24.06.2020

Serie zum Coronavirus

«Ich kandidiere, um Bern visibler zu machen»

Folge 71: Marketingfachmann Claudio Righetti kandidiert als Stadtpräsident von Bern. Eine Coronaidee?
Serie zum Coronavirus: «Ich kandidiere, um Bern visibler zu machen»
«Ich freue mich auf den Wahlkampf und darauf, meine Ideen mit anderen Leuten zu konfrontieren», sagt Righetti im Gespräch. (Bild: Remo Neuhaus)
von Matthias Ackeret

Herr Righetti, Sie kandidieren völlig überraschend als Berner Stadtpräsident. Ist Ihre Kandidatur ein Produkt der Corona-Zeit?
(Lacht) Nein. Ich trage diesen Gedanken schon länger in mir. Weil ich sehe, dass sich in Bern das wichtigste nie verändert: Nämlich das Bewusstsein, eine Hauptstadt zu sein.

Was gab genau den Ausschlag für die Kandidatur?
Begegnungen.

Was heisst das konkret? Warum sind Sie nicht als Parteiloser wie Christian Jott Jenny angetreten?
Ich bin bei der BDP Stadt Bern auf junge Menschen gestossen, die mit Begeisterung etwas verändern wollen in und für Bern. Unsere Ideen, auch über das «wie», waren deckungsgleich. Und ich identifiziere mich ebenfalls mit der Idee einer neuen Mitte, die die Grundwerte unserer Demokratie mit modernem Geist wieder aufleben lassen soll. Darin liegt wahre Stärke und Weitsicht wie ich finde. Hier mitwirken zu können, begeistert mich.

Sie sind schweizweit bekannt als Marketingspezialist und Gastgeber im Chalet Muri. Reicht das für das höchste Amt der Bundeshauptstadt?
Das Amt des Stadtpräsidenten ist vor allem ein Repräsentationsamt. Und Bern ist als Hauptstadt der Schweiz eine starke Marke. Die aber leider noch immer völlig unter Wert verkauft wird. Ich denke, ich bringe für beides Talent und das notwendige Rüstzeug mit.

Wie waren die Reaktionen aus der Classe politique?
Bis jetzt gut. Ich freue mich auf den Wahlkampf und darauf, meine Ideen mit anderen Leuten zu konfrontieren. Damit beginnt ja schliesslich jede Veränderung. Ich will mit meinem Wahlkampf erreichen, dass jede Bernerin und jeder Berner dafür ein Gespür entwickelt, was wir in Bern gewinnen werden, wenn wir von der «leidigen Beamtenstadt» umdenken zu «Bern die Hauptstadt».

Hat sich der amtierende Stadtpräsident, Alec von Graffenried, bereits gemeldet?
Noch nicht. Ich greife mit meiner Kandidatur aber auch niemand persönlich an. Ich stelle mich als eine Alternative zur Wahl.

Und Ihre guten Freundinnen, Ursula Andress, Michelle Hunziker und Amanda Lear?
Ursula und Michelle lieben beide Bern. Und sie sind auf ihre Weise herausragende Botschafterinnen unserer Stadt. Und natürlich auch der Schweiz.

Was würden Sie als Stadtpräsident von Bern anders machen?
Ich würde damit beginnen, dass in Bern Projekte und Massnahmen in einen grösseren Kontext gestellt werden, Synergien zwischen zum Beispiel Wirtschaft, Tourismus, Kultur oder Bildung weitaus gezielter realisiert werden. Immer auch mit dem Ziel vor Augen, einen substanziellen Mehrwert für Bern als Hauptstadt der Schweiz zu generieren. Und ich würde mich mit Begeisterung dafür stark machen, dass Bern als Hauptstadt national und international viel mehr Visibilität erhält und an Attraktivität dazugewinnt. Bern braucht dringend mehr Menschen, die zu uns kommen.

Aber ist dies in einer so linken und grünen Stadt wie Bern überhaupt erwünscht?
Wäre ich nicht davon überzeugt, dass in Bern die Zeit reif ist für einen frischen Wind in der Politik und damit der Wunsch nach neuen Ideen und Wege für unsere Stadt, hätte ich nicht kandidiert. Ich will mit meiner Kandidatur auch jene Leute erreichen und motivieren, die sich bis jetzt vom konventionellen politischen Geschehen nicht angesprochen gefühlt haben. Und das sind in Bern immerhin über 50 Prozent der Wahlberechtigten.

Aber sind Sie jetzt rechts, links oder grün?
Ich möchte auch noch hervorheben, dass für mich qualifizierende und einengende Bezeichnungen wie «Links», «Rechts», «Grün» heute überholt sind. Eine moderne und dynamische Gesellschaft darf sich keine ideologischen Grenzen mehr selbst auferlegen. Ich will unbefangen und vorurteilslos auf die Menschen zugehen und auch so in die Zukunft blicken.

Wissen Sie schon, wie Sie den ganzen Wahlkampf durchführen?
Nicht in Bern allein, das steht für mich fest. Ich werde meinen Wahlkampf soweit möglich auf die ganze Schweiz ausweiten. Denn ich will die Zukunft der Hauptstadt der Schweiz zu einem nationalen Thema machen für alle Schweizerinnen und Schweizer. Und dafür Werben.



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.



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