Die Printwerbung in der Schweiz steckt erneut in der Krise. Der Präsident und Geschäftsführer der Werbevermarkterin Publigroupe, Hans-Peter Rohner, spricht unverhohlen von einem "miserablen" Start, nachdem er die Monate Januar und Februar gesehen hat. Die Werbekunden überprüften ihre Budgets für gedruckte Inserate angesichts einer unsicheren Wirtschaftslage statt quartalsweise nun alle zwei Wochen, sagte Rohner am Freitag vor den Medien in Zürich: "Der grösste Werbeauftraggeber Detailhandel ist unter Druck."
Aber auch andere wichtige Auftraggeber seien derzeit mit angezogener Handbremse unterwegs. Jeder in der Werbebranche, der das Geschäft einigermassen seriös anschaue, berichte davon. Auch die weniger betroffene Werbung im Internet könne den derzeitigen Einbruch nicht wettmachen. Das defizitäre Inserategeschäft der Publigroupe zu sanieren, fällt laut Rohner unter den aktuell herrschenden Umständen schwer. Ohne Besserung der Lage droht der Publicitas-Muttergesellschaft ein erneuter Aderlass in Form von Stellenabbau: Bereits in den letzten Jahren hat das Unternehmen hunderte Arbeitsplätze gestrichen.
Gewinneinbruch
Der Umsatz der Publigroupe fiel 2011 um 12 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken. Beim Betriebsresultat kam die Gruppe auf 30,5 Millionen Franken, 6 Prozent weniger als 2010. Unter dem Strich blieben 14,6 Millionen Franken, 66 Prozent weniger als im Vorjahr, nachdem im Vorjahr Beteiligungsverkäufe das Ergebnis gestützt hatten. Das Inserategeschäft (Media Sales) brachte 1,03 Milliarden Franken und somit 13 Prozent weniger Umsatz und tauchte mit einem Betriebsverlust von 10,9 Millionen Franken wieder in die roten Zahlen. Dazu beigetragen hat ein Abschreiber, weil Publigroupe das TV-Geschäft aufgegeben hat, aber auch der Verlust von Grossaufträgen der Verlagshäuser Edipresse und AZ Medien. Media Sales spürte aber genauso die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im zweiten Halbjahr.
Diesem laut Rohner "enttäuschenden" und unerwartet schlechten Ergebnis stehen verbesserte Gewinne in den Wachstumssparten Internet- und Mobiltelefonwerbung gegenüber. Ein grosser Erfolg sei die Suchmaschine "Local.ch", sagte Rohner. Die zur Website passende App für Smartphones sei die am zweitmeisten heruntergeladene Anwendung nach der App der Schweizerischen Bundesbahnen.
Neuer Chef im April
Rohner will sein Amt als Geschäftsführer mit dritten Quartal abgeben und sich auf die Aufgabe des Verwaltungsratspräsidenten beschränken. Bis Mitte April dürfte der Nachfolger vorgestellt werden, sagte er. "Ich war selbst überrascht, wie viele Persönlichkeiten sich für dieses Amt interessierten", sagte er. Der neue operative Leiter der Publigroupe wird die Krisensparte Media Sales angesichts des Preisdrucks in der Printwerbung weiter neu ausrichten und das lukrativere Geschäft mit digitalen Medien ausbauen müssen. Etwas erleichternd wirkt dafür, dass die Gruppe in den letzten Jahren Bankschulden und Kosten reduziert hat.
Geplant ist auch der Verkauf von drei Immobilien in Lausanne und einer in Bern, deren Erlös in Form von Aktienrückkäufen den Aktionären zugute kommen soll. Renditeliegenschaften wie ein Geschäftshaus beim Zürcher Hauptbahnhof, das laut Rohner rund 100 Mio. Fr. wert ist, will die Gruppe behalten.
Teil des Umbaus der Publigroupe ist schliesslich die Umstellung der Finanzberichterstattung vom den bisherigen Buchhaltungsgrundsätzen nach IRFS auf den Schweizer Rechnungslegungsstandard FER. Analysten lobten diesen Schritt, weil nach der Änderung die Ergebnisse in den verschiedenen Geschäftsbereichen der Gruppe transparenter als bisher dargestellt werden können. (sda)
Lesen Sie zu diesem Thema auch das Interview mit Hans-Peter Rohner.

