Herr Beckmann, IP Multimedia übernimmt die Vermarktung aller Sender von Sevenone Media. Warum kritisieren Sie diesen Entscheid?
Den Entscheid kritisiere ich nicht. Die SevenOne Media Deutschland kann frei entscheiden, von wem sie ihre Sender in der Schweiz vermarkten lässt. Die Dauer des Entscheidungsprozesses deutet ja auch darauf hin, das man sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht hat.
Was bedeutet die neue Situation für den Markt?
Man darf das durchaus einen schwarzen Tag für die Schweizer Kommunikationsbranche nennen. Gab es bisher ein Duopol bei der Vermarktung der Privaten TV-Sender, gibt es nun also nur noch das IP Monopol. Das ist schön für die IP und man kann ihr dazu gratulieren, für alle anderen Marktteilnehmer sieht das schon anders aus. Allen voran die Werbeauftraggeber können mit diesem Entscheid nicht glücklich sein. Umso mehr wundert mich, das von dieser Seite her nicht frühzeitig versucht wurde, diese Entwicklung zu verhindern. MediaCom hat diese Problematik bereits im September 2009 auf "persoenlich.com" thematisiert, aber niemand im Markt hat den Ball aufgegriffen. Besonders der Schweizer Werbe-Auftraggeberverband (SWA), der ja die Interessen seiner Mitglieder vertreten sollte, hat hier völlig versagt.
Problematisch ist nicht nur die Monopolstellung im Bereich Privatfernsehen. IP Multimedia vermarktet auch zwei Konkurrenten, RTL und Sevenone Media. Was bedeutet das für die Werbeauftraggeber? Sind Interessenkonflikte nicht vorprogrammiert?
Nicht unbedingt. Wenn man die Preisgestaltung mal aussen vor lässt, bringt die Vermarktung durch die IP keine Nachteile für die Werbeauftraggeber. Auch bisher wurden diejenigen Sender gebucht, die für den jeweiligen Auftraggeber und Aufgabenstellung am geeignesten sind. Von wem diese vermarktet werden, ist dabei eher nebensächlich. Sichergestellt werden muss natürlich, das Handling und Abwicklung professionell erfolgen, aber davon gehe ich mal aus.
Was passiert mit den TV-Preisen? Theoretisch müssten diese stabil bleiben.
Theoretisch, bezogen auf die Leistungsentwicklung der Sender, schon. Aber die IP hat ja bereits für den September die erste Preiserhöhung angekündigt. Mal sehen, wie das Pricing für 2011 aussehen wird. Wer könnte es verhindern, wenn die IP die Preise deutlich erhöht und sich knapp unterhalb der Publisuisse-Preise komfortabel einrichtet?
Wird die IP Multimedia einen Preiskampf mit der Publisuisse führen?
Warum sollte sie? Sie könnte sich im Gegenteil den Preisen der Publisuisse annähern, zum Nachteil der Auftraggeber.
In den letzten Monaten ist es in der TV-Werbung zu einem Margenzerfall gekommen. Kann IP Multimedia das Preisrad zurückdrehen?
Natürlich, als Monopolist kann man ziemlich viel tun. Allerdings wäre das riskant, da die Entscheidung für den Mediamix bei den Auftraggebern und den Mediaagenturen liegt.
Abschlussfrage: Cinecom hat ab 2011 nur noch 3+ im Portfolio. Was passiert mit dem Sender und was mit dem Vermarkter?
Mit 3+ wird gar nichts passieren. Der Sender ist sehr gut aufgestellt und wächst zur allgemeinen Zufriedenheit. Wer der Vermarkter ist oder ob sich 3+ evtl. sogar selbst vermarktet, ist eher unwichtig. Für Cinecom hingegen sieht es nicht gut aus. Ab 2011 gibt es im Grunde keine Daseinsberechtigung mehr.
Interview: Christian Lüscher

