06.08.2007

"Die Verlagerung vom Print ins Internet wird anhalten"

Interview zum Verkauf von Jobs.ch.

Der führende Schweizer Internet-Stellenmarkt Jobs.ch kommt in neue Hände. Die New Yorker Beteiligungsgesellschaft Tiger Global übernimmt die Mehrheit. Laut Medienberichten soll der Verkaufspreis bei 100 Millionen Franken liegen. Weshalb Amerikaner und nicht eines der ebenfalls interessierten europäischen Verlagshäuser -- darunter dem Vernehmen auch die Tamedia -- den Zuschlag erhielten, sagt Geschäftsführer Mark Sandmeier im Interview mit "persoenlich.com".

Herr Sandmeier, Weshalb wurde Jobs.ch an die amerikanische Gesellschaft Tiger Global verkauft?

Wir wurden vor drei Viertel Jahren erstmals von Interessenten kontaktiert. Im Verlauf der vergangenen Monate bekundeten insgesamt 15 Unternehmen starkes Interesse an uns. In diesem Zusammenhang prüften wir, welcher Eigner für Jobs.ch die beste Zukunft bietet. Mit Tiger Global fanden wir eine Gesellschaft, die unseren Wert und jenen für die Kunden mit neuen Dienstleistungen und Ideen nochmals beträchtlich steigern kann. Dazu kommt, dass der Verkaufszeitpunkt sehr geeignet ist.

Welche neuen Wachstumschancen tun sich denn auf?

Tiger Global investiert in neun Jobbörsen in verschiedenen Ländern und Märkten. Diese Börsen zeichnen sich durch unterschiedliche Dienstleistungen aus. Der Austausch der Best-Practice-Erfahrungen aus den einzelnen Märkten bringt uns sehr viel. Dies zeigte sich bereits heute im Rahmen der Allianz The Network, der wir angeschlossen sind -- wenn auch in weit geringerem Ausmass.

Wird das Portal nun grundlegend umgestaltet?

Nein, gar nicht. Wir haben nach einer Lösung gesucht, die es dem Management erlaubt, weiterhin selbständig arbeiten zu können. Es gab einige Interessenten, welche diese Autonomie nicht gewährleisten konnten. Angebote, welche eine Teilfusion vorsahen, oder bei welchem wir einzelne Unternehmensteile hätten weggeben müssen, kamen für uns aber nicht in Frage. Wir konnten uns in den vergangenen sieben Jahren in der Schweiz erfolgreich als Marktführer mit einigem Abstand auf die Konkurrenz etablieren. Das soll so bleiben.

Unter den Kaufinteressenten soll auch die Tamedia gewesen sein. Weshalb zogen Sie die US-Beteiligungsfirma dem Zürcher Verlag vor? Gab der Kaufpreis den Ausschlag?

Mehrere Verlage aus Europa zeigten Interesse an uns und haben eine Übernahme geprüft. Tiger Global erhielt schliesslich aus mehreren Gründen den Zuschlag. Einer davon war, dass wir die Stellenbörse in Zukunft weiterbetreiben können wir bisher.

Der Verkaufspreis der US-Gesellschaft soll mit 100 Millionen Franken deutlich höher liegen als die Angebote der europäischen Unternehmen.

Ich möchte hier nicht einzelne Offerten kommentieren, sei es der Absender oder der Verhandlungspreis.

Jobs.ch erreicht hierzulande einen Marktanteil von 40 Prozent. Welche Zielwerte fordern die neuen Eigner?

Wir möchten uns noch einmal steigern und in den kommenden 3 - 5 Jahren einen Marktanteil von 50 - 55 Prozent erreichen.

Wie soll dies geschehen?

Dank den neuen Austauschmöglichkeiten mit dem neuen Inhaber entstehen Chancen -- die Vorgehensweise ist indessen noch nicht bis ins Letzte geklärt. Wir werden jedoch in Kürze mit neuen Dienstleistungen aufwarten.

Fasst jobs.ch auch eine Expansion ins Ausland ins Auge?

Wir werden uns auch in Zukunft auf die Schweiz fokussieren. Der Schweizer Markt ist in ganz Europa einzigartig -- wir können in diesem noch viel bewegen. Jobs.ch hat aber auch Ideen, für welche wir eine Expansion ins Ausland (direkt oder über Partner) nicht ausschliessen.

Wird sich jobs.ch auch in Zukunft auf den Stelleninseratemarkt konzentrieren, oder ist auch der Einstieg in andere Bereiche vorgesehen?

Von einem Einstieg in einen anderen Bereich als den HR-Bereich sehen wir ab. Wir glauben nicht daran, dass der Online-Stelleninseratemarkt gleich zu betrachten ist wie der Auto- oder Immomarkt im Internet. Wir möchten mit gezielten Dienstleistungen die Bedürfnisse der Rekrutierer in der Schweiz abdecken und uns nicht mit Themen in anderen Bereichen verwässern.

Abschlussfrage: Werden Ihrer Einschätzung nach die Printmedien weiter Stelleninserate an das Online-Medium verlieren?

Die Verlagerung vom Print ins Internet wird sicherlich anhalten. In der herrschenden Wirtschaftslage jedoch profitieren alle -- die Zeitungen, Fachzeitschriften und Online-Plattformen. Denn die Suche nach den Fachspezialisten wird künftig noch intensiver werden, das Buhlen um die besten Fachkräfte, die sich für einen Jobwechsel interessieren, sich weiter verstärken.

(Interview: David Vonplon)


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