Neben einem Löwen möchte ich aus Cannes noch eines mitnehmen: Inspiration. Doch um die zu bekommen, muss ich erst einige Frustmomente hinter mir lassen.

Ob in der Shortlist-Ausstellung vor einem Inserat mit einer Idee, die ich auch schon einmal hatte, sie aber nie weiter kam als auf den Schreibtisch des CDs. Oder vor einem Plakat, das nach einer schlechten Kopie einer eigenen Arbeit aussieht, die es letztes Jahr nicht einmal an die Präsentationswände im Festival-Palais geschafft hat. In einem Vortrag, bei dem ein brillanter Redner so viele weise Worte von sich lässt, dass ich mir selbst ziemlich dämlich vorkomme. Oder beim Durchsehen der Gold-Löwen-Gewinner, wobei ich die meisten Arbeiten mit bewundernden Ausrüfen wie "Verdammt, so einfach!" oder "Warum bin ich da nicht drauf gekommen?" und Griffen zum Kopf kommentiere.
Das Schöne daran ist, auf jeden dieser Momente folgt immer die Lust: Darauf, nur noch Ideen zu machen, die in der Cannes Jury bis zum Grand Prix durchflutschen würden. Um so gut zu werden, umgibt man sich am besten mit den Besten. Und das geht an keinem Ort einfacher als in Cannes.
Marietta Mügge ist Texterin bei Wirz Werbung.


