15.09.2004

Studie

China nur für die Besten ein Wachstumsmarkt

Langfristiger Erfolg in China nur für zwei Drittel der westlichen Firmen.

Kaum ein westliches Unternehmen, das nicht gebannt auf Wachstumsraten in China von durchschnittlich 10 Prozent in den letzten zwei Jahrzehnten blickt. Wachstum dort scheint so grenzenlos wie die Erfolgschancen. Die Realität sieht jedoch oft nüchterner aus.

Zwar erwarten rund 90 Prozent der befragten ausländischen Unternehmen, dass ihre Profitabilität stabil bleibe oder rechnen sogar mit einer Steigerung. Aktuell aber weisen bei näherer Betrachtung rund 40 Prozent dieser Unternehmen eine unbefriedigende Profitabilität auf. Ein knappes Drittel wird klar nicht zur Gruppe der Gewinner zählen und gegebenenfalls in den nächsten fünf bis zehn Jahren sogar wieder den Markt verlassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine heute in Frankfurt vorgestellte Analyse der internationalen Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton.

Die Frage lautet, wer profitiert von dem Wachstum der bis 2050 grössten Wirtschaftsnation? "Die Zeit schneller Profite für so genannte First Mover ist in den meisten Branchen vorbei. Unternehmerischer Erfolg in China verlangt zukünftig noch klarer ein Long-Term-Investment", so Peter von Hochberg, Partner bei Booz Allen Hamilton. Trotz eines stark gereiften Marktes wiederholen, so von Hochberg, westliche Unternehmen in punkto strategischer Planung und Aufbau lokaler Organisation vielfach die Fehler der ersten Expansionswelle.

Mehr als 300 Mio. Chinesen besitzen bereits heute eine Ausbildung, die sie fit macht für die Anforderungen der modernen Wirtschaft. Global Player wie Nokia, Microsoft oder Siemens haben dieses erkannt und betreiben in China weltweite Forschungszentren oder ganze Servicebereiche. Aber die gute Ausbildung spüren westliche Unternehmen nicht allein bei den eigenen chinesischen Mitarbeitern, sondern auch durch erstarkende Konkurrenz.

Knapp 40 Prozent der von Booz Allen befragten westlichen Unternehmen geben an, dass der Wettbewerb mit Produkten chinesischer Hersteller für sie eine zentrale Herausforderung darstelle.

Nach Einschätzung von Booz Allen Hamilton hat in der Vergangenheit manche der ausländischen Unternehmen ihr eigenes, zunächst rasantes Wachstum überfordert. "Sie tendierten oft zu der extremen Lösung "Alle Macht der Zentrale", d.h. niedrige Reaktionsgeschwindigkeit, Bürokratie mit hoher Frustration bei unternehmerisch denkenden Mitarbeitern als Folge", erläutert Steffen Schick, Principal bei Booz Allen Hamilton.


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