06.12.2001

"Wir werden die Kündigungen auf ein Minimum beschränken"

Der Entscheid des Nahrungsmittelmultis Nestlé, seine Budgets in Zürich zu konzentrieren, läutet für das knapp 15-köpfige Team von Publicis Lausanne eine neue Ära ein: Im Interview mit "persoenlich.com" informiert Fredy Collioud (Bild), Chairman der Publicis-Gruppe Schweiz, was mit den Angestellten passiert und mit welchen Gefühlen er dem nächsten Jahr entgegensieht. Die Details:

Herr Collioud, in einer Pressemitteilung begründen Sie den Entscheid, wonach Publicis die Lausanner Agentur nach Zürich verlagert, mit den modernen Kommunikationsmitteln und dem Umzug der Nestlé-Budgets nach Zürich. Wie viele Leute sind in Lausanne betroffen, und welche Lösungen sehen Sie für diese vor?

Es sind knapp 15 Personen. Momentan sind wir noch am Verhandeln, wer nach Zürich kommen möchte, wobei das nicht ganz so einfach ist – vor allem dort, wo es Sprachbarrieren gibt. Einige haben zudem die Alternative, bei Saatchi & Saatchi in Nyon zu arbeiten oder bei Kunden, die ihr Interesse für gute Leute angemeldet haben. In Lausanne haben wir aber auch Mitarbeiter, die schon über 30 Jahre dort gearbeitet haben. Für diese sehen wir eine frühzeitige Pensionierung vor. Vorübergehend werden wir ein kleines Büro in Lausanne aufrecht erhalten, wobei wir noch nicht wissen, ob dieses drei oder vier Leute beschäftigen wird. Es kümmert sich um Kunden, die mit der Westschweiz stark verankert sind. Das ist letztlich aber auch eine Lösung, um kurzfristig Arbeitsplätze erhalten zu können.

Trotzdem die Frage: Mit wie vielen Kündigungen ist zu rechnen?

Wir werden die Kündigungen auf ein Minimum beschränken. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt es sich noch nicht beurteilen, wie viele es letztlich sind. Sicher werden es mit den getroffenen Lösungen nur noch wenige sein.

Wie sieht es mit Zürich aus?

In Zürich gibt es keine Entlassungen. Wir befinden uns in einer guter Verfassung. Auch Lausanne war nicht in einer schwierigen Phase. Das Problem bestand einzig darin, dass wir das Nestlé-Budget nach Zürich nehmen müssen. So gesehen ist es ein unternehmerischer Entscheid, die Integration bereits zum heutigen Zeitpunkt auszusprechen.

Was erwarten Sie vom Jahr 2001 angesichts des 11. Septembers?

Die Publicis-Gruppe wird ein gutes Jahr ausweisen können, obschon es nicht so gut ist wie in der jüngsten Vergangenheit. Bei Publicis Zürich wird es gegenüber dem Vorjahr Revenue-Einbussen geben, wobei der 11. September die ökonomische Entwicklung nur akzentuiert hat. Wir haben schon lange gewusst, dass sich die Wirtschaft verlangsamt. Entsprechend war das in unseren Budgets berücksichtigt. Was uns beschäftigte, ist die Tatsache, dass wir vor allem dort "New Business" gewonnen haben, wo einige Firmen massive Probleme angemeldet haben, und zwar in der "New Economy". Dadurch haben wir zwar kein Geld verloren, aber auch nicht zugelegt.

2002 wirft seine Schatten voraus. Mit welchen Gefühlen blicken Sie dem kommenden Jahr entgegen?

Es ist nicht das erste Mal, dass wir eine solche Phase erleben, wie wir sie jetzt haben. Sie lässt sich mit dem Anfang der 90er Jahre vergleichen. Gesunde Agenturen, die gute Leistungen bringen, die ein Kundenportefeuille haben, das nicht allzu konjunkturanfällig ist, können sich auf die gegenwärtige Situation einstellen. Gerade in solchen Zeiten spüren wir deutlich, wie der Stellenwert einer Agentur wieder wichtiger wird. Andererseits hoffe ich, dass die momentane Lage der Branche vor Augen führt, wie fragil das Ganze ist. Publicis wird sich für das nächste Jahr auf ein Nullwachstum einstellen. Natürlich gibt es Agenturen, die bereits jetzt oder zumindest nächstes Jahr Schwierigkeiten haben werden - leider. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir in der Branche mit ständig schmaleren Margen leben müssen, denn die Kunden üben Druck auf die Honorare aus, was unser Geschäft langsam aber sicher zu einem Risikofaktor macht.

Ab Januar 2002 verstärkt Cornelia Harder als Managing Director die Geschäftsleitung von Publicis Zürich, in der auch Jean Etienne Aebi, Arnold Speck und Markus Gut sitzen. Obwohl Sie Vorsitzender der Geschäftsleitung bleiben, bekommen Sie so mehr Luft. Was machen Sie mit dieser zusätzliche Zeit?

Zuerst möchte ich betonen, dass ich über die getroffene Lösung sehr glücklich bin und wir mit Cornelia Harder und Markus Gut ein junges und ausgewiesenes Team haben, das ein Versprechen für die Zukunft darstellt. Die Entlastung nutze ich, um die Geschicke der Agentur mitzubestimmen und dabei für gewisse Kunden und "New Business" verantwortlich zu sein. Dabei werde ich mich wieder vermehrt zugunsten der Qualität und der gesamten Gruppe in der Schweiz widmen. In letzter Zeit hatte ich eine riesige Belastung.

(Interview: Reto Wild).


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