Am Mittwoch fand im Folium (Sihlcity) in Zürich die zweite Goldbach Mobile World statt. Acht Referenten, zusammengesetzt aus Vertretern von Dienstleistern, Publishern sowie Anwendern, präsentierten ihre Sicht auf die mobile Zukunft. Welche Mobile-Strategien führen zu einer erfolgreichen Kundenbeziehung? Wie wird Mobile Advertising vom Störfaktor zur akzeptierten Dienstleistung? Und ist aus dem Schlagwort "Mobile First" inzwischen Realität geworden? Einig waren sich die Experten laut Medienmitteilung vor allem bezüglich der Herausforderungen, die sich im Bereich Mobile stellen: "Ausbildung, Ausbildung, Ausbildung!“, lautete der Appell. Investitionen in die Technologie sowie eine schlüssige Messung der Wirksamkeit von Mobile-Kampagnen waren weitere Themen des Nachmittags.
Ist das Portmonee bald passé?
Die SBB und local.ch sind Unternehmen, deren Businessmodell sich durch mobile Endgeräte komplett verändert hat. An der Goldbach Mobile World beschrieben Moritz Adler, Product Manager Mobile bei local.ch und Patrick Comboeuf, Director E-Business bei der SBB, den schwierigen und langwierigen Prozess, ihr bestehendes - und inzwischen erfolgreiches - Angebot auf mobile Devices zu transferieren. Für Adler ist es wichtig, bei den App-Nutzern direktes Feedback einzuholen. Ebenso reiche es nicht, nur ein Telefonbuch anzubieten. Man müsse eigene Produkte lancieren. Die local.ch-App zeigt dem Nutzer zum Beispiel Sonderangebote in der Umgebung, die er dann direkt im Geschäft einlösen kann.
Tobias Wirth von der Aduno-Gruppe informierte anschliessend über Trends im Bereich Mobile-Payment. Das Finanzdienstleistungs-Unternehmen setzt hierbei auf die NFC-Technologie, die das kontaktlose Bezahlen per Smartphone ermöglicht. Wirths Vision: Ende 2014 soll es in der Schweiz möglich sein, ohne Bargeld und Kreditkarten das Haus zu verlassen und stattdessen überall per Handy zu bezahlen. Denn: "Cash is so last millennium", findet Wirth.

Bild: Gastgeber Frank Lang (Goldbach), Patrick Comboeuf (SBB), Tobias Wirth (Aduno), Moritz Adler (local.ch)
Mehr Zusammenarbeit gefordert
Die Publisher Branko Radosevic, Leiter Werbemarkt Digital Media Ringier, Sandro Albin, Head of Mobile and News Business bei "20 Minuten", und Björn Wendler, Managing Director bei madvertise, stellten klar, dass ihre Branche nur gewinnen könne, wenn sie stärker zusammenarbeite und sich an den Bedürfnissen der Kunden und User orientiere.
Fakt ist: Die Schweiz ist das mobilste Land der Welt (74 Prozent surfen über Mobile). Dennoch werden nur zwei Prozent der Werbebudgets in Mobile-Werbung investiert (persoenlich.com berichtete). 20min.ch rufen über 70 Prozent der Nutzer nicht an einem stationären Computer auf, sondern über ihr Smartphone – mit Mobile-Werbung wird aber nur ein Sechstel des Gesamtumsatzes generiert. Die Probleme: Mobile-Werbung in ihrer jetzigen Form wird oft als störend empfunden. Zudem ist der Nutzen einer meist sehr aufwendigen Mobile-Kampagne bislang kaum messbar. Dies stimmt ein Unternehmen nicht sehr zuversichtlich.
Genau deshalb müsse mehr in die Marktforschung investiert werden, sagte Annette Dielmann, Managing Director Digital & Business Development Omnicom Media Group Schweiz, stellvertretend für die Anwenderseite. Dielmann und Alexander Oswald, Managing Partner bei Futura, nannten zudem den Mangel an gut ausgebildeten Mitarbeitern, die mit dem aktuellen Stand der Technologie wirklich mithalten können, als grosse Herausforderung.
Den Anschluss nicht verpassen
Die Goldbach Mobile World 2013 zeigte: Vieles steckt noch in den Kinderschuhen. Wir fangen gerade erst an, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie Mobile funktioniert. Gleichzeitig läuft die Entwicklung immer weiter. Dienstleister, Publisher und Anwender sind gefordert, den Anschluss nicht zu verlieren.
Gastgeber Frank Lang, Managing Director Goldbach Interactive & Mobile, fasst zusammen: "Die Mobile Innovation befindet sich noch lange nicht am Ende. Die Kommunikationsbranche arbeitet meist zu reaktiv gegenüber der Technologie und den Nutzern. Sie muss deshalb alles daran setzen, mit der Innovation Schritt zu halten, um sie in Zukunft mitprägen zu können, statt wie bis anhin nur darauf zu reagieren." (pd/set)

