Herr Riedener, Sie haben sich für das Präsidium der Generaldirektion beworben und sind unterlegen. Sind Sie jetzt enttäuscht?
Wenn man sich für etwas einsetzt und das Ziel nicht erreicht, ist auch eine gewisse Enttäuschung da. Weil ich aber den Marketing-Job bei der Migros immer sehr gerne gemacht habe, war es für mich nicht zwingend, Präsident der Generaldirektion zu werden. Die Enttäuschung hält sich auch in Grenzen, weil ich immer mit einer hohen Wahrscheinlichkeit gerechnet habe, nicht gewählt zu werden. Das führt dazu, dass ich das demokratische Verdikt sportlich tragen kann.
Herbert Bolliger sagt, er habe Ihnen 20 Jahre Migros-Erfahrung voraus. Sie sind erst seit vier Jahren im MGB. War das der entscheidende Unterschied, der zu Herbert Bolligers Wahl führte?
Es ist ganz klar, dass auch die Erfahrung für Herbert Bolliger gesprochen hat.
Welches sind die positiven Seiten einer solchen Kandidatur?
Allein die Tatsache, dass ich schon nach vier Jahren Migros ein ernsthafter Anwärter für den höchsten operativen Posten in der Migros war und Wertschätzung, die ich während dem Wahlprozedere erhielt, haben mich ein bisschen mit Stolz erfüllt.
Sie haben die Wahl zwar verloren, stehen aber trotzdem auch als Sieger da: In verschiedenen Zeitungen konnte man lesen, dass Sie der beste Marketingchef in der Schweiz seien. Wie viele Headhunter haben sich übers Wochenende bei Ihnen gemeldet?
Die Marketingerfolge der Migros auf eine einzige Person zu konzentrieren, ist eine falsche Zuspitzung. Das Marketing bringt als Team eine gute Leistung. Darum müsste es "beste Marketingabteilung der Schweiz heissen.
Sie weichen aus. Ihr Marktwert ist jetzt nochmals gestiegen.
Ich habe nach der Wahl klar gesagt, dass ich das Engagement bei der Migros im Marketing weiterführen möchte. Deshalb hat auch nicht dauernd das Telefon geklingelt.
Sie bleiben also im MGB?
Wir haben noch einige sehr anspruchsvolle Projekte vor uns. Die sind für die kommenden Jahre Herausforderung genug -- Insbesondere in dem sich härter werdenden Umfeld.
Anton Scherrer behauptet, das Team Bolliger/Riedener wäre unschlagbar. Wie sehen Sie einer Zusammenarbeit mit Herbert Bolliger entgegen?
Ich schätzte die hervorragende Arbeit, die Herbert Bolliger in der Migros Aare gemacht hat. Seine Erfahrungen an der Verkaufsfront und meine Kompetenz im Marketing könnten sich in der Tat sehr gut ergänzen.

