Herr Horrolt, Cinecom verliert die Sender von SevenOne Media. Warum kam es nicht zum Handschlag? Aus vermarktungspolitischer Sicht hätte die Cinecom den Auftrag halten müssen.
Leider basieren solche Entscheide nicht immer auf den offensichtlichen Gründen. Das Feedback vieler Marktpartner zeigt, dass die Cinecom einen hervorragenden Job gemacht hat. Der Markt hatte offensichtlich eine andere Sicht und hätte eine andere Entscheidung gefällt. Das spielt am Ende aber keine Rolle. Wir müssen das mit Tränen aber mit erhobenem Haupt akzeptieren.
Was sind die Konsequenzen? Die Cinecom verliert an Bedeutung.
Es gibt ein klares Bekenntnis der PubliGroupe und der Publicitas zu elektronischen Medien und TV. Wie sich dies in Zukunft konkret gestaltet, werden die kommenden Wochen zeigen. Es ist nach dem Entscheid am Mittwoch hierfür noch zu früh.
Was hat der Deal für Folgen im Schweizer TV-Markt?
Ich möchte nicht spekulieren. Ich denke, dass es in einem presselastigen Markt nicht schaden kann, wenn viele verschiedene Verkäufer für die Gattung TV "rennen". Da steckt noch viel Potenzial drin, das noch lange nicht abgeschöpft ist. Gerade in der Schweiz, denken Sie nur an Sonderwerbeformen, stehen wir erst am Anfang. Wettbewerb belebt den Markt und kann ein Produkt wie TV nur weiter bringen.
Denken Sie, dass die SRG-Bewerbung von PupliGroupe-Chef Hans-Peter Rohner den Deal entscheidend beeinflusst hat?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich eine Rolle spielte.
Die PubliGroupe wollte die Cinecom verkaufen. Hatte dies Einfluss auf die Verhandlungen mit SevenOne Media?
Die PubliGroupe wollte das Kino-Geschäft verkaufen. Von TV war nicht eine Sekunde die Rede. Kino war in den Gesprächen mit der SevenOne Media nie ein Thema. Die beiden Medien werden auch als separate Unternehmenseinheiten innerhalb der Publicitas geführt.
Wie geht es mit der Cinecom weiter, Herr Horrolt?
Aufstehen, Hose abputzen und weiter. Wir sind traurig über den Verlust der Vermarktungsmandate. Das muss man jetzt etwas sacken lassen. Wir müssen auch erst einmal mit 3+ sprechen und dann sehen wir weiter. Wir haben hier ein hervorragendes Team, das für mich neben der professionellen Abwicklung der beiden verlorenen Sender bis zum Jahresende nun absolut im Vordergrund steht.
Interview: Christian Lüscher

