03.02.2014

Swisscom

"Die Aufregung kann ich verstehen, den Ärger aber nicht."

Tim Alexander ist seit fünf Monaten Leiter Marketing- & Markenkommunikation bei der Swisscom. Wann werden wieder Budgets ausgeschrieben? Gegenüber persoenlich.com äussert sich Alexander über die Marketingstrategie und die Zusammenarbeit mit den Werbeagenturen. "Serviceplan hat uns absolut überzeugt", sagt er, und mit Heimat habe der Telekomriese "eine der besten Agenturen Europas an der Seite".
Swisscom: "Die Aufregung kann ich verstehen, den Ärger aber nicht."

Herr Alexander, Sie sind seit dem 1. September, also kurz nach dem Freitod von Carsten Schloter, für die Marketingaktivitäten der Swisscom zuständig. Welchen Eindruck haben Sie vom Unternehmen?
Bei meinem Start bin ich auf ein starkes und entschlossenes Team gestossen. Stark, weil den Mitarbeitenden die Unternehmenskultur mit klaren Werten Kraft gibt. Entschlossen, weil wir als Team den eingeschlagenen Weg erfolgreich weiter gehen wollen. Gemeinsam werden wir den Markt und die Marke nachhaltig bewegen. Das macht Swisscom einzigartig und ich bin sehr stolz, dabei sein zu dürfen und den Weg mitzugestalten.

Sie waren mehrere Jahre bei der Telefónica Deutschland beschäftigt. Wodurch unterscheiden sich die beiden Telekommunikationsunternehmen?
Telefónica adressiert den deutschen Markt mit O2 - einer kleinen aber feinen Angreifermarke. O2 hinterfragt die Konventionen der Telekommunikationsbranche und fordert die grossen Anbieter mit neuen Ideen heraus. Swisscom dagegen verteidigt ihre Marktstellung mit maximaler Kundenorientierung durch hervorragende Services, beste Produktinnovationen, höchste Netzqualität, alles aus einer Hand und das ganz nahe bei den Leuten vor Ort. Als Marktführer ist Swisscom somit eigentlich in der Verteidigungsposition, aber genau hier liegt der Unterschied: Bei Swisscom ist Angriff die beste Verteidigung. Swisscom hat den Spirit eines Angreifers und die Grösse eines Markführers. Dazu kommt das Besondere, mit Swisscom ein Teil der Schweiz repräsentieren zu dürfen. Das macht Swisscom einzigartig und ist gleichzeitig eine Herausforderung, der ich mich sehr gerne stelle.

Worauf legen Sie den Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit?
Die aktuellen Herausforderungen liegen in der klaren Differenzierung gegenüber den Wettbewerbern. Wir wollen als Marke wahrgenommen werden, die ihre Kunden in eine moderne Schweiz einlädt und sie auf dem Weg dorthin begleitet. Die Sicherstellung dieses einheitlichen Markenerlebnisses über alle Kontaktpunkte hinweg beschäftigt uns deshalb genauso wie die Implementierung der Strategie innerhalb des Unternehmens und damit die Aktivierung der Mitarbeiter als Markenbotschafter. Darüber hinaus wollen wir mit unseren Kunden viel stärker Kontakt aufnehmen und mit ihnen interagieren. Die Integration der digitalen und Social-Media-Kanäle unter Berücksichtig von Big Data bildet einen weiteren Schwerpunkt der Tätigkeiten. Zum Abschluss muss unsere Kommunikation messbare Ergebnisse liefern und sowohl verkaufen als auch maximal loyalisieren.

Seit Januar 2014 haben Sie auch den Bereich Markenkommunikation übernommen. Welche Änderungen stehen hier an?
Das interne Verständnis von Bedeutung und Potenzial der Marke wollen wir noch weiter steigern und durch unsere Initiative "Hallo Zukunft" stärker nach aussen tragen. Es beeindruckt mich jeden Tag von Neuem, wie sich Swisscom für die Gesellschaft und die Zukunft der Schweiz engagiert. Zum Beispiel haben wir letztes Jahr mehr als 30'000 Personen im Thema Medienkompetenz ausgebildet. Eine Million Jugendliche können durch Swisscom das Internet in den Schulen gratis nutzen. Wir bilden 900 Lernende aus und unterstützen Schweizer Start-ups mit zehn Millionen Franken. Wir setzen ausschliesslich Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energie ein und sichern mit unseren Investitionen in die Infrastruktur zahlreiche Arbeitsplätz in der Schweiz. Unseren Beitrag zur modernen Schweiz und unseren Einsatz für die Heimat von allen Schweizerinnen und Schweizern muss eindrücklich erzählt und mit unserer Marke konsistent und konsequent verknüpft werden.

Die Swisscom ist vor bald zwei Jahren in Kritik geraten, weil sie die deutsche Werbeagentur Heimat engagierte. Können Sie den Ärger der Schweizer Werbetreibenden nachvollziehen?
Die Aufregung kann ich verstehen, den Ärger jedoch nicht. Als Swisscom brauchen wir die besten Antworten auf die Fragen, die der Markt uns stellt. Dafür haben wir mit Heimat eine der besten Agenturen Europas als Partner an unserer Seite. Heimat hilft uns dabei, an der Spitze zu bleiben und unsere Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Die Ergebnisse sprechen für sich. Die weltweit preisgekrönte Kampagne "All eyes on Samsung Galaxy S4" ist nur ein Beispiel unserer guten Zusammenarbeit. Gemeinsam mit unseren weiteren Agenturen und Partnern arbeiten und produzieren wir in der Schweiz und bilden somit ein starkes Team.

Nun haben Sie Serviceplan beauftragt eine BTL-Kampagne für KMU-Lösungen zu erstellen. Wollen Sie verstärkt wieder Schweizer Agenturen engagieren?
Ich habe in meinem Leben gelernt: "Qualität setzt sich durch." Serviceplan hat uns absolut überzeugt und ist jetzt unsere Lead-Agentur im Bereich Business-Kunden. Gemeinsam mit Heimat und Mediaschneider bilden sie sicherlich den Kern unseres Agenturteams. Dabei etablieren wir gerade eine neue Form der Zusammenarbeit: Alle an einem Tisch und gemeinsam mit uns als Kunde wird gearbeitet, diskutiert und entschieden. Daraus entstehen integrierte Gesamtkonzepte, durchdacht von Anfang bis Ende und dadurch eine Kommunikation, über die man in der Schweiz positiv sprechen wird.

Werden Sie die Budgets neu ausschreiben lassen?
Wir setzten auf langfriste Partnerschaften im Dienst der Marke - denn Markenpflege ist keine Kurzstrecke, sondern Langstrecke. Es ist unsere Verantwortung, darauf aufzupassen, dass die richtigen Marketingaktivitäten zum Zuge kommen und die richtigen Leute an der Marketing- und Markenkommunikation arbeiten. Ich fühle grossen Respekt der Marke gegenüber und bin mit dem bestehenden Team gut aufgestellt.

Was sind Ihre nächsten Projekte?
Das Jahr 2014 wird ein gutes Jahr: Wir arbeiten an mehreren Kampagnen und freuen uns drauf, etwas zu bewegen. Darüber hinaus wollen wir uns als Team weiter entwickeln und "Inspiration" in den Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns stellen. Ich selbst lasse mich von Land und Leuten sehr gerne weiter inspirieren.
 
Interview: Matthias Ackeret, Bild: zVg

 


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