31.03.2015

Migros

12,9 Prozent mehr Gewinn im 2014

Die Sorgenkinder der Detailhändlerin werden immer weniger.

Die Migros weist für 2014 einen regelrechten Gewinnsprung aus. Für Migros-Chef Herbert Bolliger ist das ein Zeichen dafür, dass in "allen Bereichen die richtigen Massnahmen" getroffen worden seien. Wie gut die einzelnen Unternehmensteile abschnitten ist aber nicht klar ersichtlich.
 
In der Tat dürften die Sorgenkinder der Migros immer weniger werden und sich auch diverse Start-ups innerhalb der Gruppe gut entwickeln. So hat beispielsweise die Migros-Tochter Hotelplan vergangenes Jahr in die schwarzen Zahlen zurückgefunden.
 
Auch bei den Möbelhäusern von Interio geht es offenbar aufwärts. Und dem Elektronikartikel- und Haushaltswarenverkäufer Digitec/Galaxus, der erst dieses Jahr konsolidiert wird, dürfte es ohnehin gut gehen. Total schaute für die ganze Migros-Gruppe letztes Jahr unter dem Strich ein Gewinn von 870,2 Mio. Franken heraus. Im Vergleich zu 2013 entspricht dies einem Plus von gegen 100 Mio. Fr. oder 12,9 Prozent.
Eine Rolle gespielt hat dabei das Finanzergebnis, das 13 Mio. Fr. besser als im Jahr davor ausgefallen ist. Aber auch operativ hat sich die Profitabilität bei der Migros markant verbessert.
 
So stieg der Betriebsgewinn (EBIT) um 104 Mio. Fr. oder 10,0 Prozent auf 1,148 Mrd. Franken. Hauptgrund für den Gewinnsprung sind bessere Ergebnisse in den einzelnen Geschäftsfeldern. Der EBIT der lange kriselnden Reisetochter Hotelplan etwa fiel 14 Mio. Fr. besser aus, jener der Migros Industrie 15 Mio. Franken.
 
Und die Migros Bank war mit 38 Mio. Fr. Gewinnzuwachs gar für über ein Drittel der Ergebnisverbesserung verantwortlich. Selbst das Geschäftsfeld Handel, in der die Migros fast alle Detailhandelsunternehmen zusammenfasst, die nicht unter dem Namen Migros am Markt auftreten, hat 23 Mio. Fr. mehr als 2013 zum operativen Gewinn beigesteuert.
 
Profitabilität einzelner Bereiche unbekannt

 
"Alle strategischen Geschäftsfelder haben einen Beitrag zur Gewinnentwicklung geleistet", fasste Migros-Finanzchef Joerg Zulauf am Dienstag an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich die Lage zusammen. Sehr summarisch betrachtet stimmt das - einzelne Sorgenkinder dürfte die Migros aber dennoch haben.
 
Zum Beispiel Exlibris. Weil immer weniger Leute CDs kaufen respektive die Konkurrenz beim Vertrieb von Büchern und anderen Medien übers Internet riesig ist, wurden im vergangenen Jahr zahlreiche Filialen geschlossen. Das führte zu einem Umsatzrückgang von 9,9 Prozent. Wie profitabel die verbliebenen 82 Filialen und der Onlineladen von Ex Libris sind, gibt die Migros aber nicht preis.
 
Mit Margen- und Konkurrenzdruck zu kämpfen haben aber auch die Läden von Office World. Und auch wie es um die Profitabilität von Depot steht, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätigen Ladenkette für Wohneinrichtungsbedarf, wird nicht ausgewiesen.
 
Welches genau die Sorgenkinder in der riesigen Familie von Ladenformaten und Marken der Migros sind, kann deshalb nicht genau gesagt werden. Anhand der bekannten Zahlen und der bereits im Januar publizierten Umsätze lässt sich aber schliessen, dass die Zahl der Sorgenkinder im Laufe der vergangenen Monate gesunken ist.
 
Regionale Genossenschaften spielen wichtige Rolle
 
Wichtigstes Ertragsstandbein der Migros-Gruppe bleiben die zehn regionalen Genossenschaften, welche einerseits die unter dem Namen Migros geführten Supermärkte betreiben, zu denen anderseits aber auch Fachmärkte wie SportXX, Obi und Melectronics sowie die Gastronomieangebote gehören.
 
Von dem regionalen Genossenschaften stammt 52 Prozent des Betriebsgewinns. Dies entspricht ziemlich genau auch dem Anteil, den sie am gruppenweiten Umsatz von 27,3 Mrd. Fr. haben.
 
Allerdings stellt sich auch hier die Frage, wie erfolgreich sich deren Geschäft entwickelt - schliesslich sind auch viele Genossenschaften längst schon breiter aufgestellt als früher. Insbesondere die Migros Zürich, die einen forschen Expansionskurs fährt und der seit gut zwei Jahren etwa die deutsche Lebensmittelkette Tegut gehört, würde hier interessieren.
 
Details sind aber auch hier nicht zu erfahren. Und so bleiben nur die glänzenden, aber nur in zusammengefasster Form präsentierten Zahlen der gesamten Migros-Gruppe zur Orientierung. Diese zeigen bei steigendem Umsatz einen höheren Gewinn. Oder eben dass in "allen Bereichen die richtigen Massnahmen" getroffen worden sind, wie es Migros-Chef Bolliger interpretiert. (sda)
 



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