Sauer stösst den Oberwallisern die Tatsache auf, dass die Markenpromotoren nicht einer Kompromisslösung den Vorzug gaben, welche den Interessen dies- und jenseits der Sprachgrenze Rechnung trägt. Dass ihnen nun die französischsprachige Bezeichnung "Valais" aufgedrängt wird, empfinden deshalb viele als Affront. "Warum wird nicht eine bewegliche Marke gewählt, die es gestattet, im Umgang mit der Kundschaft die jeweils 'richtige', weil bekanntere Bezeichnung voranzustellen?", fragte sich etwa der "Walliser Bote" und titelte unlängst: "Dachmarke mit Dachschaden?"
Für die Lokalzeitung ist klar: "Eine Marke, die nicht akzeptiert wird, stellt eine Totgeburt dar." Die deutschsprachige Bevölkerung macht im Wallis rund einen Viertel der Gesamtbevölkerung des Kantons aus, touristisch gesehen aber ist ihre Bedeutung vergleichbar mit jener der französischsprachigen. Der Verdacht der Oberwalliser: die Bedeutung des Tourismus im Oberwallis werde durch die Marke "doppelt verkannt".
Zu den Promotoren der neuen Dachmarkenstrategie gehört Beat Anthamatten, Vorstandsmitglied des Vereins Marke Valais (VMV). Er vergleicht die Vorteile der neuen Marke "Valais" auf Anfrage von "persoenlich.com" mit dem Anschluss der Region an die Neat und ist überzeugt, dass die Walliser Wirtschaft gesamthaft von der integrierten Regionenmarke profitieren kann. "Nur ganz wenige Luxusmarken können es sich erlauben, sich mit mehreren Bezeichnungen zu vermarkten. Auch wir mussten uns auf eine Marke beschränken." Nach verschiedenen Erhebungen habe sich gezeigt, dass lediglich "Valais" in den wichtigsten Märkten akzeptiert werde.
Für die alleinige Verwendung der Marke sprachen laut dem VMV Marktstudien, die in Deutschland, England und der Schweiz durchgeführt wurden. Die Ergebnisse dieser Umfragen hätten gezeigt, dass die Bekanntheit des Wortes "Valais" höher sei als jene des Wortes "Wallis". Zudem sei der Begriff "Wallis" in der englischen Sprache schon mehrfach besetzt. So heisst in Texas eine Stadt Wallis, ebenso eine Inselgruppe im Südpazifik. Anthamatten weist überdies darauf hin, dass auch Raclette und Fendant Markennamen aus der französischen Sprache tragen. "Trotzdem weiss jeder Deutschschweizer, was sie bedeuten", argumentiert der Hotelier.
Das neue Logo zeigt ein stilisiertes Matterhorn, der Markenname "Valais" ist mit dem Schriftzug "Quelle der Alpen" ergänzt. Mit dieser neuen Marke will sich die Region als "Land in der Mitte und an der Quelle der Alpen positionieren. Ungeachtet der Opposition gegen die neue Regionenmarke: Bei den Wirtschaftsverbänden ist das Interesse an der Nutzung der Marke "Valais" gross: Wallis Tourismus trägt das neue Label ebenso mit wie die Walliser Industrie- und Handelskammer und die Walliser Landwirtschaftskammer. Der VMV zählt heute 40 Unternehmen zu seinen Mitgliedern, 50 weitere durchlaufen zurzeit das Zertifizierungsverfahren der Marke Valais.
Laut Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus, ist es zu spät, über die Markenbezeichnung "Valais" zu debattieren. "Wichtig ist nun, dass die neue Strategie konsequent durchgezogen wird", sagt er auf Anfrage von "persoenlich.com". Der nötige Wille dazu sei bei den Wirtschaftsverbänden und beim Walliser Staatsrat vorhanden. Dass die neue Marketingstrategie aufgeht, macht Zenhäusern allerdings von der finanziellen Unterstützung der Kantonsregierung abhängig -- sonst bleibe das Vorhaben ein Papiertiger.
Zenhäusern hofft, dass der Staatsrat die notwendigen Mittel zur Umsetzung der neuen Marke zur Verfügung stellt. Insgesamt fordert er rund 7 Millionen Franken für die Anpassung der Marketinginstrumente sowie zur Erzeugung des nötigen Kommunikationsdrucks -- damit der Wechsel auch wahrgenommen wird. Dass die Marke "Valais" wieder abgeschossen wird, kann er sich nur schwer vorstellen. Ganz anders tönt es in diesen Tagen aus der Politik: Bereits hat ein (Ober)-Walliser Grossrat am Montag bekannt gegeben, er wolle dafür sorgen, dass die deutschsprachige Markenbezeichnung "Wallis" nötigenfalls im neuen Tourismusgesetz verankert werde.
(Text: David Vonplon)

Umstritten: Die neue Dachmarke "Valais" sorgt für Proteste im Oberwallis.

