04.05.2007

Frühjahrsforum Stadtmarketing. Städte im Event-Fieber

Lohnen sich Grossevents?

Ob Euro’08, Tour de Suisse oder Eidgenössisches Schwingfest: Grossevents lohnen sich für den Austragungsort nicht immer finanziell, können aber einen langfristigen Nutzen für das Standortmarketing generieren, sofern die Gemeindebehörden früh genug Einfluss nehmen. Dies das Fazit des Frühjahrsforum von Stadtmarketing Schweiz in Zug.

Thomas Heimann, Präsidenten des Vereins Region Olten Tourismus erläuterte, dass das Gewerbe äusserst sensibel reagiert, wenn Grossereignisse den Kunden der Zugang zu den Geschäften erschwert, und die Anwohnerschaft klage über den Lärm. Und ob die Stadt einen finanziellen Gewinn aus der Veranstaltung zieht, sei auch nicht von vornherein gesagt -- je nach Organisator muss sie sogar zahlen, dass sie Gastgeberin sein darf, man denke an die Euro’08 oder an die Tour de Suisse.

Ob ein Event erfolgreich gewesen sei, zeige sich erst in der Nachhaltigkeit, stellte Thomas Heimann klar. Und zwar dann, wenn der Anlass -- in Verbindung mit der Stadt -- positiv in Erinnerung bleibe. Die Wahrnehmung der Bevölkerung zähle zusammen mit der Berichterstattung der lokalen Medien zu den wahren Gradmessern.

Auf den Swissness-Trend aufgesprungen

Während der Sportmanager Thomas Heimann für einen vielfältigen Mix von Veranstaltungen plädierte, zeigte Marcel Suter von der Marketingagentur second opinion in Aarau, dass sich eine Stadt auch erfolgreich auf einen Schwerpunkt konzentrieren kann. 2005 kamen 120'000 Besuchende und 12'000 Aktive an das Eidgenössische Jodlerfest nach Aarau, die 45'000 Plätze für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2007 sind bereits ausverkauft, und 2010 steht das Eidgenössische Schützenfest an.

Die folkloristischen Grossevents stossen nicht nur auf eine unglaubliche Medienpräsenz, sondern zahlen sich mitunter auch finanziell aus: Beim Jodlerfest wird die Wertschöpfung aufgrund der durchschnittlichen Ausgaben der Teilnehmenden und Besuchenden auf 6,5 Millionen Franken geschätzt. Gekostet hatte der Anlass lediglich 5,6 Millionen Franken. "Aarau hat den Trend ‚Swissness’ zur rechten Zeit benutzt", folgerte Marcel Suter.

Die Schweiz an der Euro’08 vermarkten

Rainer Gilg, Teilprojektleiter der Organisation "Öffentliche Hand UEFA EURO 2008", beleuchtete das Standortmarketing an der Fussball-Europameisterschaft. Neben der Tourismus-Website www.switzerland.com, einem Schweizerkreuz aus Überseecontainern als Werbeträger und dem Slogan "Schweiz. Entdecke das Plus" seien eine "Qualitäts-Offensive" seitens der Gastgeber und eine PR-Kampagne zur Steigerung der Vorfreude geplant. Das Ziel sei, die Schweiz in den europäischen Kernländern von Frankreich bis Russland als Wirtschafts-, Forschungs- und Lebensstandort zu vermarkten.

Rainer Gilg sparte nicht mit Tipps für lokale Veranstalter, die sich ein Stück vom Euro-Kuchen abschneiden wollen. Bei Public Viewings -- Gilg versteht darunter Veranstaltungen mit 1000 bis 10'000 Zuschauenden -- sei wichtig, dass ein Alternativprogramm geboten werde, für den Fall, dass es regne oder uninteressante Spiele angesagt seien.


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