
Herr Portmann (im Bild), für die neue Wirtschaftsfakultät, die im Herbst 2016 eröffnet werden soll, wurden mehrere Marketingaktionen gestartet. Unter anderem gab es 50 Grossplakate, zwei Medienmitteilungen und eine Videoreihe. Wieso betreibt man für diese Fakultät so einen enormen Aufwand?
Wir betreiben generell Studierendenwerbung für die Universität Luzern und die gezeigten Plakate sind nicht spezifisch für die Wirtschaftsfakultät, sondern allgemeine Bachelorwerbung. Daher ist der Aufwand auch nicht enorm, sondern massvoll. Als jüngste Schweizer Universität ist es uns ein Anliegen, dass man weiss, dass es uns gibt und unser Angebot bekannt wird. Diese Kampagne wurde von uns lanciert und besteht auch bereits seit 2013, mit denselben Visuals, also Studenten, die als Botschafter für die Studiengänge unterwegs sind. Lediglich der Slogan «Neu: Wirtschaftswissenschaften» wurde nun hinzugefügt.
Warum wird der Fokus dann auf die Wirtschaftsfakultät gelegt?
Nach den Szenarien des Bundesamtes für Statistik hätten wir beim bestehenden Fächerangebot mittelfristig rückläufige Studierendenzahlen. Dagegen mussten wir etwas unternehmen. Und so kam es dazu, dass wir dieses neue Fach Wirtschaftswissenschaften anbieten. Es generiert Wachstum und kann sich mittelfristig alleine finanzieren. Durch die «Politische Ökonomie» haben wir auch bereits drei Professuren in dem Bereich, worauf man aufbauen kann. Daneben spielen das Wachstumspotenzial wie auch regionalpolitische Gründe eine Rolle. Nicht zuletzt passt der Studiengang gut in unser Portfolio. Innerhalb der Bachelorkampagne wollten wir natürlich auch die neue Fakultät prominent platzieren.
Plakatwerbung ist allerdings ein eher selten genutztes Medium für Universitäten.
Das ist wahr, Fachhochschulen sind da aktiver. Doch auch Universitäten wollen sich vermarkten. Bildungsmessen, Infoanlässe oder auch Flyer sind ein beliebte Instrumente hierfür. Im Gegensatz zu grösseren Universitäten müssen wir die «kritische Grösse» erst noch erreichen und auch bekannter werden. Auch die Universität Lugano betreibt beispielsweise regelmässig Werbung.
Mit wie vielen neuen Wirtschaftsstudenten und -studentinnen rechnen Sie?
Für das erste Jahr streben wir 100 bis 150 Studierenden an, im Endausbau sollten es 600 sein.
Bereits jetzt ist das Universitätsgebäude gut gefüllt. Fast 2800 Studenten verteilen sich auf drei Stockwerke. Wie wird mit einem allfälligen Platzproblem umgegangen?
Dies lässt sich über organisatorische Massnahmen lösen. Wir haben genügend Kapazitäten, man muss sie einfach geschickt nutzen.
Zurück zu den Werbekampagnen: Haben Sie von anderen Universitäten Reaktionen zur Vermarktung des neuen Studienganges erhalten?
Nein, jedoch kamen einige positive Rückmeldungen aus dem privaten und universitären Umfeld in Luzern.
Die Finanzierung staatlicher Universitäten über die sogenannten IUV-Beiträge steht in Kritik. Man könnte bemängeln, dass sich die Universität Luzern durch die neue Wirtschaftsfakultät lediglich mehr Ressourcen verschaffen will.
Wir wollen einem Rückgang der Studierenden entgegenwirken, das ist unser erklärtes Ziel. Wir sind überzeugt, dass eine Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät das beste Mittel dazu ist. Nicht nur, weil sie Wachstum generieren wird, sondern auch, weil sie unser Angebot perfekt ergänzt. Aber natürlich spielen die IUV-Beiträge und damit die Zahl der Studierenden eine Rolle. Wir müssen eine gewisse Anzahl Studierender haben. Daher sind wir darauf angewiesen, wenn nicht verpflichtet, auf unsere Angebote aufmerksam zu machen.
Wie beurteilen Sie denn die Entwicklung der Wirtschaftsfakultät und die gesamte Kampagne für Ihre Bachelorstudiengänge?
Für ein Fazit ist es noch zu früh, aber die Richtung stimmt. Der Aufbau verläuft nach Plan, die Universität konnte genügend Drittmittel für den Start einwerben und das Angebot stösst an Infoveranstaltungen bei den Gymnasiastinnen und Gymnasiasten auf Interesse. Wir schauen dem Start darum mit Zuversicht entgegen.
Interview: Sonja Gambon, Bilder: unilu.ch

