K'naan, wie kam die Zusammenarbeit mit Coca-Cola zustande?
Etwa vor einem Jahr hat Coca-Cola meinen Manager angerufen und gefragt, ob ich Interesse hätte, einen Song für die WM-Kampagne zu schreiben.
Den Song "Wavin' Flag" gab es jedoch schon vor der Anfrage.
Genau, mein Album Troubadour kam bereits vorher auf den Markt. Coca-Cola fragte aber nicht nach diesem Song, sondern nur ob ich ein Lied schreiben könne für die geplante Marketing Kampagne.
Sie begannen dann also einen neuen Song zu schreiben?
Es fällt mir nicht leicht, auf Befehl ein Lied zu komponieren. Das ist eigentlich nicht mein Stil. Als ich dann trotzdem im Studio sass und versuchte, einen neuen Songs zu entwickeln, stolperte ich immer wieder über "Wavin' Flag". Das Lied schien mir wie geschaffen für den Event. Ich schickte deshalb "Wavin' Flag" ein und hoffte, dass Coca-Cola der Song gefällt. Und das hat er: Sie haben sich in "Wavin' Flag" verliebt.
Sie komponieren also nicht gerne auf Befehl. Wie entstehen denn ihre Songs im Generellen? Beginnen Sie mit den Lyrics oder der Melody?
Das kann ich nicht sagen. Es ist ein so intuitiver Prozess, dass ich es nicht mal einen Prozess nennen würde. Ein Song entsteht einfach, ohne dass ich mir gross Gedanken dazu mache. Manchmal kann das blitzartig geschehen. Plötzlich ist eine Melodie da und die passenden Worte sprudeln aus mir heraus. Bei "Wavin' Flag" war das zum Beispiel so.
Gab es eine spezielle Inspiration für diesen Song?
Nein, eigentlich nicht. Meistens gibt es keine spezielle Inspiration. Der Song sowie das ganze Album Troubadour sind aber an einem speziellen Ort entstanden: Im Wohnzimmer von Bob Marleys Haus. Bob Marley's Sohn, Damien, ist ein guter Freund von mir.
Der "Coca-Cola-Celebration Mix" von "Wavin' Flag" ist ein sehr fröhliches Lied - im Gegensatz zur Originalversion und ihren übrigen Songs, die oft sehr ernst sind und oft politische Botschaften beinhalten. Können Sie trotzdem voll und ganz hinter der WM-Version stehen oder fehlt nun etwas?
Nein, es fehlt nichts. Denn die Energie der Originalversion ist auch im Celebration Mix enthalten. Der Refrain ist bei den beiden Versionen praktisch identisch. Das ist die Hauptsache, denn der Refrain ist die Seele des Songs. Obwohl der WM-Song sehr fröhlich klingt, hört man, dass da noch mehr im Song verborgen ist, auch wenn man das Original nie gehört hat.
Ist es nicht doch etwas frustrierend, dass nun Millionen Menschen zum Celebrations Mix singen und dabei die ernsten Originaltexte und somit auch ihre Botschaften nicht kennen?
Ich denke, dass viele Personen dank der Coca-Cola-Version von "Wavin' Flag" einen Einstieg zu meiner Musik und damit auch zu meinen Botschaften und Gedanken finden werden. Wer jedoch nur den Celebration-Mix hört, kennt weder mich noch meine Musik. Ich denke der Mix ist wie ein Vorhang, der beim Öffnen den Blick auf mehr frei gibt. Wie ein fröhlich lächelndes Willkommen zu meiner Musik.
Sie sind sozusagen über Nacht zum Sänger der Stunde geworden. Wie gehen Sie mit der plötzlichen Aufmerksamkeit von Millionen von Menschen um?
Es kommt mir alles immer noch sehr surreal vor. Oft fühle ich mich wie ein Beobachter meiner selbst und kann es nicht glauben, dass das alles wirklich passiert. Ich bin teilweise immer noch überrascht, wenn die Menschen mich darauf ansprechen (lacht). Bis vor kurzem war es zum Beispiel unvorstellbar, dass ich in der Schweiz den ersten Platz in den Charts belege oder Teenager zu schreien beginnen, wenn ich irgendwo auftauche. Ehrlich gesagt finde ich das teilweise sehr anstrengend.
Wie fühlen sie sich als Botschafter für Coca-Cola?
Bin ich das?
Immerhin singen Sie den offiziellen Coca-Cola-WM-Kampagnen-Song.
Ich verstehe mich deshalb nicht als Coca-Cola-Botschafter. Ich bin jedoch sehr stolz auf die Zusammenarbeit mit der Marke und stehe voll hinter dem ganzen Projekt. Die ganze Celebrations-Idee ist grossartig und eine Weltmeisterschaft ist sowieso ein toller Event. Dass das Ganze noch in Afrika stattfindet macht es für mich natürlich noch spezieller. Dafür stelle ich meinen Song sehr gerne zur Verfügung.
Sonst haben sie keine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Coca-Cola?
Nein, es geht wirklich nur um den Gebrauch meines Songs. Es gibt also zum Glück keine kleinen Coca-Cola-Männchen, die mich auf Schritt und Tritt verfolgen (lacht). Das hätte nicht funktioniert. Ich bin ein ziemlich unberechenbarer Künstler, dem man nicht vorschreiben kann, was er sagen oder tun soll. Ich bin wer ich bin.
Das Musikgeschäft befindet sich, unter anderem wegen dem ganzen Downloading-Business, in einer Krise. Sind Kooperationen mit Firmen wie Coca-Cola die einzige Löung für Künstler?
Ich denke es ist sehr wichtig, neue Plattformen und Wege zu finden, um sich zu präsentieren. Was ich dank Coca-Cola machen kann, ist eine einmalige Chance, die ich mir nicht einmal in den kühnsten Träumen erträumt hätte.
Interview: Corinne Bauer

