08.03.2006

Landeswerbung

Dachmarkenstrategie soll eingeführt werden

Jürg Schmid zur angestrebten Fusion von Trägerorganisationen.

Am Mittwoch fand im Hotel Bellevue in Bern der zur Tradition gewordene Tag der Tourismuswirtschaft statt. Thema der Veranstaltung, bei der sich die Schweizer Tourismusindustrie den nationalen Parlamentarierinnen und Parlamentariern präsentierten, war die Zukunft der Landeswerbung.

Die Trägerorganisationen der Tourismuswirtschaft GastroSuisse, hotelleriesuisse, Schweiz Tourismus, Schweizer Tourismus-Verband, Seilbahnen Schweiz und Verband öffentlicher Verkehr nahmen die Gelegenheit zum Anlass, um vor den interessierten politischen Kreisen zur Zukunft der Landeswerbung, bzw. zur vom Parlament verlangten Koordination der Landeswerbung Stellung zu nehmen.

Die Trägerorganisationen der Tourismuswirtschaft unterstützen die parlamentarische Forderung nach einer besser koordinierten Landeswerbung. Von den vier Vorschlägen zur Bündelung der Werbeanstrengungen, die der Bundesrat zu Handen des Parlaments verabschiedet hat, favorisieren und unterstützen sie klar den Vorschlag "Fusion Kernbereich“ -- d.h. die Fusion von Schweiz Tourismus mit Präsenz Schweiz, Standort Schweiz und Swissinfo.

Ebenfalls unterstützt wird die Variante "Fusion erweiterter Bereich" -- zusätzlich Pro Helvetia, OSEC, Switzerland Cheese Marketing, Swiss Wine und Agro-Marketing. Sie sind überzeugt, dass eine verstärkte Koordination Synergien frei setzen wird, vor allem auch wenn die notwendige einheitliche Markenführung realisiert ist.

Die Marketingorganisation Schweiz Tourismus ist Gegenstand der aktuellen parlamentarischen Diskussionen um die Koordination und Neuausrichtung der Landeswerbung, dies zusammen mit anderen Organisationen, die Werte oder Produkte der Schweiz repräsentieren und vermarkten. Im Gespräch mit "persoenlich.com" legt Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus, dar, warum die Landeswerbung einer strukturellen Anpassung bedarf.

Herr Schmid, warum muss die Koordination der Landeswerbung neu strukturiert werden?

Die Schweiz hat sich in den letzten 100 Jahren konsequent ein positives und starkes Image aufgebaut und ist heute in der Wahrnehmung vieler ein Synonym für Qualität, Zuverlässigkeit, Vertrauenswürdigkeit und für ein einzigartiges Naturerlebnis. Die Schweiz ist das bekannteste kleine Land der Welt. Diese vorteilhafte Ausgangslage muss gezielt in die Zukunft geführt werden. Der heutige Markenauftritt unseres Landes ist jedoch zu variantenreich, um damit auch in Zukunft eine griffige Markenwahrnehmung garantieren zu können. Eine strukturelle Anpassung an die Kommunikations-Herausforderungen globalisierter Märkte drängt sich auf.

Sie sprechen von einer anzustrebenden einheitlichen Markenführung. Denken Sie an eine Dachmarkenstrategie?

Richtig; die von uns bevorzugte Variante "Fusion Kernbereich" würde dazu führen. Diese Variante sieht verbindliche Vorgaben zur Markengestaltung und -führung an sämtliche Organisationen der Landeswerbung vor.

Schweiz Tourismus glaubt, dass nur die "Fusion Kernbereich" umsetzbar ist. Verderben zu viele Köche den Brei?

Nicht zwingend, aber mit dieser Variante können brachliegende Synergien in der Produktion der Marketingmittel – von der Broschüre bis zum Internetauftritt – sowie in Verwaltung und Administration rasch genutzt werden. Die grosse Fusion wäre inhaltlich die visionäre, anzustrebende Lösung und würde zu umfassender Synergienutzung führen. Viele politische Hürden und erhebliche, potenziell lähmende Organisations-Widerstände würden diese Variante jedoch begleiten und eine Zielerreichung gefährden.

Die nationalen Trägerorganisationen sind sich über eine sinnvolle Fusion einig. Sie kritisierten aber auch schon den "Kantönligeist" der regionalen Tourismusorganisationen und haben eine Zentralisierung der Werbung und des Marketings zur Stärkung des Tourismus vorgeschlagen. Sind auch da bald Strukturerneuerungen zu erwarten?

In Zeiten, wo die nationale touristische Marketingorganisation Gegenstand von Fusionsdiskussionen ist, sollte man sich auf lokaler und regionaler Ebene zumindest seriös mit solchen Ideen beschäftigen.

Die Fussball-Europameisterschaft 2008 in der Schweiz ist das kommende Grossereignis, was sicher auch für die Landeswerbung gilt. Werden die neuen Strukturen dann vorhanden sein und auch greifen?

Das ist noch offen; das weitere Vorgehen wird vom Parlament definiert. Fest steht aber, dass wir anlässlich der Euro08 die Stärken unseres Landes kommunizieren müssen und zwar über den Sport hinaus: Die Schweiz als Ferienland, aber auch als Wirtschafts-, als Forschungs- und Wissensstandort, die Lebensqualität, die Schweiz der vier Kulturen. Die Euro08 wird der grösste Anlass sein, welcher je in der Schweiz stattgefunden hat. Noch nie in der Geschichte dieses Landes waren so viele Augen auf die Schweiz gerichtet. Damit bietet sich uns eine einmalige Kommunikationschance, die es gekonnt zu nutzen gilt. Wenn die Schweiz diese Chance verpasst, wird dies eine Euro sein, die allein als die Österreichische in Erinnerung bleibt.


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