In der letzten Zeit viel war viel zu lesen über Events rund um den Zoo Zürich. Wie wichtig sind solche Events für den Zoo?
Für mich ist der Zoo eine Kulturinstitution, die von Menschen für Menschen betrieben wird, natürlich mit einem ideellen Ziel. Unser Ziel ist die langfristige Erhaltung der Tierwelt. Das müssen wir mit dem Zoo vermitteln, da haben wir eine erzieherische Aufgabe. Je mehr Menschen den Zoo besuchen, umso besser können wir unsere Ideen verbreiten und zum Engagement motivieren. Deshalb ist es für mich ganz entscheidend, dass ein Zoo breit abgestützt ist, durch alle Schichten hindurch. Die Natur ist unsere gemeinsame Lebensgrundlage, und wir wollen die Leute dafür sensibilisieren.
Tieranlagen werden mit privaten Geldern finanziert. In den USA werden solche Gebäude immer nach dem Donator benannt. Warum nicht auch in Zürich?
In der Schweiz pflegen wir wohl einen etwas diskreteren Umgang mit Donationen. Dazu kommt das Problem der Mehrwertsteuer. Wenn wir eine Firma erwähnen, zahlen wir gleich Mehrwertsteuer, und das sind grosse Summen. Dazu kommt das Sponsoring. Dort wird eine direkte Gegenleistung erwartet, etwa in Form der Namensnennung der Firma, die uns geholfen hat. Die Firma wird dies auch nach aussen kommunizieren. Dies ist ein heikler Balanceakt. Wir müssen dafür sorgen, dass der Zoo ein Zoo bleibt und nicht zur CocaCola-Veranstaltung wird. Auch der Auftritt der Sponsoren innerhalb des Zoos muss dezent bleiben.
Haben Sie verschiedene Kategorien von Sponsoren?
Wir haben unsere Hauptsponsoren ZKB, Migros und Axpo. Von denen bekommen wir einen fixen Geldbetrag, und sie bekommen verschiedene Gegenleistungen, wie einen gemeinsamen Auftritt mit uns auf den Plakaten. Wir machen gemeinsame Aktionen, die Firmen können mit ihren Mitarbeitern Anlässe im Zoo organisieren. Bei der Sammlung für die Löwen haben sie mitgeholfen. Die Migros hat Leue-Chüeche verkauft. Die ZKB hat Sammelprospekte verschickt. Die Axpo macht eine Weihnachtsüberraschung im Zoo. Es geht beim Sponsoring nicht um Millionenbeträge, sondern um ein paar hunderttausend Franken. Dann gibt es noch Nebensponsoren. Die Rentenanstalt und die ÖKK unterstützen uns in dieser Kategorie. Daneben organisieren wir Anlässe für Firmen, die ein Teilsponsoring beinhalten, wie etwa das diesjährige Mitarbeiterfest von Sunrise im Zoo.
Wie stellen Sie den Kontakt zu den Sponsoren her? Verpflichten sich die Sponsoren für mehrere Jahre, oder machen Sie sich jeden Tag neue Überlegungen, wie man den Kontakt zu der Wirtschaft intensivieren könnte?
Wir haben ein Unterstützungsnetz aufgebaut, das aus verschiedenen Komponenten besteht. Die älteste davon ist die Tiergartengesellschaft, welche ursprünglich diesen Zoo gegründet hat. Als die Gründung vollzogen war, wurde sie Unterstützungsverein und ist seither unabhängig vom Zoo. Die Tiergartengesellschaft hat jetzt ungefähr 20000 Mitglieder, welche uns mit kleinen Beträgen, die sich aber doch summieren, immer unterstützt haben. Die zweite grosse Unterstützung ist das Zoo-Fest, welches alle zwei Jahre stattfindet. Aus dieser Quelle erhalten wir namhafte Beträge für den Zoo und gleichzeitig hilft es uns, die Verbindungen in die Wirtschaft hinein zu knüpfen. Diesmal haben wir 82000 Franken erhalten, das letzte Mal waren es 77000 Franken. Das ist der gewaltige Gewinn aus dem Zoo-Fest, und dies an einem Abend. Es wurde immer ein wenig mehr, und dies ist natürlich toll. Aber es ist nicht nur toll, weil es diesen Betrag bringt, sondern weil es auch hilft, die Verbindungen zur Wirtschaft zu stärken. 1999 haben wir dann den Zoo von einer Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
Wie funktioniert denn das Fundraising-System?
Wir besprechen im Stiftungsrat, wohin man geht. Man geht einzelne Firmen an. Zum Jubiläum haben wir auch versucht, einzelne Privatpersonen anzusprechen. Das machen wir über die einzelnen Stiftungsräte, die die Leute kennen. Wenn die Tür dann geöffnet ist, darf ich unsere Projekte vorstellen.
Erfährt man denn noch grosse Hilfe von den alten Züri-Geschlechtern?
Davon hört man nicht sehr viel. Sie ist aber für uns eine grosse Unterstützung. Aber "alte Zürcher Geschlechter" ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Es sind eigentlich alle, die sich hier zuhause fühlen. Das Zoo-Fest wurde von Hans C. Bodmer ins Leben gerufen, und das hat uns natürlich viele Türen geöffnet. In diesem Netz lernt man viele Leute kennen. Eine meiner Haupttätigkeiten ist es, Vorträge zu halten. Man muss die Idee hinaustragen. Ich halte fast zweimal in der Woche einen Vortrag. Bei Rotary, bei den Lions, bei Unternehmensanlässen. Wir machen auch viele Events im Zoo. Wir hatten im letzten Jahr 2500 Führungen, alles angemeldete Gruppen. Dort können wir unser Gedankengut verbreiten. Der Zoo ist eine Kulturinstitution, die der Gesellschaft gehört, nicht mir. Es ist der Zoo der Leute. Deshalb muss man sie auch einbinden. Das Zoo-Fest wiederum ist für die Firmen ein sehr gutes Gefäss. Ein exklusiver Anlass, der Platz ist beschränkt, die Zahl der Teilnehmer begrenzt. Es wird von einem ehrenamtlich tätigen Komitee organisiert, und der Zoo darf einen Scheck entgegennehmen.

