15.07.2010

Michi Frank

"Es wird keinen Konflikt unter den vermarkteten TV-Sendern geben"

IP-Multimedia-Chef zum grossen 71-Media-Gewinn.

Herr Frank, IP Multimedia vermarktet nun alle Sender von SevenOne Media. Was bedeutet das für den TV-Markt Schweiz?

Das Privat-TV-Portfolio der IPM wird ideal ergänzt. So profitieren Agenturen und Kunden ab dem 1.1.2011 vom erweiterten Zielgruppen-Angebot, das ihnen aus einer Hand angeboten wird. Damit vereinfachen sich für Agenturen und Kunden Buchung und Abwicklung von TV-Kampagnen.

Die Situation ist weltweit wohl einzigartig. IP Multimedia vermarktet nun zwei Konkurrenten. Warum ist das in der Deutschschweiz kein Problem?

Die Situation in der Schweiz ist tatsächlich anders als in vielen Ländern, aber ganz und gar nicht neu. Bereits seit 1997 vermarktet die IP Multimedia gemeinsam ProSieben und RTL. Aber auch die konkurrenzierenden Kindersender Super RTL und Nickelodeon sowie in der Romandie RTL9 und M6 werden von IP Multimedia erfolgreich und neutral vermarktet. Dazu sorgt auch die Tatsache, dass die Vermarktungs- und Tarifhoheit ausschliesslich bei den Sendern liegt. In der Schweiz ist der alles dominierende Player die vom Staat geschützte SRG. Die privaten TV-Sender erzielen lediglich 40 Prozent am gesamten netto TV-Werbeumsatz. Im Wettbewerb stehen dann erst noch die einzelnen Sender mit der SRG. Die Stärkung der privaten TV-Sender ist aus unserer Sicht eine Chance für den Schweizer TV-Markt.

Kommt IPM künftig nicht in einen Interessenkonflikt bei der Vermarktung?

IPM hat 13 Jahre Erfahrung im Umgang mit verschiedenen Sendergruppen und deren unterschiedlichen Interessen. An dieser Konstellation ändert sich nichts. Daher dürfen wir davon ausgehen, dass es - so wie es auch bisher der Fall war - keinen Konflikt unter den vermarkteten TV-Sendern geben wird.

Gibt es eine Regelung?

Als Stellvertreter der Sender arbeiten wir im Namen und auf Rechnung der Sender. Das heisst, der Sender hat das letzte Wort in der Angebotsgestaltung. Die IP Multimedia wird sich um die Vermarktung von Werbung und Sonderwerbeformen kümmern. Seit mehr als 10 Jahren trägt die SevenOne Schweiz massgeblich zur Programmvielfalt der Schweizer Werbefenster bei. Sendekonzepte wie Joya rennt, "ran – das Sat.1 Fussballmagazin", Funky Kitchen Club, Faces TV, Super Single gab, gibt und wird es auch weiterhin nur dank der SevenOne Schweiz geben.

Im Schweizer Markt haben wir nun so etwas wie eine Monopolstellung bei den Werbefenstern. Was hat das für Auswirkungen auf die Preise?

Hier liegen eine Reihe von Missverständnissen und fehlerhaften Informationen vor. IP Multimedia vermarktet nicht selber, IP Multimedia ist wie erwähnt Stellvertreter – Vermarktungs- und Tarifhoheit liegen ausschliesslich und abschliessend bei den Sendern. Im Wettbewerb stehen somit die einzelnen Sender mit der SRG. Selbst wenn die Werbeerlöse aller privaten TV-Sender zusammengezählt werden, kommen diese nicht einmal in die Nähe der SRG. Schliesslich erzielen die privaten TV-Sender nur 40 Prozent am netto TV-Werbemarkt, während die SRG immer noch 60 Prozent aller TV-Werbeausgaben auf sich vereint. Im Übrigen beschränkt sich der Werbemarkt nicht auf TV. Ich möchte daran erinnern, dass Print nach wie vor mit Abstand das grösste Werbeträgermedium der Schweiz ist – also die stärkste Konkurrenz zur SRG wie auch den privaten TV-Sendern.

Wird man sich einen Preiskampf mit der Publisuisse leisten?

Sie haben sicher Verständnis, dass ich mich nicht zu unserer Vermarktungsstrategie äussern kann. Wir sind jedoch überzeugt, dass eine starke Konkurrenz zur bisher marktbeherrschenden Publisuisse im Sinne der Kunden und Agenturen ist.

Bis heute hält SevenOne Media 23 Prozent an IPM. Wurde das Aktienpaket aufgestockt? Hat SevenOne mehr Mitspracherecht?

An den Besitzverhältnissen verändert sich nichts. Wie bis anhin ist die SevenOne entsprechend im Verwaltungsrat der IP Multimedia vertreten.

Interview: Christian Lüscher


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