Herr Lussi, Sevenone Media vergibt die Vermarktung der Sender an IP Multimedia. Warum?
Die ProSiebenSat.1 Gruppe Schweiz hat aus vertragstechnischen Gründen nun endlich die Möglichkeit, die gesamte Sendergruppe einheitlich zu vermarkten. Mit der IP Multimedia AG haben wir eine Agentur ausgewählt, die unsere Sender kompetent bei der Schweizer Werbewirtschaft vertritt.
Sevenone Media hat den Entscheid hinausgezögert. Was waren die Gründe? Was waren die Knackpunkte?
Wir wollen für unsere Sender die bestmögliche Vermarktungsgrundlage schaffen. Die Prüfung sämtlicher Alternativen hat enorm viel Zeit beansprucht. Politische wie auch finanzielle Eckpunkte standen im Mittelpunkt der Entscheidungsgrundlage.
Diese Vermarktungskonstellation ist weltweit wohl einzigartig. IP Multimedia vermarktet nun zwei Konkurrenten. Warum ist das in der Deutschschweiz kein Problem?
Ich vergleiche die TV-Vermarktungssituation in der Deutschschweiz nicht mit der im Ausland bzw. mit unserem Mutterhaus in Deutschland. Das wäre ein Fehler. Die starke, vom Schweizer Staat geschützte SRG hat einen TV-Werbemarktanteil von über 60 Prozent und dominieren den Markt. Diese Situation ist wohl eher als einzigartig in Europa zu betrachten.
Kommt IPM künftig nicht in einen Interessenkonflikt bei der Vermarktung?
Nein. Jeder Sender ist einzigartig und bringt im Zuschauermarkt seine Leistungen. Gute Produkte generieren in der Werbebranche Nachfrage nach attraktiven Umfelder. Hier sind wohl eher die Werbekunden und Mediaagenturen gefordert, dies zu erkennen, um dann bei IPM einen kompetenten Dienstleister für die Umsetzung der Mediapläne anzutreffen.
Sevenone Media dachte auch über eine Eigenvermarktung nach. Warum wurde diese Option verworfen?
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. In einer rezessiven Phase wollten wir einfach keine möglichen Risiken eingehen, die eine Eigenvermarktung mit sich gebracht hätte.
Wie entscheidend war für SevenOne Media die Management-Situation bei der Publigroupe? Hans-Peter Rohner wollte immerhin zur SRG wechseln.
TV-Vermarktung findet an der Basis statt. Das Team der Publicitas Cinecom rund im Alexander Horrolt leistet eine hervorragende Arbeit. Auch dies ist ein Grund, weshalb uns der Entscheid nicht leicht gefallen ist. Die Management-Situation bei der Publigroupe hat bei unserer Entscheidung nur eine marginale Rolle gespielt und war nicht matchentscheidend.
Im Schweizer Markt haben wir nun so etwas wie eine Monopolstellung bei den Werbefenstern. Was hat das für Auswirkungen auf die Preise?
Es gilt den TV-Markt Schweiz als Ganzes zu betrachten. Von einer Monopolstellung kann keine Rede sein. Die Sender der SRG generieren doppelt so viel Umsatz wie sämtliche Schweizer Werbefenster zusammen. Die SevenOne Media Schweiz als Vertreter der Sendergruppe bestimmt den Preis und wir sind interessiert unsere Produkte leistungskonform der Schweizer Werbewirtschaft anzubieten.
Wie wird der Markt auf die neue Situation reagieren?
Der TV-Markt Schweiz ist immer noch ein Entwicklungsmarkt. Es gibt noch so viele kreative Angebote, die wir dem Markt anbieten können, die bis heute noch nicht genutzt werden. Die von Ihnen angesprochene Situation ist nicht matchentscheidend, sondern die kompetente Angebotsstruktur der Sender und dessen Vermarkter werden in Zukunft vom Markt geschätzt werden.
Bis heute hält SevenOne Media 23 Prozent an IPM. Wurde das Aktienpaket aufgestockt? Haben Sie nun mehr Mitspracherecht?
Alles bleibt wie es ist.
Interview: Christian Lüscher

