25.05.2007

"Eine starke Marke wie Mövenpick verträgt nicht alles"

Mövenpick wurde seit Ende der Ära Prager immer wieder von Management- Problemen geschüttelt. Die Asien-Expansion mit Ice Cream war ein Reinfall, weil man Strukturen aufbaute, bevor man den Markt entwickelt hatte. Heute kämpft Mövenpick noch immer mit zu geringen Margen. Verwaltungsratspräsident und CEO Guido Egli will das nun ändern. Derzeit wird Mövenpick dekotiert. Soll die Braut für einen neuen Freier schön gemacht werden? Ein Auschnitt aus dem Interview in der aktuellen Ausgabe von "persönlich blau":
"Eine starke Marke wie Mövenpick verträgt nicht alles"

Guido Egli, warum hat man Mövenpick eigentlich dekotiert?

Die Eigentümer wollen die Struktur vereinfachen. Rund 90 Prozent der Aktien befinden sich schon seit vielen Jahren im Besitz des Hauptaktionärs, der Familie von Finck. Da machte es wenig Sinn, die 10 Prozent länger an der Börse zu halten. Nur schon wegen der hohen Kosten, die mit einer Kotierung verbunden sind. Deshalb hat man den Minderheitsaktionären ein Kaufangebot unterbreitet. Die Dekotierung sollte bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein.

Macht man Mövenpick jetzt zum Totalverkauf fit, zum Beispiel an einen arabischen Investor?

Hinter der Dekotierung stehen keine Verkaufsabsichten. Die Besitzer wollen an der heutigen Strategie festhalten. Das Unternehmen soll einfach privat geführt werden.

Der Hauptteil ist ja heute mit etwa 700 Millionen Umsatz der Hotelbereich. Der Gewinn ist mit acht Millionen relativ bescheiden. Macht man im Hotelbereich allgemein so wenig Gewinn?

Natürlich ist da noch Potenzial drin. Über 80 Prozent unserer Betriebe sind Marktführer an ihrem Standort. Die Prognosen für die nächs-ten Jahre sehen sehr gut aus.

Und warum sind die Prognosen besser?

Wir werden vermehrt Managementverträge für neue Hotels abschliessen. Im Moment haben wir 57 Hotels mit gut 14000 Zimmern und Projekte für weitere 30 Hotels, in erster Linie Managementverträge. Wir wollen die heutige Anzahl von Hotels bis 2010 verdoppeln.

Das bedeutet mehr Umsatz. Bringt es aber auch mehr Gewinn?

Managementverträge sind weniger kapitalintensiv. Dahinter stehen Investoren, die in Hotelkomplexe investieren, die aber auch froh sind, dass sie einen langjährigen Mieter haben, der Gewähr für eine hohe Qualität bietet.

Ein anderer Bereich ist Fine Foods, der heute nur noch ein kleiner Bereich ist. Dieser Teil macht aber anständige Gewinne. Ist er heute, nach dem Verkauf des Glace-Geschäfts, nicht zu klein, um wirklich aufrechterhalten zu werden?

Fine Foods ist zwar die kleinste Sparte in der Mövenpick-Gruppe, aber mit Abstand die lukrativste; wir hatten letztes Jahr eine Ebit-Marge von 42 Prozent. Wir stellten den Bereich nach dem Verkauf von Ice Cream auf eine völlig neue Basis. Davon abgesehen: So klein ist die Sparte nun auch wieder nicht. Fine Foods macht heute bereits wieder ähnliche Umsätze wie zuvor mit Ice Cream. Wir weisen nur die Lizenzeinnahmen aus. Die eigentlichen Umsätze mit Mövenpick-Markenprodukten belaufen sich auf rund 150 Millionen Franken (ohne Ice Cream).

Wie funktioniert das überhaupt? Baut man da eine Linie auf und gibt sie dann an andere Unternehmen weiter?

Wir überlegen uns, was ins Portfolio der Markenprodukte Mövenpick passen könnte. Dann entwickeln wir solche Produkte, allein oder gemeinsam mit unseren Partnern. Und dann bringen wir es mit einem Lizenzpartner auf den Markt. 2006 haben wir das mit Schokolade und mit Biskuits gemacht. Es gab auch neue Kaffee-Produkte (Caffè Freddo) und eine Erweiterung im Salat-Dressing-Bereich. Wir überlegen uns sehr genau, welche Produkte wir dazunehmen. Wir wollen kein Sammelsurium von Produkten, nur damit es heisst, Mövenpick habe viele Produkte. Wir sind sehr selektiv.

Im Grunde genommen ist Mövenpick ein Detaillist.

Nein, so kann man das nicht sagen. Wir sind der Spezialist für Marken und Marketing; wir haben eine starke Marke sowie die gastronomische Kompetenz; wir verstehen, was Genuss ist und was der Konsument wirklich will. Mit unseren Ideen gehen wir auf starke Hersteller zu. Denen bieten wir ein Top-Premium-Produkt an. Das ist für die Hersteller günstiger, als in jahrelanger Arbeit eine eigene Marke aufzubauen. Mit unserer Marke hat er die Garantie, dass das Produkt vom Verbraucher als Premium-Produkt akzeptiert wird. Er vermarktet es aber, er verhandelt mit den Detaillisten, den Supermarktketten.

Will das ein Hersteller wirklich? Da öffnet er für Mövenpick einen ganzen Markt, besitzt aber die Marke nicht.

Das ist natürlich immer wieder ein Diskussionspunkt. Sehr viele Hersteller haben aber auch erkannt, dass sie mit der Marke Mövenpick ein Premium-Produkt ins Sortiment bekommen, das Mehrumsatz und Mehrertrag verspricht. Mit dem Risiko allerdings, dass ein Vertrag mit Mövenpick auch einmal auslaufen kann. Das kommt aber nur sehr selten vor. Wir machen langfristige Lizenzverträge, und wir haben in den letzten Jahren kaum je einen Lizenzpartner ausgewechselt.

Das könnte man doch auch aggressiver betreiben. Mövenpick ist eine bekannte Marke. Da könnte man doch viele Produkte unterbringen. Warum ist man da so zaghaft?

Eine starke Marke wie Mövenpick verträgt nicht alles. Man muss sehr selektiv bleiben. In Deutschland rennen uns die Hersteller die Türen ein, denn sie haben den Mehrnutzen dieser Marke erkannt. Wir brauchen aber Premium-Produkte, die zu unserer Philosophie passen, wir müssen die Genuss- und Qualitätshoheit behalten. Sonst zerstören wir die Marke. Für uns gilt: Weniger ist mehr. Wir werden auch in diesem Jahr ein paar neue Artikel bringen, aber immer sehr selektiv.


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