100 Millionen gefälschte Artikel haben die Zollbehörden der EU-Staaten 2003 beim Import oder Transit beschlagnahmt. Der zuständige EU-Kommissar hofft auf ein Stopp des Anstiegs im 2005, in der Schweiz ist man pessimistischer.
Der Schmuggel gefälschter Waren in die Europäische Union nahm in den vergangenen Jahren erneut zu. "Fälschungen bringen mehr Gewinne als Drogenschmuggel", sagte EU-Kommissar László Kovács am Dienstag in Brüssel.
Schaden eine Milliarde Euro
Nach Expertenschätzung dürften weltweit gefälschte Waren im Wert von bis zu 200 Mrd. Euro (rund 312 Mrd. Franken) gehandelt werden. Das entspricht in etwa 5 Prozent des Handelsvolumens.
Gefälscht wird alles: Nahrungsmittel, Kleider und Zigaretten, die bei Fälschern beliebten Kosmetika und immer mehr Spielsachen, Computerzubehör, CD und DVD. Die Fokussierung auf Alltagsartikel "bedeutet eine wirkliche Gefahr für die Konsumenten", sagte Kovács. Der Schaden für die Industrie habe 2003 mindestens eine Mrd. Euro betragen.
60 Prozent der Fälschungen stammten aus China. Das bedeute aber nicht, dass dies wirklich der Ursprungsort der Ware sei, betonte die EU-Kommission. Gemäss ersten Trends geht die Behörde für 2004 von einer 10-prozentigen Zunahme aus. Den Anstieg begründete Kovács primär mit der EU-Erweiterung auf 25 Mitglieder.
Zollkooperation mit China
Doch für die Zukunft sei er optimistisch, sagte der EU- Kommissar. Er verwies auf die rigorosen Kontrollen sowie hauptsächlich auf das kürzlich abgeschlossene Abkommen zur Zollkooperation mit China. Man wolle versuchen zu veranlassen, dass auch ausserhalb der EU gleiche Kontrollen durchgeführt würden, ergänzte er.
Ein Experte der EU-Kommission sprach von Versuchen der Schmuggler, die EU zu umgehen. Er nannte das Beispiel von Luftfracht aus afrikanischen Staaten, welche nun vermehrt via die Schweiz transportiert werde.
Trend ungebrochen
In der Schweiz jedoch "konnten wir kein solches Ausweichen beobachten", sagte Roland Hirt, Chef der Abteilung Zollveranlagung in der Eidg. Zollverwaltung, auf Anfrage. Die Schweiz sei bei den Interventionen sicher nicht schlechter als die EU, fügte er an.

