04.11.2015

Expovina

12 Schiffe locken 70‘000 Besucher an

Messepräsident Bruno Sauter über den Erfolg der grössten Weinmesse Europas.
Expovina: 12 Schiffe locken 70‘000 Besucher an

Herr Sauter, Sie sind seit 25 Jahren Präsident der Expovina. Wie hat sich die Messe in diesem Vierteljahrhundert verändert?
In ihren Grundzügen ist sich die Expovina treu geblieben. Aufgrund des grossen Publikumserfolgs ist sie von einem auf 12 Schiffe angewachsen und unterdessen besuchen 70‘000 Besucher die Messe. Besonders freut mich die positive Entwicklung des Wein-Forums. Was mit 20 Weinfreunden begann, die von Stand zu Stand geführt wurden, um sich zu informieren, ist heute eine zweiwöchige Veranstaltung erster Güte, ein Kompetenz-Zentrum der Expovina geworden. Das Wein-Forum hat seit diesem Jahr sogar ein eigenes Eventschiff, die "LS Stäfa", und bietet noch bis zum 10. Oktober höchst interessante Vorträge, Seminare und Workshops zu den verschiedensten Weinthemen. 

Die Expovina ist die grösste Weinmesse Europas. Worauf fusst Ihr Erfolg?
In erster Linie ist es sicherlich das Erlebnis in diesem einmaligen Ambiente, eine so grosse Auswahl an internationalen Weinen degustieren zu können. Die Idee ist übrigens nicht von mir. Es war mein Vater, J. F. Sauter, der im fernen 1953 erstmals die Idee hatte die Ausstellung auf einem Schiff durchzuführen. Die Linth nämlich, der damalige Stolz der Flotte der Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft. Auf diesen Anfang geht übrigens der Name zurück, den die Wein-Ausstellung bis heute im Volksmund trägt. Manch einer fragt noch heute: "Wänn gömer uf’s Wyschiff?", obwohl bereits seit vielen Jahren die Flotte ein Dutzend Schiffe zählt. Ein weiterer wichtiger Grund für den schon über 60 Jahre andauernden Erfolg ist das Angebotskonzept der Expovina. Die Aussteller müssen ihr Angebot nach Provenienzen stark einschränken. Ohne diese Ordnung wäre es unmöglich, sich an den 170 Ständen im Angebot von insgesamt über 4'000 Weinen aus 22 Ländern zurecht zu finden.

Welche Neuerungen haben Sie für dieses Jahr vorgesehen?
Neben dem bereits erwähnten WeinForum sind wir in diesem Jahr erstmals so richtig "online" in See gestochen! Auf sämtlichen Expovina-Social Media Kanälen findet seit einigen Wochen ein reger Austausch von Wein-Freunden statt. Das freut mich sehr! Ich lade alle "persönlich"-Leserinnen und Leser ein, an unserem Wettbewerb auf Facebook teilzunehmen und ein VIP-Wochenende im Park Hotel Vitznau mit 9-Gang Menu und Führung durch die Weinkeller, etc. zu gewinnen!

Welche Weine sind momentan im Trend?
Nachdem die Nachfrage nach Holz (-Barrique) betonten Rot- und Weissweinen sowohl des Aus- wie auch des Inlands etwas abgeklungen ist, werden vermehrt Frucht, Finesse, Eleganz und eine gewisse Leichtigkeit gesucht. Mit anderen Worten: Schwere, hoch konzentrierte und von Alkohol strotzende Weine sind eher auf dem Rückzug.

Die Konsumenten bevorzugen wieder klassische Weine. 
Ja, die Klassiker - insbesondere aus dem gesamten Mittelmeerraum - zeichnen sich durch eine gewisse Zurückhaltung bezüglich Alkohol und Gerbstoffen aus, weshalb sie als "trendig" bezeichnet werden können. Zudem sind sie Prestige-Träger und finden so den Zuspruch bei neuen Generationen von anspruchsvollen Kennern. 

Welchen Stellenwert nehmen die Schweizer Weine aus?
Die Präsenz der Schweizer Qualitätsweine an Bord der Weinschiffe entspricht mit über 1'000 Weinen und rund 25 Prozent des gesamten Angebots in etwa auch dem Anteil inländischer Produkte auf dem Deutschschweizer Weinmarkt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass an der Expovina Preiskampf- und Aktionsprodukte im Angebot fehlen.

Wie hat sich der Frankenschock auf den Absatz ausgewirkt?
Diese Frage wird man wohl erst nach Abschluss der 62. Expovina beantworten können. Fest steht bereits heute, dass der Weinhandel währungsbedingt ausländische Weine in Schweizerfranken merklich günstiger anbietet als noch vor Jahresfrist. Der Druck auf die Schweizer Weinproduzenten und -anbieter hat sich verstärkt. Hinzu kommen die kleineren Ernten der vergangenen und auch des laufenden Jahres.

Wie viele Leute organisieren die Expovina?
Neben dem Kapitän sind es noch 2 bis 3 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Vorbereitung läuft allerdings praktisch über das ganze Jahr, denn ab 31. März 2016 steht bereits wieder die Expovina Primavera auf dem Programm, während die grösste Weinflotte der Schweiz 2016 wieder vom 3. bis 17. November am Bürkliplatz vor Anker gehen wird.

Fragen: Matthias Ackeret, Bild: zVg 


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