Herr Käfer, Sie gelten als Erfinder des Caterings. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Dies ist doch ein wenig übertrieben, Catering gab es schon bei den alten Römern. Doch Partyservice war in Deutschland lange Zeit gar nicht in Mode. Ich war aber immer davon überzeugt, dass es dafür einen Markt gibt. Rückblickend war es ein schwerer Kampf, bis die Leute sich daran gewöhnt hatten, dass man einen solchen Dienst einfach bestellen kann. Heute macht dies jeder Metzger und Bäcker. Aber das perfekte Catering ist sehr schwer und wird immer schwerer. In meiner Glanzzeit habe ich bis zu 60 Millionen Mark jährlich allein mit Veranstaltungen umgesetzt. Dabei habe ich alles selber gemacht: Ich hatte eigene Zelte, eine eigene Schreinerei und eine eigene Dekorationsabteilung.
Was war das Verrückteste, was Sie gemacht haben?
Die verrücktesten Partys waren diejenigen mit Gunter Sachs. Dabei handelte es sich immer um aussergewöhnliche Dekorationen in seinem Studio. Wir sind eben beide Spinner mit dem Hang zu Neuem.
Sie haben ja auch einmal eine 24-Stunden-Party für einen Mann gemacht.
Ja, dieser wollte seinen 50. Geburtstag ganz alleine feiern, ohne Frauen. Es war sensationell. Punkt 12 Uhr, als sein Geburtstag vorbei war, kamen dann auch Frauen vorbei, um ihm zu gratulieren. Das war ein Geschenk: Er durfte auswählen. Verrückt war auch der Vatertagsausflug zu einem Schloss in Frankreich. zwölf Herren wurden in zwei Learjets hintransportiert, und im dritten Learjet flogen zwölf Damen hinterher, alles Studentinnen. Jede hatte unterschreiben müssen, dass sie mit diesen Männern nichts anfängt. Das klappte auch. Die Damen servierten dann als Nonnen, ich war der Obermönch. Bei jedem Gang legten die Nonnen etwas ab und am Schluss hatten sie nur noch die Haube auf. Das war wie ein Theaterstück, elegant und ästhetisch, das waren keine billigen Mädchen. In der Zwischenzeit haben drei dieser Männer solche Studentinnen geheiratet.
In welche Richtung entwickelt sich das Catering?
Erfolgreiches Catering funktioniert bei hoher Qualität und einigermassen vernünftigen Preisen. Dabei ist nicht nur das Essen entscheidend, auch das Motto der Party muss stimmen, damit die Gäste passend angezogen sind. Gleichzeitig lege ich grossen Wert auf die Tischordnung und die Dekoration. Man sollte nicht zu viele Gänge servieren, diese sollten aber fein und elegant angerichtet sein. Zurzeit veranstalte ich kulinarische Vernissagen, bei denen mit dem Buffet Kunstwerke nachgebildet werden. Man isst dann aus einem Bild von Picasso, von Monet oder aus der Münchner Schule. Dies kommt wahnsinnig gut an.
Spüren Sie denn die Finanzkrise?
Bei den kleineren Veranstaltungen weniger, bei den grossen schon. Wir haben gerade in Wiesbaden und Frankfurt sehr viele Absagen, die fast ausschliesslich die Banken betreffen. So ist soeben der Börsenball mit 2000 Personen abgesagt worden. Die grossen Firmen veranstalten heute keine Partys mehr. Das ist typisch deutsch: Man macht die Lage noch schlechter, als sie sowieso schon ist. Dabei wäre es gescheiter, an die Zukunft zu denken.
Sind für das Cateringgeschäft die Banken entscheidend?
Die Banken und vor allem die Automobilbranche sind für unser Business sehr wichtig, da immer wieder neue Autos vorgeführt werden müssen. Deren Ausfall summiert sich zu einem gewaltigen Umsatzverlust. Für die nähere Zukunft sehe ich schwarz, obwohl das Geld eigentlich noch vorhanden wäre. Doch die Banken können nicht gleichzeitig vom Staat Geld nehmen und anschliessend Feste feiern.
Haben Sie innerhalb Ihrer Gruppe wegen der Krise Vorkehrungen getroffen?
Mein Sohn Michael beschäftigt in München etwa 1200 Mitarbeiter, wobei er sicher schon bald abbauen muss. Ich selber beschäftige in Wiesbaden und Frankfurt und in den Flughafenbetrieben etwa 450 Mitarbeiter. Momentan haben wir Personalstopp. Wir halten zwar die Leute, gleichzeitig müssen sie mehr Umsatz erzielen. Das haben wir ihnen auch so gesagt.
Sie gelten als Freund der Weltprominenz. Wen haben Sie alles bewirtet?
Alle amerikanischen Präsidenten mit Ausnahme von Obama. Doch ich bin mir sicher, dass ich ihn auch noch sehen werde. Ich habe im Kreml Breschnew bedient; das war in den Siebzigern, als Walter Scheel Bundespräsident war. Papst Benedikt hatten wir x-mal zu Gast. Eine meiner wichtigsten Veranstaltungen war die Beerdigung von Franz-Joseph Strauss. Strauss war ein alter Freund, der mir sehr viel bedeutet hat und den ich kurz vor seinem Tod nochmals bewirten durfte. In meinem Lokal hat er wichtige politische Entscheidungen, wie den Bau des neuen Münchner Flughafens, getroffen. Von ihm hatte ich den bayerischen Verdienstorden bekommen. Zu meinen Gästen gehörte auch die englische Königin, welche ich schon x-mal bedient habe, ebenso ihren Sohn Prinz Charles. Eigentlich alles, was auf der Welt an Prominenz kreucht und fleucht, war bei mir zu Gast. Heute ist das ganz anders, heute muss man die Promis kaufen, wobei sich diese auch hemmungslos bezahlen lassen.
Wie sieht dann Ihre Geschäftsstrategie für die Zukunft aus?
Weitermachen, weitermachen, weitermachen. Meine alten Kunden weiter bedienen, immer dranbleiben, damit das Gehirn wach bleibt. Gleichzeitig aber schauen, wie man mit andern Sachen auch noch Geld verdient. Ich denke dabei an die Produktion von Schokolade, Brot und Käse. Ich träume aber auch davon, einmal die Leute im Weltall bedienen zu können.
(Interview: Matthias Ackeret / Bild: Klaus Primke)
--> Das vollständige Interview ist in der aktuellen Ausgabe von "persönlich blau" zu finden.

