Pro Jahr kaufen Patienten in den Schweizer Apotheken und Drogerien rezeptfreie Medikamente im Wert von 1,2 Milliarden Franken. Von diesem Kuchen will sich künftig auch die Migros ein Stück abschneiden. "Wir fordern, dass man rezeptfreie Medikamente, die heute noch für Drogerien reserviert sind, auch im Detailhandel verkaufen kann", sagt Migros-Chef Herbert Bolliger gegenüber der Zeitung "Sonntag". Die Migros rechnet mit einem Potenzial "im zweistelligen Millionenbereich". Zum Sortiment sollen die Kopfwehtabletten Aspirin, das Muskelschmerzmittel Perskindol oder das Multivitaminpräparat Supradyn gehören. Das sind laut Bolliger eindeutig Produkte, die man im Detailhandel ins Gestell legen kann. Dafür brauche es keine Beratung, sagt der neue Präsident der Interessengemeinschaft Detailhandel weiter.
Bolliger will sich nun für eine entsprechende Änderung des Heilmittelgesetzes stark machen. Die Kunden sollen von deutlich tieferen Preisen profitieren: "In der Schweiz gibt es bei rezeptfreien Medikamenten im Vergleich zum Ausland riesige Preisdifferenzen", sagt Bolliger. "In Deutschland sind solche Arzneimittel bis zu 50 Prozent günstiger. Wenn man die auch in der Schweiz in der Selbstbedienung verkaufen kann, liegt da preislich einiges drin." Unterstützung erhält der Migros-Chef von Preisüberwacher Stefan Meierhans. "Grundsätzlich stehe ich dem Anliegen positiv prüfend gegenüber." Widerstand kündigt hingegen der Schweizerische Drogistenverband an. "Die Erfahrungen aus den USA, wo viele Medikamente frei erhältlich sind, zeigen, dass die Leute die Arzneimittel zum Teil im falschen Moment oder in der falschen Dosierung anwenden", gibt Präsident Martin Bangerter zu bedenken.

