23.07.2014

Wirz Wietlisbach Dialog

"Ganze Kampagnen ohne Dialogmarketing sind für mich zukünftig nicht mehr denkbar"

Wirz Wietlisbach Dialog ist Bestandteil der Wirz-Gruppe und durfte sich im Frühjahr 2014 über zahlreiche Preise im In- und Ausland freuen. Unter anderem gewann die Agentur Gold und Silber beim Deutschen Dialogmarketingpreis. Seit kurzem tritt sie mit neuer Führung auf, da sich Guido Wietlisbach als CEO zurückgezogen hat. Zusammen mit Stefan Dätwyler und Nadine Vasella hat Jörg Bewersdorff die operative Verantwortung übernommen und verrät im Gespräch mit persoenlich.com das Geheimnis des erfolgreichen Dialogmarketings.
Wirz Wietlisbach Dialog: "Ganze Kampagnen ohne Dialogmarketing sind für mich zukünftig nicht mehr denkbar"

Herr Bewersdorff, Guido Wietlisbach hat sich bei Wirz Wietlisbach Dialog aus seiner operativen Funktion als CEO zurückgezogen und wirkt nun im Verwaltungsrat. Sie haben zusammen mit Stefan Dätwyler und Nadine Vasella die operative Verantwortung übernommen. Was wird sich nun ändern und was bleibt gleich? 
Alles bleibt anders. Grundsätzlich werden wir nicht so viel verändern müssen, weil wir einen Grossteil der relevanten Entscheidungen des letzten Jahres schon gemeinschaftlich getroffen haben. So wie beispielsweise die Entscheidung, mit IKAO einen internationalen Partner für die Kommunikationsanalyse und -optimierung ins Boot zu holen. Was für uns allerdings wirklich anders ist: Durch Guido Wietlisbachs Rückzug aus dem operativen Geschäft hat er mehr Zeit, sich um die Entwicklung von strategischen Mehrwerten für unsere Kunden zu kümmern. Was uns extrem zugute kommt, weil wir ihn hierfür jetzt gezielt einsetzen können und werden.

Sie haben im In- und Ausland zahlreiche Preise gewonnen in letzter Zeit. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
"Echte Arbeiten auf echten Kunden mit echten Ergebnissen." Wir machen keine reine Award-Kreation, sondern halten unser Team dazu an, in praktisch jedem neuen Job den nächsten potenziellen Winner zu sehen. Das ist zwar für meinen Partner Stefan Dätwyler und mich anstrengender, weil wir die Effizienz der Mannschaft im Auge behalten müssen, die Auswahl an einreichbaren Arbeiten wird so aber deutlich grösser. Wobei wir bei dieser Taktik definitiv akzeptieren müssen, beim einen oder anderen reinen Ideen-Award nicht punkten zu können.

(Vielfach ausgezeichnet: Die Multichannel-Dialog-Kampagne "Advertiser Anonymous" für die Schweizerische Post persifliert die Werbe-Ikonen des Landes.)

 
 
(Ebenfalls ein internationaler Award-Winner: Die stilvolle Einladung zum letztjährigen Wirz Cocktail.)
 

Was sind die nächsten grossen Projekte?
Wir arbeiten gerade an einer entscheidenden Erweiterung unseres Agentur-Produkts. Gemeinsam mit einem neuen strategischen Partner werden wir künftig auch intelligentes Kundenwertmanagement anbieten. Wir sind der Meinung: Kunden zu finden, zu binden, auszubauen oder zurückzugewinnen ist vor allem auch eine Frage der richtigen Prozesse und Analysetools. Wenn die stimmen, wird unsere gute Kreation noch erfolgreicher. Gleichzeitig versprechen wir uns durch die Kooperation, bestehende und potenzielle neue Mandanten ganzheitlicher betreuen zu können.

Was zeichnet gutes Dialogmarketing aus?
Was gute Kommunikation ganz allgemein auszeichnet: Das richtige Angebot muss zum richtigen Zeitpunkt über den richtigen Kanal bei den richtigen Menschen ankommen. Hinzu kommt allerdings noch, dass gutes Dialogmarketing stärkere Lernkurven als andere Werbeformen verzeichnet. Strategische Fehler werden seltener ein zweites Mal gemacht, weil Ergebnisse meist eindeutig messbar sind.

Wie wird gutes Dialogmarketing in Zukunft aussehen?
So ähnlich wie gutes Dialogmarketing heute. Nur dass die Empathie der Marken noch wichtiger wird, weil die umworbenen Menschen mit jedem Tag geübter in der Bewertung von Kommunikation werden. Zudem werden immer mehr Werbeformen Elemente des Dialogmarketings beinhalten. Ganze Kampagnen ohne Dialogmarketing sind für mich zukünftig ohnehin nicht mehr denkbar.

(Spass am Ungewöhnlichen: Für Betty Bossi wird schon mal das beworbene Produkt selbst zum Couvert.)
 
 
(Auch bei grossen Auflagen kreativ: Wie bei diesem TCS Mailing, bei dem die Zielgruppe für das Thema Wintervorbereitung durch Freikratzen der Headline sensibilisiert wird.)

 

Wie wird Dialogmarketing durch neue Formen der Kommunikation wie Social Media verändert?
Ich bin ein grosser Freund von Social Media. Vor allem zur Insight-Generierung. Niemals zuvor war es für uns so einfach möglich festzustellen, wie Menschen auf bestimmte Angebote, Serviceleistungen oder auf was auch immer reagieren. Nach meinen Erfahrungen ist in vielen Unternehmen gerade durch Social Media das Bewusstsein für die Wichtigkeit von rückkanalfähigen Medien gestiegen. So habe ich den Eindruck, dass es wirklich viele Unternehmen gibt, in denen das Social-Media-Team deutlich näher bei den Marketing-Entscheidern sitzt als die bisherige Dialogmarketing-Crew, die ich gefühlt häufig eher dem Vertrieb zugeordnet sehe.

Was halten Sie von der Dialog-Marketing-Branche in der Schweiz?
Mir ist aufgefallen, dass auf Kundenseite wahnsinnig viele Entscheidungen im Konsens getroffen werden. Die Abstimmungsgremien sind überraschend gross, und so mancher Prozess dauert deutlich länger, als ich das aus anderen Ländern gewohnt bin. Die Branche selbst mag ich nicht beurteilen, aber zum Output kann ich sagen: Der ist nicht schlechter als anderswo. Ganz sicher aber auch nicht besser.

Wie ist Wirz Wietlisbach Dialog in der Wirz-Gruppe verankert? Wie ist das Verhältnis zu den anderen Einheiten?
Wir fühlen uns als vitaler Bestandteil der Gruppe. Der Austausch mit den Kollegen von Wirz Werbung und Wirz Corporate findet auf allen Ebenen regelmässig statt und ist zu einem guten Teil institutionalisiert. Und das nicht nur bei Pitches oder bei etwaigen Kapazitätsengpässen. Denn dann arbeiten ja bekanntlich alle Agenturen gut zusammen. 

Interview: Lukas Meyer, Bilder: zVg. 


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