Längst hat die Geiz-ist-geil-Welle nach Lebensmitteln, Unterhaltungselektronik und Kleidern auch die Autobranche erreicht. Konsumenten nehmen das Auto nicht mehr unbedingt als Objekt ihrer Träume wahr, sondern als reinen Gebrauchsartikel. Sie benützen das Auto wie den Computer, es hat rein funktionellen Charakter. Wie beurteilen Sie diesen Trend?
Für Autobauer bedeutet dies, dass sie sich entscheiden müssen; für ein extrem billiges, technologisch perfektes, rein funktionelles Gefährt oder für ein teures Auto, dessen Marke den Besitzer erhebt, das durch Style, Performance, Eleganz besticht. Die Mitte fällt zwischendurch. Kein Anbieter von Produkten und Dienstleistungen kann es sich künftig noch leisten, "in the middle of the road" zu fahren, er muss sich entscheiden.
Wird es bald das Auto zum Discount-Preis geben?
Pionier in dieser Richtung wird bald Renault werden. Die Franzosen bringen mit dem rumänischen Autobauer Dacia demnächst ein Auto für Osteuropa auf den Markt, das nicht mehr als 5000 Euro kosten wird; das billigste Auto der Welt. Das Auto wird zum blossen "people mover".
Wie reagiert Nissan auf diesen Trend?
Während ein BMW, Mercedes oder Audi durch die Linienführung immer erkennbar ist, durch alle Modellvarianten hindurch, sehen Nissan-Autos unterschiedlich aus. Nissan baut je nach Käufersegment ein eigenständiges Auto. Allerdings bleibt ihre Abstammung erkennbar, zum Beispiel durch Identifikationsmerkmale wie den Kühlergrill. Während der 350Z wie ein Porsche daherkommt, sieht der Cube aus, wie er heisst: wie ein Würfel (den Cube gibt es nur in Japan; Red.).
Ist es tatsächlich möglich, unter derselben Marke Autos von unterschiedlicher Art und unterschiedlichem Preis zu vertreiben?
Das zeichnet Nissan aus. Seit den Achtzigerjahren baut Nissan Nischenprodukte für verschiedene Segmente. Zum Beispiel: Der Cube ist im Billigbereich noch billiger als andere, der 350Z ist viel billiger als ein Porsche. Nissan profitiert durch die Allianz mit Renault, da in der Technik Synergien erarbeitet werden.
Bereits nützen Unternehmen die Trends der Extreme und kombinieren diese wie H&M und Ikea. Das heisst: Sie bieten billige Produkte mit einem Design-Approach.
Der Smart Shopper ist heute verwöhnt. Er kennt die technischen Möglichkeiten und will diese kombiniert mit dem Markenapproach haben, aber billig bitte sehr. Wer das anbieten kann, ist einen Schritt voraus.
Die Entwicklung zu den Extremen, billig oder luxuriös, hat in den Weltregionen indessen einen eigenen Rhythmus.
Während Europäer durch ihre Kultur länger und stärker am Auto als Imageträger festhalten, sind Amerikaner deutlich pragmatischer. Das war zum Beispiel der Erfolg von Toyotas Lexus. Das Auto kam in den USA ohne Historie auf den Markt und wurde zu einem riesigen Erfolg, weil den Amerikanern die Geschichte egal ist, sie wollen Qualität zu einem guten Preis. Die Japaner wiederum unterscheiden: Wenn sie europäische Produkte kaufen, legen sie Wert auf Image, wenn sie japanische kaufen, dann stehen Attribute wie Performance, Funktionalität und Pricing im Mittelpunkt.

