer Papa kommt aus dem Staunen nicht raus, weil sein Sohn die Fenster putzt. «Lieb sein lohnt sich. Denn mit ‹familyPlus› zahlt nur einer den vollen Preis», hiess es im TV-Spot, der für M-Budget Mobile warb (persoenlich.com berichtete).


Wie bitte? Ein Plagiat? Alles nur geklaut? Texter Florian Siegrist, der vor vier Jahren bei der Agentur Wirz die Idee für M-Budget Mobile mitentwickelte, glaubt eher an einen Zufall, wie er auf Anfrage von persoenlich.com sagte: «Ich gehe davon aus, dass die deutsche Agentur genau das gleiche Briefing von Vodafone bekommen hat, wie wir damals von M-Budget Mobile. Schliesslich ist es das gleiche Produkt.»

Kreiert hat die Vodafone-Kampagne die Agentur Antoni aus Berlin. «Für die Berliner Agentur spricht, dass sie auf eine genauso gute Idee gekommen sind wie wir», sagt Siegrist. Und übt dann doch noch leise Kritik: «Schade ist nur, dass sie offensichtlich nicht recherchiert haben, ob es die Idee schon mal gab. Googeln lohnt sich.»

Antoni Berlin und Vodafone liessen mehrere Anfragen von persoenlich.com unbeantwortet.



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