Herr Béchir, Ihr Vertrag bei Good News läuft Mitte 2007 aus. Ziehen Sie nach rund 35 Jahren bei Good News einen Rücktritt in Betracht?
Ich bin ein Bauchmensch, und mein Bauch wird mir sagen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, mich zurückzuziehen. Bevor ich in der Öffentlichkeit dazu Stellung nehme, werde ich das Ganze jedoch mit meinem Verwaltungsrat diskutieren. Dazu muss ein Konzept vorliegen, wie es mit der Firma weitergehen soll. Es wird also auf keinen Fall so sein, dass ich ab Mitte 2007 einfach nicht mehr da bin.
Verfügen Sie über einen valablen Nachfolger, der in Ihre Fussstapfen treten könnte?
Es wäre noch verfrüht, Namen zu nennen. Es gibt aber innerhalb wie ausserhalb der Firma genügend Personen, die fähig sind, meine Nachfolge anzutreten. Vielleicht wird der Takt, der vorgegeben wird, nicht mehr der selbe sein wie unter mir. Und vielleicht wird mein Nachfolger nicht so patriarchalisch ans Werk gehen wie ich. Aber grundsätzlich ist es kaum möglich, eine Firma wie Good News anders zu führen, als ich es getan habe.
Weshalb?
Damit eine Veranstaltung erfolgreich über die Bühne geht, muss jeder Mitarbeiter als Zahnrädchen im Uhrwerk funktionieren und auf den Zeitpunkt Null hinarbeiten. Wenn es zu einer Massierung von Konzerten kommt, muss jeder bereit sein, sehr viel Einsatz zu leisten. Hinzu kommt, dass wir es in der Branche mit unberechenbaren Menschen zu tun haben. Menschen, die nicht immer freundlich sind und gerne ihre Launen an uns auslassen. Wir als Dienstleister müssen trotzdem rund um die Uhr lächelnd zur Verfügung stehen, was nicht immer einfach ist.
Bei Good News hat in den letzten Monaten eine ganze Reihe von Kadermitgliedern den Hut genommen -- so Produktionsleiter Marco Güntensperger und EM-Geschäftsführer Andreas Schwaller. Weshalb diese Fluktuationen?
Güntensperger hat, nach über zehn Jahren, eine eigene Firma gegründet, arbeitet aber weiterhin projektbezogen für uns. Für Andreas Schwaller wurde, nach gut zehn Jahren, ganz einfach der Druck zu gross. Auch er zieht deshalb den Weg in die Selbständigkeit vor.
Laut Informationen, die "persoenlichlich.com" vorliegen, hat in den vergangenen 14 Monaten rund die Hälfte der Good News-Mitarbeiter gekündigt oder ihnen wurde gekündigt.
Es gab vor ca. 2 Jahren eine grössere Restrukturierung, die zu einigen Abgängen geführt hat. Im übrigen bewegt sich unsere Fluktuation im Rahmen des Normalen, vor allem wenn man bedenkt, wie gross der Druck auch auf die einzelnen Mitarbeiter ist.
Ist das Business denn schwieriger geworden?
Generell muss man heute doppelt so viel Aufwand betreiben wie früher. Dann kommt dazu, dass wir uns heute in einem sehr harten Umfeld bewegen, in dem es immer öfters nur ums Geld geht. Den Rückgang der Tonträgerverkäufe versucht die Branche durch Einnahmen aus den Live-Konzerten zu kompensieren. Der Markt ist sodann international geworden, unsere Konkurrenz ist nicht Basel, Bern oder Genf, sondern Stuttgart, München, Milano und Lyon. Aufgrund der kleineren Hallenkapazitäten sind wir hierzulande jedoch gegenüber dem Ausland benachteiligt. Das Hallenstadion ist die einzige grosse Halle in der Schweiz. Und während in ausländischen Städten eine Arena nach der anderen aus dem Boden schiesst, sind bei uns die Fussballstadien zu klein. Bessere Konditionen erhalten wir deshalb jedoch nicht.
Wie bringt man heute die grossen Stars trotzdem in die Schweiz?
Wir müssen immer noch besser, noch attraktiver, noch schneller sein, ohne dass man dafür aber immer Anerkennung geniesst.
Das klingt ein wenig frustriert.
Nicht frustriert, realistisch. Man muss auch folgendes sehen: die Rock- und Popmusik schläft hierzulande einen Dornröschenschlaf. Wir haben auf politischer Ebene viel zu wenig getan. Hinter uns steht keine Lobby. Daran müssen wir in Zukunft hart arbeiten.
Ringier hat sich mit seinem Kapitalanteil bei Good News die Stimmenmehrheit gesichert. Ist es sinnvoll, dass ein Medienkonzern wie Ringier bei einem Konzertveranstalter einsteigt?
Ja, auf jeden Fall. People-Geschichten sind heute wichtiger Bestandteil der Tageszeitungen. Ein Engagement bei Good News, einer Firma, die täglich die Welt-Stars der Musikbranche in die Schweiz bringt, macht deshalb absolut Sinn.
Wie nimmt Ringier Einfluss auf Good News?
Man vertraut uns. Es gibt keinen Druck von Seiten von Ringier -- zumindest solange die Zahlen stimmen. Der Druck, dem wir ausgesetzt sind, kommt vom brutalen Tagesgeschäft.
Zum Schluss die Frage: Besitzen Sie nach 35 Jahren noch genügend Herzblut für das überaus harte Event-Geschäft?
Ich habe Menschen kommen und gehen sehen. Letztlich muss ich am Morgen in den Spiegel schauen können und mich fragen, was ich mit mir anfangen will. Herzblut ist das eine, das ist unabdingbar, aber man hat nur ein Leben und eine Gesundheit. Wer wie ich über lange Zeit hinweg sieben Tage die Woche arbeitete, muss auch einmal an sein Privatleben und seine Freunde denken. Mein Job ist ein Traumjob, aber auch ein Verbrauchsjob. Irgendwann muss ich mit mir selbst ehrlich sein und mir das eingestehen.

