08.11.2019

Edi

«Wir dachten von Anfang an gross»

Peter Beck von Beck & Friends präsidiert seit 2005 die Swissfilm Association und hat mit seinen Kollegen vor 20 Jahren den Edi ins Leben gerufen. Im Interview erinnert er sich an die Anfänge der Veranstaltung und die Veränderungen im Auftragsfilm.
Edi: «Wir dachten von Anfang an gross»
«Der Auftragsfilm macht nach Statistik des BFS zwei Drittel der gesamten Schweizer Filmproduktion aus. Kultur ist ohne Kommerz nicht denkbar», sagt Peter Beck. (Bild: Andy Weimer)
von Matthias Ackeret

Herr Beck, Sie gelten als Erfinder des Edi in der heutigen Form. Was hat Sie bewogen, diese Veranstaltung zu gründen?
Ich bin nicht der einzige Erfinder, ich bin der, der es am längsten durchgezogen hat. Wir waren damals zu viert. Verena Zollinger, Levente Paal, ich selbst und der damalige Präsident des Verbands, Urs Wäckerli, bildeten die Projektgruppe. Weitere kamen in der Folge dazu. Seit 1977 prämierte der Bund die besten Auftragsfilme, ähnlich wie das beste Plakat oder das beste Buch. Die Sieger wurden mit einem Diplom prämiert. Die Preisverleihung fand in einem Kino statt, und es kamen 50 bis 80 Leute. Der erste Veranstalter war die Wirtschaftsförderung (WF), ein privater Verein, also schon damals eine Public Private Partnership. Irgendwann übernahm unser Verband die Organisation. Dann wanderte die ganze Preisverleihung ins Tessin, bekam den Namen «I cristalli» und fand parallel zum Filmfestival in Locarno statt, konnte sich aber nicht vom Schatten des Spielfilms lösen …

Das war eigentlich klar …
Ja, das war Mitte der 90er-Jahre. Es war bereits von der Idee her falsch, Auftragsfilme mit Spielfilmen zu mischen. In dieser Zeit gab es in unserem Verband interne Probleme, und das Bundesamt wollte sich aus dem Wettbewerb zurückziehen. Daraufhin konstituierte sich der gesamte Vorstand unseres Verbands neu. Das war vor etwas über zwanzig Jahren. Wichtigstes Traktandum war: Wie richten wir den Preis für Auftragsfilme neu aus? Dies war die Initialzündung für den heutigen Edi. Verena Zollinger, Levente Paal, Urs Wäckerli und ich überlegten uns, wie wir den Edi künftig ausgestalten wollten.

«Wir hatten kein Geld»

Was stellten Sie sich damals vor?
Wir dachten von Beginn an gross. Die Preisverleihung sollte glamourös sein und Hunderte von Leuten anlocken. Ich hatte schon einige Jahre Erfahrung in der Gestaltung grosser Events. Das einzige Problem: Wir hatten kein Geld. Für mich war immer klar, dass wir in der bestehenden Situation ohne bereits eingeführtes Produkt keine Sponsoren finden würden. In dieser Zeit erstritt sich unser Verband einiges Geld aus Urheberrechtsvereinbarungen. Wir beschlossen, dieses vollumfänglich in diesen Preis zu investieren.

Wollten Sie mit dem Edi ein Zeichen gegenüber dem Spielfilm setzen?
Videoclips, Auftrags- und Werbefilme haben den Spielfilm – auch international – in der Gestaltung stark beeinflusst. Zudem trägt unsere Branche auch auf der personellen und technischen Seite zum Überleben der gesamten Infrastruktur bei. Es sind zwei Seiten derselben Medaille. Es ist eine Tatsache, dass man als Filmtechniker beim Auftragsfilm mehr verdient als beim Spielfilm. Was auch bedeutet, dass viele zuerst beim Auftragsfilm Geld verdienen, damit sie sich der «Kunst» widmen können. Es war mir klar, dass eine solche Preisverleihung für unsere Branche nur dann etwas bewirkt, wenn sie auch eine gewisse Ausstrahlung hat – und nicht nur eine weitere «Hundsverlochete» darstellen soll. Der Edi ist da, um zu zeigen, dass der Schweizer Auftragsfilm existiert, international konkurrenzfähig ist und über sehr grosse Qualitäten verfügt. Das wollten wir sichtbar machen.

Sie gingen von Anfang an in den Schiffbau und nicht in ein beliebiges Kino.
Wir wollten einen grossen Event. Dafür braucht es Raum, den ein Kino nicht bietet. Wir hatten am Anfang das Konzept, die Veranstaltung jedes Mal an einem neuen, attraktiven Ort durchzuführen, an dem vorher noch keine andere Veranstaltung stattgefunden hat. Wir waren so der allererste «kommerzielle» Anlass im Schiffbau überhaupt. Im zweiten Jahr fand die Preisverleihung dann im neu renovierten Lakeside statt, ebenfalls als erster Anlass an dieser Location. Im dritten Jahr dann das Tramdepot Oerlikon. Das Publikum war jedes Mal interessiert, welche neue Location wir präsentieren würden. 2003 fanden wir zurück in den Schiffbau, das erste Mal in den grossen Saal, und da sind wir mit einer Ausnahme bis heute geblieben.

«Die Kunden verlangen heute viel mehr als früher»

Im Jahr 2000 fand der erste Edi statt. Wie hat sich seither die ganze Branche verändert?
Sehr stark. Dies zeigt sich nicht nur in technischer Hinsicht …

Alles wurde billiger …
Jein, es gibt hier zwei gegenläufige Komponenten. Die technischen Geräte und Hilfsmittel sind günstiger geworden, aber die Löhne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder die Mieten sind angestiegen. Zudem verlangen die Kunden heute viel mehr als früher. Ich denke da nicht nur an die künstlichen Bildveränderungen, VFX, Animationen oder all die Soundeffekte, die man heute generieren muss, die Kunden wünschen auch immer mehr Verwendungsrechte innerhalb des gleichen Budgets.

Also ist der Anspruch an die Macher grösser geworden?
Zweifellos. Früher fokussierte man auf einen Imagefilm oder Werbefilm, bestenfalls mit Sprachversionen, heute gibt es Dutzende von Plattformen, die bespielt werden müssen. Das zeigt sich nicht nur im Format, sondern auch in der Länge und der Aussage der einzelnen Filme.



Das ausführliche Interview mit Peter Beck ist in der Edi-Jubiläumszeitschrift erschienen, die am Donnerstagabend nach der 20. Edi-Verleihung aufgelegt wurde. Die Jubiläumszeitschrift liegt ebenfalls der «persönlich»-Dezemberausgabe bei.

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