Im Rahmen der repräsentativen Umfrage des Technologieberaters Accenture und des Wirtschaftsverbands GS1 wurden 1001 Konsumenten befragt. Anlass der Studie ist, dass der Schweizer Detailhandel in den vergangenen Jahren einige entscheidende Veränderungen durchgemacht hat. Mit Aldi kam ein neuer ausländischer Discounter in die Schweiz, zugleich hat sich der Wettbewerb unter den Grossverteilern verschärft. Das Preisgefälle zu den Nachbarländern jedoch ist geblieben. Aufgrund steigender Preise für Benzin etc. nehmen die Konsumenten eine "gefühlte Inflation" wahr.

Sowohl für Frauen wie auch für Männer ist die Frische der Produkte, gefolgt von der guten Erreichbarkeit der Einkaufsstätte von grosser Wichtigkeit. Dass die angebotenen Güter aus der Region stammen, darauf legen die Konsumenten mehr wert, als auf die Umweltverträglichkeit des Produkts -- auch wenn beide Kriterien für die meisten von Bedeutung sind. Genauso wie auch die Vielfalt des Sortiments für mehr als zwei Drittel der Konsumenten "wichtig" oder sehr "wichtig" ist.
Im Gegensatz dazu spielt der Preis eine kleinere Rolle. Er ist bei den Frauen nicht einmal unter den Top 5 Entscheidungskriterien zu finden, wogegen Männer günstige Preise als drittwichtigstes Einkaufsmerkmal nennen. Frauen schauen stärker auf die Umweltverträglichkeit sowie auf Produkte aus fairem Handel - bei Männern waren diese Kriterien nicht unter den Top 5 Entscheidungsmerkmalen. Frauen haben laut der Erhebung eine leicht stärkere Affinität zu Markenprodukten. Insgesamt spielt die Frage nach den Angeboten von Markenartikeln für einen Grossteil der Konsumenten keine sehr wichtige Rolle.


Entsprechend der hohen Sensibilität für preisgünstige Produkte kaufen Männer öfters mal beim Discounter ein. Rund 30 Prozent der männlichen Konsumenten kaufen heute häufiger bei Aldi und Co. ein als noch vor drei Jahren, bei den Frauen sind es bloss 23 Prozent. Letztere werfen aber auch vermehrt ein kritisches Auge auf die Preise: Knapp ein Viertel der Einkäuferinnen geht heute häufiger in die Billig-Läden als noch vor drei Jahren. In den Discountern sind alle Einkommensschichten vertreten -- wobei die Konsumenten mit tieferen Einkommen (unter CHF 4'500) rund 10 Prozent vermehrt bei Aldi und Denner einkaufen gehen als die "Besserverdienenden" mit einem Einkommen über CHF 9'000.
Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) empfindet die Güter des täglichen Bedarfs heute teurer als noch vor drei Jahren. Während etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) keine Preisschankung ausmachen kann, glauben bloss 12 Prozent, dass die Waren günstiger geworden sind. Dabei gehen vor allem Konsumenten mit weniger hohem Einkommen von einer Verteuerung aus. Fast ein Drittel (29 Prozent) führt vor dem Einkauf regelmässig Preisvergleiche durch.
Bemerkenswert ist, dass Coop trotz geringerem Marktanteil eine stärkere Kundenbindung aufbauen konnte: 87 Prozent der Befragten gaben an, eine Supercard zu besitzen, die Cumulus-Karte der Migros kommt auf 82 Prozent. Immerhin 11 Prozent nutzen die MyOne-Karte von Manor, die Pluscard von Globus 3 Prozent.
Wenig Akzeptanz geniessen laut der Studie die Online-Shops der Grossverteiler. Über das Internet eingekauft haben nur knapp 30 Prozent der Befragten. eCommerce ist indessen keine reine Männer-Domäne: Ein Viertel der Frauen hat schon einmal online eingekauft. Das Kundensegment mit den höchsten Online-Einkäufen gehört aber klar den Konsumenten mit hohem Einkommen. Sie haben in 43,6 Prozent der Fälle schon mal im Internet eingekauft.

