Die Sika AG erhielt die an Firmen, Wissenschaftler oder Wirtschaftsjournalisten gehende Auszeichnung in besonderer Würdigung ihrer erfolgreichen, durch eine aussergewöhnliche Innovationskadenz gekennzeichneten, global angelegten Unternehmensstrategie. Hervorgehoben durch die Jury werden das Zusammenspiel beeindruckender technologischer Innovationskraft und gelebter Kundennähe sowie die Kombination bewusst dezentralisierter Marketingkompetenz und weltweit konsequent umgesetzter Markenidentität.
Der GfM-Marketingpreis hat Tradition. Der Stiftungsrat der GfM vergab ihn am Mittwoch Abend anlässlich der Generalversammlung der GfM swissmarketing schon zum 21. Mal. Der Preis soll in erster Linie Unternehmen auszeichnen, die "erfolgreiche unternehmerische Resultate erzielen, die in hohem Masse innovativen Marketingstrategien und effektiven Marketingmassnahmen zuzuschreiben sind." Bisher wurde die exklusive Auszeichnung an 16 Unternehmen, zwei Medienvertreter und zwei Wissenschaftler verliehen.
Herr Grüebler, die Sika produziert keine Konsumprodukte. Inwiefern brauchen Sie da überhaupt Marketing?
Markenname und Logo haben wir immer gepflegt. Es sind unsere Erkennungszeichen. Das Logo und dessen Farben sehen Sie in jeder Sika-Fabrik. Bei der Novartis mussten sie eine Broschüre für die Mitarbeiter machen, nur um denen zu sagen, welchen Wert die Marke hat. Wir haben da schon eine alte Kultur. Und dann hatten wir noch Glück. In China kannte vor zehn Jahren kein Mensch die Sika; und jetzt kennt man sie überall. Vor allem wegen dieses Logos. Rotgelb sind die chinesischen Nationalfarben, und das Dreieck hat im Taoismus einen grossen positiven Symbolgehalt. Das Logo wurde vor 90 Jahren gemacht; aber in China ist es heute ein richtiger Glückstreffer.
Was bedeutet für Sika der Marketingpreis?
Zuerst waren wir überrascht, wir haben es nicht erwartet. Aber Sika hat immer, wie bereits erwähnt, von Innovationen gelebt, die ein ungelöstes Kundenbedürfnis befriedigen konnten. Da Zement und Mörtel aus natürlichen Rohstoffen hergestellt werden, sind sie je nach Region und Land chemisch oft sehr unterschiedlich, und die Chemie unserer Prozessmaterialien muss immer lokal auf diese Unterschiede abgestimmt werden. Das geht nur in enger Zusammenarbeit mit den Kunden, wir müssen ihnen bei der Produktion über die Schulter schauen. Sika ist daher von der Natur ihres Geschäftes her sehr kunden-, marktgetrieben. Die Bedeutung der Sika-Marke und des Logos habe ich bereits erwähnt.
Hat China denn wirklich das grösste Potenzial?
Natürlich, und wir wollen da stärker wachsen. Wir haben nun einen Beirat geschaffen, in dem lauter Chinakenner sitzen. Und wir sind mit dem Mori-Tower so richtig in den Markt gekommen. Es ist zwar ein japanisches Projekt; japanische Spitzentechnologie. Die Japaner sind weltweit bautechnologisch führend und haben vor allem die Amerikaner technologisch längst weit abgehängt.
Und warum ist das so?
Die Amerikaner haben industriell weniger langfristige Perspektiven, sie sind vielmehr kurzfristige Dealmaker. Wer Innovation haben will, muss Mut zum Investieren haben. Weiss man nicht, ob und wann das Geld zurückkommt, geht man ein hohes Risiko ein und muss längerfristig denken.
Wie hat sich Ihr Unternehmen entwickelt? Geschah das jeweils in grossen Sprüngen, oder war es ein kontinuierliches Wachstum über die Jahre hinweg?
Es gab Kontinuität, aber immer vorangetrieben durch Innovationen. Eine grosse Erfindung war sicher der elastische Polyurethan-Klebstoff Sikaflex, mit dem man vieles sicherer befestigen kann. Das versteht man im ersten Moment nicht. Das hat Sika eine Riesenreputation gegeben. Damit stehen wir technologisch weltweit an der Spitze. Und anfangs 2000 brachten wir unseren Betonzusatzstoff Sika ViscoCrete auf den Markt. Damit kann man Beton unter hohem Druck wie Wasser pumpen. Früher hat es bei hohem Druck eine Separation gegeben, der Beton wurde unbrauchbar. Mit dieser Produktgruppe sind wir bereits in der Nanotechnologie.
Wie kam die Sika so früh auf die Idee, sofort global zu werden?
Unser Gründer Kaspar Winkler hat eigentlich zwei Sachen erfunden: 1910 den ersten wasserdichten Mörtel und das Logo, das uns bis heute begleitet. Der Mörtel wurde in den Zwanzigerjahren wichtig, als die Eisenbahn elektrifiziert wurde. Da musste man den Gotthard wasserdicht machen, sonst hätte es Kurzschlüsse gegeben. Die Sika hatte ein wichtiges Patent in einer Nische, mit dem sie sofort weltweit aufgestellt war. Bereits in den Dreissigerjahren hatten wir 15 Tochtergesellschaften in Europa und je eine in Amerika, Brasilien, Argentinien und Japan. Es gibt keine sechs Schweizer Firmen, die damals schon bezüglich globaler Aufstellung so weit waren. Ausserdem hat Kaspar Winkler den Namen Sika eingeführt und das Logo mit dem Dreieck. Das wurde in der Bauwelt sehr schnell ein Begriff.
(Interview: Oliver Prange)

