Die Unterhaltungselektronik-Branche atmet auf. Das Gröbste der Krise scheint überstanden. Schon das Weihnachtsgeschäft verlief für viele Hersteller besser als erwartet. Und die Konsumenten sind dank neuer Entwicklungen auch nach dem Weihnachtsgeschäft in Kauflaune. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ist von Krise nicht mehr viel zu spüren. Sowohl Besucher als auch Aussteller der grössten US-Messe für Unterhaltungselektronik schwelgen nach einem schwarzen Jahr in Optimismus.
Neue Entwicklungen wie Internet-fähige TV-Geräte, neue Funktionen für Unterhaltung und Kommunikation und vor allem das 3D-Fernsehen machen es möglich. "Es ist Licht am Ende des Tunnels, und es ist das strahlende Licht der Innovationen", sagt Gary Shapiro, Chef des US-Branchenverbands CEA. Nach Angaben des Verbands hat die Messe über 20'000 neue Entwicklungen präsentiert - so viele wie noch nie zuvor. Der Schrecken der Krisenjahre 2008 und 2009 steckt der Branche noch tief in den Knochen. Auch die erfolgsverwöhnten Hersteller von TV-Geräten waren von der Rezession erfasst worden. "Niemand wünscht sich das Jahr 2009 zurück", sagt Shapiro.
Angebote fehlen
Im laufenden Jahr soll das Umsatzwachstum nun wieder anziehen. Der grösste Hoffnungsträger ist dabei mit Abstand das neue dreidimensionale Fernsehen. Der Fernsehmarkt ist für 60 Prozent der Umsätze in der Consumer-Electronic-Branche verantwortlich. Während in den USA die Fernsehsender bereits in den Startlöchern für die Produktion von 3D-Inhalten stehen, könnte es hierzulande allerdings noch etwas dauern bis ein breites Angebot vorhanden ist. Für die räumliche Aufnahme müssen die Fernsehanstalten in das nötige Equipment investieren. Es sollen jedoch bereits in diesem Jahr etliche Filmtitel auf Blu-ray Discs in 3D auf den Markt kommen.
Zweifler verstummt
Die Zweifel, ob sich die Menschen tatsächlich zu Hause mit einer speziellen Brille aufs Sofa setzen, die für Fernsehen in 3D nötig ist, sind inzwischen weitgehend verstummt. Die 3D-Blockbuster in den Kinos haben die Kassen klingeln lassen und machen der Branche Hoffnung auf eine gutes Geschäft auch mit Heimelektronik. So verweist der koreanische Hersteller Samsung auf Studien, wonach 80 Prozent der Kinobesucher, die einmal 3D-Filme gesehen haben, dies auch zu Hause tun wollen.
Fussball-WM in 3D
Neben den Hollywood-Produktionen werden grosse Sport-Ereignisse oder auch Übertragungen von Festivals und Konzerten 3D-Fernsehen zum Erfolg bringen, sagt Sony-Chef Howard Stringer voraus. So will Sony in den USA in Kooperation mit dem Sportkanal ESPN für die Ausstrahlung der Fussball-WM in Südafrika in 3D sorgen. Zahlreiche neue TV-Geräte werden ausserdem auch in Echtzeit zweidimensionale Filme in 3D umrechnen können. Für die nötige Rechenleistung stattet Toshiba seine Spitzenmodelle zum Beispiel mit einem Hochleistungs-Prozessor aus.
Damit sollen die Umrechnung auf 3D wie auch andere Multimedia-Anwendungen wie Internet-Telefonie und Video-Konferenzen vor der Mattscheibe ohne Probleme möglich sein. Der speziell für diese Aufgaben ausgelegte Prozessor "Cell ZX900", den Toshiba gemeinsam mit Sony und IBM entwickelt hat, soll den Fernseher zu einer Kraftmaschine machen, deren Leistung die eines Personal Computers um das zehnfache übertrifft.
Zentrale für Kommunikation
"Der Fernseher ist heute nicht nur das Zentrum der Unterhaltung, sondern auch die Zentrale für Kommunikation", sagt Panasonic-Manager Josh Silverman. Mit der Verwandlung des Fernsehers in einen Hochleistungsrechner behaupten sich die Unterhaltungselektronik-Hersteller im Wohnzimmer. Die jahrelangen Versuche der IT-Industrie, stattdessen den PC ins Zentrum der Unterhaltung zu setzen, bleiben weitgehend erfolglos. (sda/dpa)

