Coop hat trotz Preissenkungen und Einkaufstourismus auch 2013 weiter zugelegt. Der Nettoerlös stieg um 0,9 Prozent auf knapp 27 Milliarden Franken und der Jahresgewinn um 2,2 Prozent auf 462 Millionen Franken. Nachhaltigkeits-Eigenmarken legten überproportional zu.
Coop-Chef Joos Sutter sprach an der Bilanzmedienkonferenz am Dienstag von einer "gewaltigen Deflation", speziell im Nonfood. Die Preissenkungen wurden teils dank besserer Einkaufspreise realisiert, teils aber auch mit tieferen Margen. Innert zehn Jahren hat Coop bei 11'700 Artikeln die Preise um zusammen 1,6 Milliarden Franken gesenkt.
2013 hat der Einkaufstourismus der Schweizer um eine halbe Milliarde auf 8,8 Milliarden Franken zugenommen. Samt Internetkäufen seien wohl rund 10 Milliarden Franken ins Ausland abgeflossen, sagte Sutter. Das sei rund ein Zehntel des Schweizer Detailhandelsvolumens. Das spüre auch Coop.
Quartierläden statt Hallen
Der Coop-Konzern expandierte dennoch weiter und zählte Ende Jahr mit 2162 Verkaufsstellen 34 mehr als vor Jahresfrist. Nach einigen Jahren mit immer mehr Riesenläden wurden nun mehr kleinere eröffnet. Laut Sutter gewinnt die Nahversorgung an Bedeutung, die Kundschaft wolle rasch einkaufen.
Der Personalbestand sank indes leicht um 0,1 Prozent auf 64'399 "Personaleinheiten" respektive 74'955 Angestellte, bei leicht steigenden Personalkosten. Der Betriebsertrag (EBIT) legte um 23 Millionen auf 760 Millionen Franken zu. Die Margenerosion wurde mit Kostenoptimierungen kompensiert, wie es weiter hiess.
Mit einer stabilen Umsatzrendite von 1,7 Prozent sieht Sutter Coop sehr gut im harten Rennen. Er sei "stolz auf dieses Resultat" in einem "erfolgreichen Jahr", es sei einer Genossenschaft würdig. Just ebenfalls um 1,7 Prozent stieg der Detailhandelsumsatz von Coop, während die Branche laut BAK nur 0,3 Prozent zugelegt hatte.
Warenhaus-Umsatz gesunken
Während im Detail die Supermärkte insgesamt 1,6 Prozent höhere Nettoerlöse erzielten, war der Umsatz bei den Coop City Warenhäusern (-4 Prozent) sowie Bau- und Hobby (-2,5 Prozent) rückläufig. Ersteres erklärte Sutter mit einer umbaubedingten Schliessung in Zug. Die Bau- und Gartenmärkte haben hingegen 2013 das schlechte Wetter gespürt. Coop Mineralöl legte derweil mit 3,3 Prozent überproportional zu, denn in langen Wintern wie 2012/13 wird lange geheizt. Zugelegt haben auch die Apotheken und die Parfümerien.
Bei der Elektronik - die unter besonders starkem Preisdruck stand – holten Interdiscount und Microspot.ch mehr herein, Fust hingegen weniger. Der Online-Konkurrenz will Coop mit dem gekauften Internet Haushaltgerätehändler Nettoshop.ch Paroli bieten. Interdiscount bekommt zudem ein neues Logistikzentrum.
Kanapp ein Drittel aller Erlöse aus dem Ausland
Alle Onlineshops des Coop-Konzerns zusammen steigerten ihre Erlöse um 15,3 Prozent auf 905 Millionen Franken. Bisher erkennt Sutter dadurch noch keine Kannibalisierung der eigenen Ladengeschäfte, doch "das steht erst bevor".
Konzernweit erreichten die Bio-Produkte mit 1,06 Milliarden Franken erstmals einen Gesamtumsatz über einer Milliarde und legten damit um 15 Prozent zu. Kumuliert kamen alle Nachhaltigkeitsprodukte auf 2,2 Milliarden Umsatz, was einem Plus von 5,3 Prozent entspricht. Die eigene Billiglinie "Prix Garantie" übrigens soll gestalterisch aufgefrischt werden.
Laut Marketingchef Philipp Wyss ist Coop heute weltweit grösster Anbieter von Biobaumwoll-Textilien. Noch ein paar Zahlen zum Coop Umsatz: 28 Prozent aller Nettoerlöse fallen im Ausland an. 62 Prozent der Schweizer Erlöse erzielt die Gruppe mit Lebensmitteln, davon 22 Prozent mit Getränken und 17 Prozent mit Fleisch und Fisch.
Im angelaufenen Jahr steht ein Dreifachjubiläum an: Zu feiern sind 150 Jahre Genossenschaft, 100 Jahre Marke "Coop" und 25 Jahre Oecoplan Produkte. Mit einem eigenen Label will Coop zudem Produkte aus Schweizer Regionen fördern. Sutter erwartet derweil den gleichen Preisdruck wie im Vorjahr, speziell im Nonfood-Sortiment. (sda)

