Bei seiner Ankunft in der Schweiz hat Aldi keine Kampfpreise mitgebracht. Der deutsche Discounter ist laut einer HSG- Studie bei Lebensmitteln zwar etwas billiger als Migros, Coop oder Denner, aber immer noch deutlich teurer als in Deutschland.
Im Gegensatz zu Deutschland sehe sich Aldi hierzulande nicht als Tiefstpreisanbieter, sondern betone den Wert von Qualität und Service, sagte Detailhandelsprofessor Thomas Rudolph von der Universität St. Gallen (HSG) am Mittwoch in Zürich bei der Präsentation einer Studie über das Sparen beim Lebensmitteleinkauf. Dass Aldi nicht aggressiver sei, "ist für mich die grösste Überraschung."
Ende Oktober/Anfang November waren bei einem Vergleich 36 Lebensmittel des täglichen Bedarfs bei Aldi in Amriswil TG um 7 Prozent günstiger (107.90 Fr.) als bei Migros, Coop oder Denner (116.40 Franken). Jenseits der Grenze in Konstanz kam der Schweizer Konsument allerdings ganze 36 Prozent billiger weg (74.80 Franken).
Teure Schnäppchenjagd
"Wem allerdings die Zeit kostbar ist, der kauft am besten im Laden um die Ecke ein", sagte Rudolph weiter. Denn bei der Berücksichtigung von Einkaufszeit, Fahrtzeit und Fahrkosten kann die Schnäppchenjagd jenseits der Grenze zum teuren Vergnügen werden.
Ausgehend von der Stadt St. Gallen, schlug der gesamte Shoppingausflug zu Aldi nach Konstanz mit insgesamt 203.50 Fr. zu Buche, also fast dem Dreifachen des reinen Einkaufspreises. Unter den selben Gesichtspunkten kosten die 36 Lebensmittel bei Aldi in Amriswil etwas mehr (179.45 Fr.) als bei der Schweizer Konkurrenz in St. Gallen (173.55 Franken). Der Einkauf im Ausland lohne sich nur selten, urteilte Rudolph.
Weil sich die Fahrtzeiten und Distanzen zu den Geschäften auf diese Region beziehen, ist die Studie nicht repräsentativ für die ganze Schweiz. Zudem sähe der Vergleich ganz anders aus, wenn Aldi Schweiz einen Laden in St. Gallen hätte. Der deutsche Discounter hat die weitere Expansion bereits angekündigt.
Das Lidl vom Preisrutsch
Insgesamt könne der Schweizer Kunde durch die Ankunft von Aldi hierzulande beim Einkauf leicht mehr sparen, so Rudolph: "Aber die Vermutung, dass Aldi Suisse die Produkte anfänglich mit sehr tiefen Margen oder sogar mit Verlust verkauft, um im Vergleich zur bestehenden Konkurrenz im Inland bedeutend günstiger zu sein und um ein positives Preisimage aufzubauen, hat sich nicht bestätigt."

