Wissenschaftler des Kompetenzzentrums "Frau und Auto" der Hochschule Niederrhein haben in einer Studie die Wachstumschancen der Autobranche untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Frauen im Alter zwischen 30 und 49 Jahren ein besonders grosses Käuferpotenzial darstellen. Derzeit besitzt etwa jede dritte Frau ein Auto. Schon in den nächsten Jahren soll dieser Anteil auf 50 Prozent anwachsen. Die steigende Nachfrage ist darauf zurückzuführen, dass immer mehr Frauen einen Beruf ausüben und einen eigenen Haushalt haben.
In ihrer Studie beschreiben die Marketing-Experten die geburtenstarken Jahrgänge der "Baby-Boomer", die heute zwischen 40 und 49 Jahren alt sind, als für die Autobranche besonders interessante Zielgruppe. In dieser Lebensphase würden sich Frauen gerne ein Cabrio oder einen Geländewagen zulegen, so die Studie. Die Kinder seien weitgehend aus dem Haus und lang gehegt Wünsche nach einem schickeren Auto könnten realisiert werden. "Das Mama-Mobil wird getauscht in ein Me-Mobil", fasst Projektleiterin Doris Kortus-Schultes zusammen.
Frauen legen Wert auf Sicherheit
Auch die Frauen der Altersgruppe 30 bis 39 sieht die Studie als potenzielle Autokäufer. Die "Generation Golf" sei mit dem Auto aufgewachsen und verfüge nun über ein überdurchschnittliches Einkommen. Bei den 17- bis 29-Jährigen müsse sich die Branche dagegen besonders bemühen, da der erste eigene Wagen das ganze weitere Autofahrerleben präge, erklärt Kortus-Schultes. Besonders beliebt bei den jungen Frauen seien französische Autos, da sie über ein gutes Image verfügen und serienmässige Extras wie elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung haben, so die Studie.
Bei VW sei man sich der Zielgruppe der Frauen schon länger bewusst. Besonders beliebt bei den weiblichen Kunden seien Lifestyle-Autos wie der VW Beetle, aber auch Kleinwagen wie der Polo, so VW-Sprecher Harthmuth Hoffmann. "Frauen legen mehr Wert auf Sicherheit als auf PS", berichtet Hoffmann. Dass Frauen in Zukunft die Autobranche ankurbeln werden, glaubt Citroen-Sprecher Thomas Albrecht jedoch nicht. "Die Märkte in Westeuropa sind nah an der Sättigung und die Neuzulassungen sind schon seit einiger Zeit rückläufig", gibt Albrecht zu bedenken. "Ich würde die Bewegungen auf dem Markt eher als Verschiebung statt als Wachstum bezeichnen."

