"Es lässt sich ganz ordentlich mit den alten Clichés leben, solange man sie nicht als einzige Gradmesser konserviert" -- das ist die Quintessenz des Parlamentarier-Talks, zu dem die Schweizer Werbung SW letzte Woche geladen hatte. Über das Image der Schweiz diskutierten Johannes Matyassy (Präsenz Schweiz), Jürg Schmid (Schweiz Tourismus) sowie Balz Hösly (Osec). Moderiert wurde der Anlass von Matthias Lauterburg.
Die Befürchtung, das Image der Schweiz habe in der letzten Zeit durch negative Schlagzeilen gelitten, wurde von den Gesprächsteilnehmern nicht grundsätzlich geteilt: Die Schweiz habe möglicherweise schon an Vorsprung eingebüsst, aber sie gelte immer noch als sauber und zuverlässig. Etwas differenzierter sieht das Johannes Matyassy. Die Schweiz gelte im Ausland als wenig innovativ und zukunftsorientiert, da bestehe da durchaus eine Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdbild.
Balz Hösly erlebt in seiner Tätigkeit dasselbe: Schweizer Unternehmen würden zwar als zuverlässig und qualitätsbewusst eingestuft, hätten jedoch ein Innovationsproblem. Zudem werde die Produktivität als mittelmässig betrachtet. "Wir verlieren langsam den Anschluss", warnte Hösly, das hätten verschiedene Studien gezeigt.
Jürg Schmid beurteilt das Produkt Schweiz als noch immer hervorragend. Die Hotelerie müsse freilich ihre Hausaufgaben machen. Strukturwandel sei nötig, denn es gebe auch Probleme: So sei die Schweiz rund 15 bis 18 Prozent teurer als Nachbarländer. Der starke Franken sei ein Wettbewerbsnachteil, das Hochpreisimage allerdings nicht immer nur negativ. Schmid: "Bei Produkten mit hoher Wertschöpfung ist man bereit, die höheren Preise zu bezahlen, ausserdem bedeutet ein hoher Preis auch hohe Glaubwürdigkeit."

