Das IAA-Swiss-Chapter wird 50 Jahre alt. Zur Geburtstagsfeier vom Mittwochabend wurde der bekannte Futurist Gerd Leonhard eingeladen, auf Mitglieder und Gäste wartet ein unterhaltsamer Abend. persoenlich.com hat sich im Vorfeld mit Vorstandspräsident Andreas Widmer über das Verbandsjubiläum, gute Werbung und "Mad Men" unterhalten.
Was macht die International Advertising Association (IAA) genau?
Die IAA ist der Verband für Werbe- und Mediaagenturen, Medien und Werbeauftraggeber. Momentan sind es etwa 180 Mitglieder und etwa 60 Young-Chapter-Members. Wir sind kein reiner Werbeverband, sondern vereinen auch Medienschaffende unter einem Dach. Von daher sind wir kein Branchenverband, sondern ein internationaler Verband von Führungspersonen aus der Marketing- und Kommunikationsbranche.
Wo sehen Sie genau den Unterschied zwischen dem Art Directors Club (ADC) und IAA?
Der ADC vereint eher die erfolgreichen kreativ tätigen Menschen, wir Führungspersonen aus Marketing- und Kommunikation. Worunter es natürlich ebenfalls Kreative hat. Unsere Mitglieder vertreten also eher die kommerzielle Seite.
Die IAA erfreut sich keiner so hohen Bekanntheit wie beispielsweise der ADC. Müssten Sie nicht mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben?
Wir betreiben keine politische Arbeit, machen keine direkte Interessensvertretung nach aussen – das ist Verbänden wie dem SWA, dem BSW und anderen vorbehalten. Wir fördern eher den Gedankenaustausch und die Weiterbildung unter unseren Mitgliedern. Die IAA erfreut sich national wie auch international über einen sehr hohen Bekanntheitsgrad in der uns wichtigen Zielgruppe.
Wie feiern Sie das 50-jährige Jubiläum?
Wir haben einen fantastischen Referenten eingeladen: Gerd Leonhard. Ausserdem wird der neugewählte IAA-World-Präsident anreisen, welcher ein Grusswort an unsere Mitglieder entrichten wird.
Wie sind Sie auf Gerd Leonhard gekommen?
Durch mehrere Vorstandsmitglieder, welche bereits spannende Vorträge von Herrn Leonhard gehört hatten. Wir wollen einerseits die vergangenen 50 Jahre feiern, andererseits natürlich vorausschauen und da passt Gert Leonhard als Futurist natürlich bestens.
Das IAA-Swiss-Chapter wurde 1962 gegründet, zur Zeit von "Mad Men" also. Kennen Sie diese US-TV-Serie?
(lacht) Ich habe die erste Staffel ein wenig mitverfolgt. Da aber zu wenig über Werbung und mehr über persönliche Probleme und Beziehungen gezeigt wurde, habe ich mir die Sendung später nicht mehr angeschaut. Was die Serie über die Werbung der 50er und 60er vermittelt, ist faszinierend. Das waren sicher die goldenen Jahre der Werbung. Mit dem Leben und der Werbung von heute hat dies jedoch nicht mehr viel gemeinsam.
Die Werbebranche hat an Glamour eingebüsst.
Ja, heute steht das Geschäft im Vordergrund und die Branche ist seriöser geworden. Die Leichtigkeit, die das Geschäft wohl zu dieser Zeit hatte, hat es heute sicher nicht mehr – und wahrscheinlich auch nicht mehr denselben Glamour.
Wann ist aus Ihrer Sicht bessere Werbung betrieben worden? Vor 50 Jahren oder eher heute?
Ich denke, dass es zu jeder Zeit gute und schlechte Werbung gegeben hat. Gute Werbung ist eher eine Frage des Mutes, als eine Frage des Zeitalters der Entstehung.
Was ist für Sie schlechte Werbung?
Einerseits ist dies Werbung, die nicht wirkt. Andererseits ist schlechte Werbung, Werbung, die nicht unterhält und ohne relevante Botschaft ist. Wenn Kommunikationskanäle benutzt werden, die die eigentliche Zielgruppe nicht erreichen, dann ist das auch unpassende Werbung.
Welche Frage beschäftigt das IAA-Swiss-Chapter derzeit insbesondere?
Wir versuchen natürlich die aktuellen Trends aufzugreifen. So haben wir im Frühling mit einem Teil der Mitglieder eine Exkursion ins Silicon Valley unternommen, um dort einen Blick auf die Internet-Start-Up-Szene zu werfen. Die Digitalisierung und die damit verbundene Mobile Revolution sind sicherlich grosse Themen in der gesamten Kommunikationsbranche, welche alle unsere Mitglieder betreffen.
Welche Zukunftspläne hat das IAA-Swiss-Chapter?
Wir machen sechs bis sieben Events pro Jahr. Der IAA-Vorstand probiert dafür möglichst spannende Themen aufzugreifen. Derzeit sind beispielsweise Big Data und Branded Content grosse Themen. Im Herbst werden wir über die steigende Relevanz von PR in Werbeagenturen diskutieren.
Interview: Lea Friberg
Die International Advertising Association (IAA) ist der Verband für kreative Mediaagenturen, Medien und Werbeauftraggeber. In der Schweiz sind diese seit 50 Jahren, international seit 75 Jahren zusammengefasst. Das Ziel ist der Austausch zwischen diesen individuellen Members, die eine Kader- beziehungsweise eine Führungsrolle innehaben. Das gemeinsame Ziel der Mitglieder besteht in der Wahrung des "Freedom of Commercial Speech", im Austausch ihres gemeinsamen Know-hows und in der Aus- und Weiterbildung von Führungskräften in Marketing und Kommunikation.
Andreas Widmer, CEO Y&R Group Switzerland, ist seit einem Jahr Vorstandspräsident des IAA-Swiss-Chapter. Davor war er zwei Jahre im Vorstand und ist seit rund zehn Jahren selber Mitglied des Chapters.

