07.11.2016

Tamedia

«Der neue Claim entstand zuerst in Englisch»

Tamedia stampft das alte Logo ein, fortan wird nur noch ein knalliges «T» eingesetzt. Warum ist diese Fassadenrenovation nötig? Kommunikationschef Christoph Zimmer über den Vorteil des simplen «T» und über Branding-Projekte in Zeiten von Sparmassnahmen.
Tamedia: «Der neue Claim entstand zuerst in Englisch»
Er verantwortet den neuen Markenauftritt seitens Tamedia: Christoph Zimmer (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Herr Zimmer, statt «Tamedia» steht neu nur noch ein «T». Sieht das auf Ihrer Visitenkarte nicht etwas mickrig aus?
Die neue Marke wirkt gerade auf kleinen Flächen viel stärker. Das Format des bisherigen Logos machte es schwierig, es in kleinen Anwendungen, beispielsweise im Netz, abzubilden. Das T, das auf dem Schriftzug des Tages-Anzeigers aufbaut, funktioniert auch als App-Icon. Aber Sie haben Recht, der teilweise Verzicht auf den Schriftzug ist sicher ein mutiger Schritt und ich finde es gut, dass Tamedia diesen Mut hat.

Wo wird das knallige T künftig überall anzutreffen sein?
Natürlich ganz besonders bei Tamedia Advertising, der neuen Verkaufsorganisation, über die unsere Kunden erstmals alle unsere Medien mit 5,4 Millionen Lesern und Nutzern pro Tag aus einer Hand buchen können. Tamedia Advertising geht deshalb auch voraus und setzt die neue Marke bereits ab Mitte November ein. Alle anderen Bereiche folgen im Januar.

Richtet sich das neue Branding also in erster Linie an Werbekunden und Investoren?
Neben den Werbekunden richtet sich der Auftritt vor allem auch an die Mitarbeitenden, die bisherigen und die, die es vielleicht eines Tages werden. Tamedia führt ja gleichzeitig eine neue Unternehmensorganisation ein. Viele Mitarbeitende, die bis anhin zum Innendienst von 20 Minuten, zum Lesermarketing von 24 heures oder zum Verkauf der Zürcher Regionalzeitungen gehörten, arbeiten neu für alle Medien von Tamedia. Und die Anzahl der Mitarbeitenden, die nicht nur für einen Titel oder ein Produkt arbeiten, wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Tamedia als Marke wird deshalb auch gegen Innen wichtiger.

Gebäudebeschriftungen, E-Mailsignaturen, Briefpapier: Bis wann wollen Sie alle «alten» Tamedia-Logos ausgewechselt haben?
Der neue Auftritt wird ab Mitte Januar so richtig sichtbar, dann kommt die Marke an die Gebäude, die neue Website für die Gruppe wird lanciert und die neuen Briefschaften kommen zu Einsatz. Bis der letzte Hinweis auf die alte Markenwelt verschwunden ist, wird es aber sicher länger dauern. Es fällt ja auch einiges weg: Tamedia Digital, Tamedia Publications romandes und Espace Media werden als Marken ganz verschwinden.

Wie hiess der bisherige Claim?
Der ursprüngliche Claim hiess «Content for People». Er hat als Glossentitel im Tages-Anzeiger bis heute überlebt, als Claim setzen wir ihn aber bereits seit 2007 nicht mehr ein. Er passte nicht mehr zu uns. 

Der neue Claim ist affirmativ formuliert. Warum heisst er «bleib neugierig» und nicht «neugierig sein» und was soll die Du-Form signalisieren?
Wir wollen mit dem Claim unsere Nutzer und Kunden direkt und durchaus auch persönlich ansprechen. Entstanden ist die Idee zuerst in Englisch, dann entwickelte sich daraus der deutsche und französische Claim. Deshalb lag es nahe, auch in diesen Sprachen auf einer direkten Ansprache zu setzen. 

Wie viel kostete das Rebranding?
Vermutlich viel weniger als Sie denken. 

Auf der einen Seite zieht Tamedia in den Redaktionen einschneidende Sparmassnahmen durch, auf der anderen Seite leisten Sie sich ein aufwändiges Rebranding. Warum sind Investitionen in den Unternehmensauftritt wichtiger als jene in Mitarbeitende?
Das sind sie natürlich nicht. Das bisherige Logo wurde im Jahr 2000 kurz vor dem Börsengang eingeführt. Seither hat Tamedia nichts mehr in den Markenauftritt investiert. Gerade für die Mitarbeitenden im Verkauf, die täglich im Markt unterwegs sind, ist ein zeitgemässer Auftritt wichtig. Und das mit der neuen Markenwelt, die mehr Farbe, stärkere Bilder und eine Typographie einsetzt, die auch digital funktioniert, unser Ziel. 

Weshalb hat sich Tamedia für eine kleine, junge Agentur wie Made Identity entschieden?
Georg Gadient, Alexander Weis und Adrian Glatthorn, die drei Partner von Made Identity, haben uns in der Präsentation sofort überzeugt. Und ich finde, sie haben hervorragende Arbeit geleistet. Made hat einen intelligenten Auftritt entwickelt, der gezielt wirkt und viel Kraft entwickelt. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass Georg, Alex und Adi unsere Vorgaben immer wieder in Frage gestellt haben. Das war manchmal anstrengend - aber extrem wichtig.

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Auf der eigens eingerichteten Webseite zum Branding ist die Firmen-Vision beschrieben: «Mit unseren publizistischen Medien und Services wollen wir bis 2020 zu den führenden digitalen Medienunternehmen Europas gehören». Können Sie dieses Vorhaben etwas konkreter beschreiben?
Dieser Satz ist ein Auszug aus unserem Unternehmensleitbild, das wir zu Beginn des Jahres eingeführt haben. Es zeigt unser Ziel, in Europa vorne mit dabei zu sein. Viele unserer Medien sind das schon heute. Es gibt zum Beispiel kaum einen Medienverbund in Europa mit einer so hohen Reichweite und einer so treuen Leserschaft wie 20 Minuten. Auch andere Angebote wie Doodle, die 12-App, unser Recherchedesk oder das Netzwerk unserer Tageszeitungen können sich sehen lassen. Und wirtschaftlich gehört Tamedia bereits heute zu den erfolgreichsten Medienunternehmen Europas.

Warum ist die Unternehmensgrösse so wichtig?
Im Zeitungsgeschäft in der Schweiz mit seinen Druckereien und einem fast flächendeckenden Vertriebsnetz ist Grösse tatsächlich entscheidend. In Europa wollen wir aber sicher nicht zu den grössten Medienunternehmen gehören sondern zu den führenden.

Und wie, mit welchen Massnahmen, will Tamedia diese Vision erreichen?
Es muss uns auch weiterhin gelingen, trotz des hohen Kostendrucks innovativ zu sein, neue Projekte anzustossen und Risiken einzugehen, um den Medienwandel selbst mitzugestalten. Und auch selbst neugierig zu bleiben. Aber es ist klar: das bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe und die Vision ist deshalb durchaus ambitioniert.  

*Die Fragen wurden schriftlich beantwortet

 

 

 



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